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Lokales Anwohnerkritik bringt Ausbaupläne für "Kesselsdorfer" ins Wanken
Dresden Lokales Anwohnerkritik bringt Ausbaupläne für "Kesselsdorfer" ins Wanken
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12:09 20.04.2018
Die „Kesselsdorfer“ wird zwischen Wernerstraße und Rudolf-Renner-Straße ein Zankapfel. Planer halten einen vierspurigen Ausbau für nötig. Anwohner sind dagegen. Quelle: D. Flechtner
Dresden

 Boulevard oder Hauptverkehrsader? Bei der Diskussion über die Kesselsdorfer Straße treffen Wunsch und Wirklichkeit aufeinander. So auch am Mittwochabend im knackevollen Schwarzen Salon des Kinos in der Fabrik, wo die Stadt kurzfristig einen Info-Abend zum Ausbau des nächsten Abschnitts der Kesselsdorfer Straße zwischen Reisewitzer und Rudolf-Renner-Straße angesetzt hat. Dazu kam es, weil der Verein „Dresden zu Fuß“ mit seiner Kritik an der Planung mächtig für Wirbel gesorgt und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) daraufhin die bereits angelaufene Beratung in den Stadtratsgremien gestoppt hatte. Der Verein forderte, auch an diesem Abend unter dem Applaus der Anwesenden, weniger Straße und mehr Raum für Fußgänger. Er habe viel Prügel einstecken müssen, sagte Jens-Uwe Schade aus der Abteilung Verkehrsanlagenplanung des Stadtplanungsamts anschließend. Probleme wirft die Debatte aber auch und vor allem für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) auf.

Ausbau Zentralhaltestelle beginnt im Mai

Die bekommen mit der Zentralhaltestelle an der Kreuzung Tharandter und Kesselsdorfer Straße nun einen lang gehegten Wunsch verwirklicht. Im Mai sollen daran die Arbeiten beginnen, kündigte Schade an. Dort dürfen dann keine Autos mehr fahren, nur noch Busse und Bahnen verkehren. Der nun diskutierte, etwa 6,8 Millionen Euro teure Abschnitt ist für ihn wie auch die Planer der DVB nur die logische Fortsetzung des ersten Abschnitts, wurde gemeinsam mit diesem geplant und auch schon mit Bürgern diskutiert, sagt Schade. Deswegen zeigen sich Stadt und Verkehrsbetriebe von der derzeit heftigen Kritik überrascht.

Die entzündet sich vor allem an dem kurzen Abschnitt zwischen der Wernerstraße und der Rudolf-Renner-Straße. Dort sehen die Pläne einen vierspurigen Ausbau mit überfahrbaren Straßenbahngleisen vor, was auch Eingriffe in den dort relativ breiten Fußweg nötig macht. Man habe mehrere Varianten mit Verkehrssimulationen untersucht, wobei sich diese als einzige als praktikabel erwiesen habe, begründet Schade. Grund dafür sei die in dem Abschnitt relativ hohe Verkehrsbelastung, die derzeit bei rund 19 500 Autos am Tag, in der Prognose für 2030 bei 17 350 Autos liege. Das hat vor allem damit zu tun, dass dort die Autos von der Kesselsdorfer auf die Wernerstraße geleitet werden müssen, weil sich wenige Hundert Meter später der für Autos gesperrte Bereich der Zentralhaltestelle anschließt. Außerdem wirkt sich dort die Rudolf-Renner-Straße aus, die Verkehr von der Coventrystraße und den umliegenden Wohngebieten bringt.

60 Prozent der Haushalte in Löbtau haben ein Auto

Ausbaugegner fordern dagegen, dass die „Kesselsdorfer“ generell zweispurig ausgebaut wird. Autos und Straßenbahnen müssten sich dabei je eine Spur teilen. Aus dem Abschnitt Wernerstraße bis Reisewitzer Straße seien die Autos zudem mehr oder minder ganz zu bannen – vom Anlieferverkehr und Anwohnern mal abgesehen – so der Vorschlag. Negative Auswirkungen dürfte das keine haben, so der Verein „Dresden zu Fuß". Denn: „Von drei Haushalten in Löbtau haben zwei überhaupt kein eigenes Kraftfahrzeug“, wie es in einer Mitteilung heißt. Zahlen der Stadt bestätigen das nicht. Demnach entfallen im Postleitzahlbezirk 01159, der mehr oder minder Löbtau umfasst, auf 18 442 Haushalte genau 11 218 Autos. Das entspricht einer Motorisierungsquote von etwa 60 Prozent. Einen beachtlichen Anteil des Verkehrs auf der Kesselsdorfer Straße, das legen diese Zahlen nahe, erzeugen die Löbtauer selbst. „Einzelne Verkehrsteilnehmer auszuschließen ist immer einfach“, sagt Ortsamtsleiterin Irina Brauner. Es gehe darum, allen etwas anzubieten und den Schleichverkehr auf Nebenstraßen zu verhindern.

Doch das ist nur ein Teil des Problems. Denn die Hauptlast des Verkehrs auf der Kesselsdorfer Straße tragen die DVB. Sie befördern dort täglich 26 000 Fahrgäste in den Straßenbahnen von drei Linien, mit steigender Tendenz. Zwischen Haltestelle Bünaustraße, die barrierefrei ausgebaut werden soll, und Tharandter Straße werden bis 2030 ein Anstieg der Fahrgastzahlen um 20 Prozent erwartet, sagt Andreas Hoppe, der bei den DVB die Verkehrsplanung leitet. Für die Verkehrsbetriebe kommt es auf der Kesselsdorfer Straße deshalb vor allem für einen reibungslosen Ablauf an.

Autos auf Straßenbahngleisen behindern Nahverkehr

„Das wird nicht funktionieren, wenn man Autos und Straßenbahnen auf eine Spur presst“, sagt DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach dazu. Ein einziger Rechtsabbieger in die Rudolf-Renner-Straße würde dann genügen, um den ganzen Verkehr lahmzulegen.

Dennoch: „Sie haben andere Vorstellungen, wir werden diese in die Gremien transportieren. Dort kann man diesen Plan auch ändern“, versprach Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamts, der Runde am Mittwochabend. „Wir müssen definitiv noch eine schmalere Variante sehen“, forderte Stadtrat Martin Schule-Wissermann (Pirat/Linke). Es zeichnet sich also eine längere Debatte in den Gremien ab.

Das ist das nächste Problem für die DVB. „Die Verkehrssimulationen werden zeigen, dass das nicht so einfach geht“, meint zwar Vorstand Hemmersbach. Aber jede Verzögerung ist aus zwei Gründen nachteilig für die Verkehrsbetriebe. Zum einen wird der nun diskutierte Abschnitt benötigt, um Verkehrschaos als Folge des Zentralhaltestellenbaus auf der Kesselsdorfer Straße zu verhindern. Zum anderen bedeutet jede Verzögerung, dass sich die folgenden Abschnitte der Kesselsdorfer Straße nach hinten schieben. Dort müssen jdeoch die Gleise dringend für die neuen, breiteren Stadtbahnwagen angepasst werden. Das nicht nur, weil dort die Linie 7 verkehrt, die mit rund 57 000 Fahrgästen am Kapazitätslimit liegt. Ebenso muss der Betriebshof Gorbitz – eines von zwei Tramdepots – für die neuen Straßenbahnen erreichbar werden.

Von Uwe Hofmann

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