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Lokales Antons Räuberpistolen aus Dresden-Neustadt
Dresden Lokales Antons Räuberpistolen aus Dresden-Neustadt
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08:48 17.09.2016
Anton Launer alias Jan Frintert  Quelle: Foto: Youssef Safwan
Dresden-Neustadt

 „,Halt! Stehen bleiben!’ Die Stimme ist scharf. Der Mann senkt die Taschenlampe, ich sehe langsam wieder Bilder und – blicke direkt in den Lauf einer Pistole. Augenblicklich bin ich nüchtern. Falscher Hauseingang? Komme ich hier heil raus?...“

Die wilden Nachwende-90er mögen längst vorbei sein, die Äußere Neustadt von Dresden längst fest in den Händen von Hipstern statt Punkern sein – doch schräge Gestalten und kuriose Episoden gibt hier immer noch. Der Amüsierhai Anton Launer alias Jan Frintert hält seit Jahrzehnten in dem Szeneviertel Augen und Ohren weit aufgesperrt und verarbeitet seine Erlebnisse in seinem Internet-Tagebuch „Neustadtgeflüster“. Nun hat er ein Best-Of seiner Kurzgeschichten im Band „Anton und der Pistolenmann“ veröffentlicht – seinem zweiten Buch nach „Anton auf der Louise“.

Auf 142 Seiten plaudert Anton über falsche Miethaie, Schwarze Hexen und Blockwart-Hausmeister, über militante Nichtraucher und zugekiffte Hausbesetzer. 40 Stories sind zusammengekommen, kaum eine länger als die Fahr- und Lesezeit zwischen zwei Straßenbahn-Haltestellen. Die literarische Qualität der Stories schwankt ordentlich, aber so ist das eben mit der Authentizität: Die Praxis hält sich ungern an die dramaturgischen Regeln in unserem Hinterkopf.

Chronologisch ziehen sich Antons Alltagsanekdoten und Räuberpistolen durch die ganze Nachwendezeit. Sie zeichnen insofern die phänomenale Mutation der Äußeren Neustadt vom Arbeiter- und Punker-Quartier der 1980er bis zum von Studenten und Architekten okkupierten Kneipenviertel von heute nach. Viele kleine bunte Steinchen eben, die zusammengelegt ein sympathiegetragenes Mosaik der Dresdner Neustadt bilden.

Anton Launer: „Anton und der Pistolenmann“, Kurzgeschichten aus Dresden-Neustadt, Dresden 2016, Eigenverlag, 10,99 Euro, ISBN 978-3-00-054035-6, hier erhältlich

Am Samstag signiert der Autor sein Buch ab 14 Uhr im „Catapult“, Rothenburger Straße 28.

Von Heiko Weckbrodt

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