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Lokales Anneli-Prozess: Staatsanwaltschaft plädiert für Höchststrafe
Dresden Lokales Anneli-Prozess: Staatsanwaltschaft plädiert für Höchststrafe
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18:19 24.08.2016
Angeklagter Markus B. Quelle: Archiv/DNN
Dresden

Dresden„Es ist vor allem aus emotionaler Sicht ein Plädoyer, das sich extrem von denen unterscheidet, die ich schon bei anderen Kapitalstraftaten gehalten habe. So ein Fall ist mir noch nicht bekannt. Er war brutal und rücksichtslos“, sagte Staatsanwältin Karin Dietze gestern im Prozess um den Mord an Anneli. In ihrem Schlussvortrag am Dresdner Landgericht beantragte sie, die beiden Angeklagten wegen Mordes an Anneli-Marie zu verurteilen. Für Markus B., der die Gymnasiastin getötet haben soll, beantragte sie eine lebenslange Freiheitsstrafe und betonte die Schwere der Schuld, was eine spätere Entlassung erschwert. Für den Mitangeklagten Norbert K. sah sie – anders als in der Anklage – Mord durch Unterlassen als erwiesen an und forderte 15 Jahre Haft. Sie rechnete ihm an, dass er nach seiner Festnahme Aufklärungshilfe geleistet hatte.

Die Anwälte der Nebenkläger, Annelis Familie, beantragten für beide Angeklagte lebenslang: Auch sie sahen bei B. die Schwere der Schuld. Die Eltern des ermordeten Mädchens wollten, das hatten sie von Anfang an klar gemacht, die Höchststrafe für die Täter.

Die 17-jährige Gymnasiastin starb einen grausamen Tod - wegen der Schulden und finanziellen Probleme der Angeklagten, der gnadenlosen Selbstüberschätzung und Überheblichkeit von Markus B. und der Feigheit und  Unentschlossenheit von Norbert K. Das Mädchen war im August vergangenen Jahres auf einem Feldweg in der Nähe ihres Elternhauses in Klipphausen gekidnappt, verschleppt und später getötet worden.

Die Idee für die Entführung hatte Marcus B., dem wegen enormer Schulden die Gläubiger im Nacken saßen. Nachdem er im Juli vergeblich versucht hatte, eine Discounterkette mit einer Bombendrohung um 1,2 Millionen zu erpressen, konzentrierte er sich auf die Unternehmerfamilie im Nachbarort. Er beobachtete das Grundstück, spionierte die Gewohnheiten der Familie aus und bemerkte, dass die 17-Jährige jeden Abend mit Hund und Fahrrad unterwegs war. In ihr sah er das potenzielle Entführungsopfer, mit dem sich Geld erpressen ließ. Der 40-Jährige weihte Norbert K. in seine Pläne ein.

Am Abend des 13. August 2015 schlugen sie zu, zerrten das sich heftig wehrende Mädchen vom Rad, brachten es ins Auto und dann in eine Scheune auf jenen Hof in Lampersdorf, wo Anneli starb. Vom Vater des Mädchens forderten sie 1,2 Millionen Euro. Der Vater organisierte das Geld, teilte dies den Erpressern auch mit, doch zur  Geldübergabe kam es nicht.

Markus B. hatte sich im Vorfeld im Internet über Entführungsfälle, Ätherbetäubung und sogar das Gewicht von 1,2 Millionen Euro informiert, aber zwei wichtige Dinge übersehen. Zum einen, dass die Täter bei der Entführung nicht maskiert waren und Anneli-Marie sie wiedererkennen würde. Zum anderen, dass auf dem Grundstück von B. Kaufinteressenten und Makler erwartet wurden. Ein Entführungsopfer wäre da aufgefallen.

Das war das Todesurteil für die Gymnasiastin. „Sie muss streben“, soll Marcus B. entschieden haben. 15 Stunden nach der Entführung ermordete er das Mädchen. „Er zog ihr eine Plastiktüte über den Kopf. Als sie sich weiter bewegte, legte er Kabelbinder und Spanngurte um ihren Hals und zog zu“, hatte Norbert K. bei der Polizei ausgesagt. Er sei dann einkaufen gefahren, als er wiederkam, sei das Mädchen tot gewesen. Er habe bei der Entführung und Erpressung gar nicht mitmachen wollen und sei über die Tötung entsetzt gewesen.

Norbert K. hätte es verhindern können. Er war mehrmals mit dem Mädchen allein, so vor ihrem Tod zwei Stunden in der Scheune. „Er hat sie nicht freigelassen, keine Hilfe geholt, obwohl er wusste, dass B. sie töten wollte. Er hatte nicht Angst um das Opfer, sondern um sich selbst bei der Strafverfolgung“, so Dietze. Und K. war auch im Vorfeld nicht so untätig, wie er angab. „Er wusste, was geplant war“, war sich Nebenklägeranwalt Kay Estel sicher. Marcus B. hätte das Mädchen allein nicht fesseln oder ins Auto bringen können, da muss K. geholfen haben. Dessen Bedauern der Tat setzte wohl erst nachträglich ein, aber auch dann nur halbherzig. Bis heute fanden beide keine Wort der Entschuldigung.

Vor Gericht schwiegen die Angeklagten. Keine Entschuldigung, kein Geständnis  – was die Eltern sehr schmerzt. Sie wollen Gewissheit darüber, was ihrer Tochter passiert ist. Der Vater und die Schwester Anneli-Maries wollen am Freitag eine Erklärung abgeben, da sind die Plädoyers der Verteidigung geplant. Ein Urteil soll Anfang September gesprochen werden.

von Monika Löffler

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