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Lokales Anwohner wehren sich gegen umstrittenes Hochhaus
Dresden Lokales Anwohner wehren sich gegen umstrittenes Hochhaus
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08:23 05.11.2018
So soll der Neubau aussehen. Quelle: WID neu
Dresden

Eine kleine Runde hat sich am Wohnzimmertisch von Elvira und Peter Jaeschke versammelt. Die Sonne scheint durchs Wohnzimmerfenster, die Sicht ist klar, vom Balkon in der 15. Etage sind die Dresdner Höhenzüge deutlich zu erkennen. Familie Jaeschke und ihre Mitstreiter Doris Müller und Ingrid Steinkopff blättern in Unterlagen. Überhitzungsdiagramme des Stadtgebietes, Bebauungspläne und Fotos kursieren. Die Bürgerinitiative „Johannstadt“ tagt.

Gründerzeit statt Wohnturm

Der Mittwoch ist ein wichtiger Tag für die Bürgerinitiative. Dann verhandelt der Petitionsausschuss des Stadtrats die Petition der Johannstädter um ihren Vorsitzenden Peter Jaeschke. Es geht um das von der städtischen Gesellschaft „Wohnen in Dresden“ (WiD) geplante Hochhaus auf dem Grundstück des ehemaligen Kindergartens in der Florian-Geyer-Straße 13. Die Anwohner wollen erreichen, dass der Bau umgeplant wird.

„Wir sind nicht gegen den sozialen Wohnungsbau“, erklärt Jaeschke. „Aber wir sind gegen dieses Hochhaus.“ 132 Wohnungen sollen in dem 16-Geschosser mit einem verbundenen siebengeschossigen Gebäude entstehen. „Zu DDR-Zeiten wurde die Lücke dort bewusst gelassen und der flache Kindergarten gebaut“, erklärt Jaeschke. Ein Hochhaus gefährde die Frischluftzufuhr des Stadtteils über die Bundschuhstraße, ist er überzeugt. Wenn Wohnungen gebaut werden, dann sollten sich die Architekten nicht an den drei Hochhäusern in der Florian-Geyer-Straße orientieren. Sondern an den Gründerzeithäusern mit sechs Etagen. „Mit einem Neubau in dieser Höhe könnten wir leben“, sagen Jaschke, Müller und Steinkopff.

Mit einem neuen Hochhaus wollen sich die Anwohner nicht arrangieren. „Das ist kein Egoismus, es geht uns doch nicht nur um unsere Interessen“, sagen die engagierten Anwohner. Es solle ein nachhaltiges Gebäude entstehen, das von den künftigen Mietern angenommen wird. „Das wäre doch bei diesem Bauwerk nicht der Fall“, glaubt Müller.

Auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens soll ein Hochhaus errichtet werden. Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten

Veralbert würden sie sich fühlen, gelinde gesagt, so die Mitglieder der Bürgerinitiative. Dass das städtische Umweltamt keine Kaltluftschneise an dieser Stelle sieht, können sie nicht verstehen. „Das ist an den Haaren herbeigezogen. Da werden Allgemeinplätze formuliert, das ist so widersprüchlich“, findet Jaeschke. Er vernehme jetzt oft den Begriff Bürgerbeteiligung. „Aber wenn es interessant wird, dann spricht keiner mit den Bürgern. Dann werden sie vor vollendete Tatsachen gestellt“, erklärt er mit bitterem Unterton.

Durchmischung, keine Segregation

Befürworter des Vorhabens hätten sich bei ihnen noch nicht blicken lassen, erklären die Anwohner. Einzig CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns habe sich um ihre Belange gekümmert. „Wir hatten von Anfang an ein offenes Ohr für die berechtigten Einwände der Bürgerinnen und Bürger gegen das Vorhaben. Wir teilen die Bedenken und unterstützen die Petition aktiv“, erklärte Brauns. Sachlich sei die Bebauung in der geplanten Dimension nicht zu begründen. „Der Bereich weist aufgrund seiner Bebauungsstruktur schon jetzt Überwärmungsraten auf. Der Neubau wird sich sehr nachteilig auf die bioklimatischen Bedingungen auswirken“, zitiert Brauns aus einem Gutachten des Umweltamtes.

Der Christdemokrat sieht aber auch negative soziale Effekte, die mit dem Neubau verbunden seien. „Wir brauchen eine Durchmischung und keine Segregation verschiedener sozialer Schichten.“ Eine starke Konzentration von Sozialwohnungen könne zur Ghettoisierung ganzer Stadtteile führen, ist Brauns überzeugt.

Linke-Baupolitiker Tilo Wirtz führt städtebauliche Argumente gegen den Hochhausbau ins Feld. „Zu DDR-Zeiten wurden Hochhäuser immer diagonal versetzt gebaut. Das wurde hier nicht beachtet“, erklärte er. Wirtz würde den Hochhausbau nicht übers Knie brechen, sondern empfiehlt zwei kleinere Scheiben, wie es der Zweitplatzierte eines Architektenwettbewerbs vorsehe. „Dann würden zwar 50 Wohnungen weniger entstehen, aber das Vorhaben würde auf Akzeptanz stoßen“, glaubt er.

Bäume fallen

Grünen-Sozialpolitiker Michael Schmelich kann diesem Argument nichts abgewinnen. „Die Linken sind mit großer Fresse als Speerspitze des Wohnungsbaus in Dresden angetreten. Da kann man bei Gegenwind nicht den Schwanz einziehen“, erklärte der Grüne. Jedes Stockwerk weniger sei eine ökonomische Katastrophe für die WiD. Umplanungen würden außerdem Zeit kosten und dafür sorgen, dass Rot-Grün-Rot das letzte Ziel beim Wohnungsbau aus den Augen verliert: „Wir wollen 800 Sozialwohnungen bis 2021 errichten.“ Allerdings, so der Grüne, hätten Stadt und WiD besser mit den Anwohnern kommunizieren sollen.

Auch der SPD-Unterbezirksvorstand steht zu dem Hochhausprojekt, erklärte der Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas. „Es muss aber quartiersverträglich umgeplant werden.“ So sollten neben kleinen auch größere familiengerechte Wohnungen entstehen. „Sozialer Wohnungsbau heißt für uns, eine gesunde Mischung in den Wohnhäusern und Quartieren herzustellen.“

Jaeschke und seine Mitstreiter sind bei den 45 Jahre alten Bäumen angelangt, die für das Hochhaus gefällt werden müssten. „Es ist ein Jammer“, schüttelt Steinkopff den Kopf.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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