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Lokales Arabisten in Dresden: IS-Miliz will Exodus aus Europa
Dresden Lokales Arabisten in Dresden: IS-Miliz will Exodus aus Europa
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09:25 13.10.2016
Die Flagge der Terrororganisation Islamischer Staat an einer Moschee im irakischen Mossul Quelle: dpa
Dresden

Mit ihren Anschlägen in Europa spielen totalitäre islamistische Terror-Gruppen wie der selbst ernannte „Islamische Staat“ (IS) eher indirekt „über Bande“: Besonders dogmatische religiöse Täter wollen gar nicht so sehr Schrecken unter Deutschen oder Franzosen säen, sondern einen Massen-Exodus der Muslime aus dem Westen ins „gelobte Land des Friedens“ auslösen, sprich: ins IS-besetzte „Kalifat“. Das haben die Arabisten Khaldun Al Saadi und Martin Zabel in einem Vortrag im Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) in Dresden eingeschätzt.

Während der jüngsten Terrorbedrohung durch einen 22-jährigen Syrer in Sachsen (DNN berichteten) sei dieser Plan allerdings gründlich schief gegangen, betonte Khaldun Al Saadi: Statt den Bombenleger in spe zu unterstützen, lieferten ihn syrische Flüchtlinge der Polizei aus. Damit hätten in diesem Fall die gemäßigten Kräfte innerhalb der Exil-Syrer die Oberhand gegen die radikalen Elemente behalten – ganz anders, als sich die IS-Planer dies vorgestellt hatten.

In ihrer „Betrachtung totalitärer Entwicklungen im islamistischen Kontext“ zeigten sich Al Saadi und Zabel überzeugt, dass es dem totalitären Flügel innerhalb der radikalislamistischen Szene nur in zweiter Linie darum geht, in den von ihnen so genannten „Kreuzfahrer-Staaten“ Angst zu verbreiten und „Ungläubige“ aller Couleur zu meucheln. In erster Linie spekulieren sie auf die Reaktion der westlichen Gesellschaften: Wenn Franzosen, Deutsche und andere anfangen, allen Muslimen zu misstrauen, ihre Rechte zu beschneiden und sie zu unterdrücken, könnten die sich radikalisieren und sich entscheiden auszuwandern.

„Die Burkini-Debatte kam dem IS nur recht“, sagte Zabel. In Hochglanz-Magazinen für Exil-Muslime schlachten die IS-Propagandisten nämlich diese Diskussionen genüsslich aus und kommentieren sie etwa so: „Seht, wie eure Rechte in den Kreuzfahrerstaaten mit Füßen getreten werden. Deshalb kommt zu uns ins ideale Land“.

Zudem habe der IS aus muslimischen Strömungen wie dem saudi-arabischen Wahabismus und dessen „Export-Variante“, dem Salafismus, eine enorm populäre „totalitäre Trägerideologie“ entwickelt, erklärte Khaldun Al Saadi. „Der Quellcode des Islams besteht für diese Salafisten darin, die Welt zweizuteilen: in rechtgläubige Muslime, die sie lieben, und in Ungläubige beziehungsweise fehlgläubige Muslime, die sie hassen.“ Dieses schlichte dichotome Weltbild übe gerade auf radikalisierte junge Muslime eine große Anziehungskraft aus. Und diese totalitäre Ideologie legitimiere selbst solche Strafen und Gewaltexzesse, die fast alle muslimischen Rechtsgelehrten als völlig unislamisch einstufen.

Von hw

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