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Lokales Annekatrin Klepsch: „Das Konzept für den Kulturpalast ist in vollem Umfang aufgegangen“
Dresden Lokales Annekatrin Klepsch: „Das Konzept für den Kulturpalast ist in vollem Umfang aufgegangen“
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16:40 25.08.2018
am 11.07.18 in Dresden : BM Klepsch im DNN-Interview Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der Dresden-Tourismus verzeichnet zweistellige Zuwachsraten, der Betrieb des Kulturpalasts hat im ersten Jahr 1,3 Millionen Euro Mehrerlöse eingespielt. Eitel Sonnenschein also? Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) verweist im DNN-Sommerinterview auch auf den neuen städtischen Haushalt, in dem zu wenig Mittel für die freie Szene eingeplant seien.

Frage: Welche Ursache sehen Sie für den Boom des Dresden-Tourismus?

Annekatrin Klepsch: Der Tourismus und die Gästezahlen sind immer auch internationalen Entwicklungen unterworfen, die wir nur bedingt beeinflussen können. Wir sind sehr erfreut über die aktuellen zweistelligen Zuwachsraten. Das zeigt jedoch, wie notwendig es ist, große Ereignisse in die Stadt zu holen. Wir müssen immer wieder Reiseanlässe für Touristen schaffen. Die Wiedereröffnung des Kulturpalastes war so ein großes Ereignis. Ebenso das Zusammengehen mit dem Sächsischen Elbland im Marketing. Die Nachfrage spricht für sich.

Die Tourismuscard hat noch Kinderkrankheiten

Was muss die Stadt tun, um einen stetigen Zuwachs bei den Übernachtungen verzeichnen zu können?

Wir sind angehalten, in einen nachhaltigen Tourismus zu investieren, insbesondere in die Austragung von Kongressen. Kongressgäste bleiben länger als Wochenendbesucher und geben mehr Geld in der Stadt aus.

Ist nur die Stadt in der finanziellen Pflicht oder kann auch die Hotelbranche etwas tun?

Grundsätzlich stehen wir in einem guten Austausch mit der Branche. Die Herausforderung für die Branche besteht darin, trotz Fachkräftemangel gutes Personal zu finden und zu halten, das dem Anspruch einer weltläufigen internationalen Stadt entspricht. Der Germany Travel Mart 2018 in Dresden hat gezeigt, dass es gelingen kann, im Miteinander von Stadt und Branche gutes Marketing zu finanzieren.

Welche Rolle spielt die Tourismuscard für Übernachtungsgäste? Werden die angebotenen Rabatte genutzt?

Die Vorteilskarte wurde im Dezember neu eingeführt. Zum Zeitpunkt der Einführung der Vorteilskarte war uns bewusst, dass wir mindestens das erste halbe Jahr benötigen werden, um Kinderkrankheiten abzustellen. So wurde uns zum Beispiel aus der Hotelbranche zurückgemeldet, dass die technische Abwicklung noch vereinfacht werden sollte. Der Touristische Dienstleister DIG ist gerade dabei, dafür Lösungen zu entwickeln. Es gibt gegenwärtig noch keine Analyse darüber, wie die Angebote wahrgenommen werden, jedoch war es ein Wunsch der Hotellerie, den Übernachtungsgästen der Stadt etwas anzubieten.

Gibt es Überlegungen, die Angebote der Card auszubauen?

Überlegungen gibt es. Ich hoffe zum Beispiel, dass es gelingt, die städtischen Bäder mit einzubinden. Die DIG führt auch Verhandlungen mit der Privatwirtschaft.

Der Kulturpalast für alle muss öfter gereinigt werden

Als Tourismus-Bürgermeisterin stehen Sie mit vielen Gästen im Kontakt: Was loben diese, was wird kritisiert?

Gemessen an der Menge der Gäste und den Übernachtungen haben wir sehr wenige Beschwerden. Meist handelt es sich um Einzelfälle. In persönlichen Gesprächen wird mir häufig Begeisterung über die Architektur, die vielen Kultureinrichtungen, ein Lob für die kurzen Wege im Zentrum und für das gute ÖPNV-Netz mitgeteilt.

Wie ist der Stand bei der Schlussabrechnung für den Umbau des Kulturpalastes? Braucht der Bauherr Kommunale Immobilien Dresden noch mehr Geld?

Mit einem Festakt wurde am 24. Juli 2017 der frisch umgebaute Kulturpalast eingeweiht. Quelle: Dietrich Flechtner

Ich möchte voranschicken, dass Kulturbauten singuläre Projekte sind, die meist mit größeren Problemen verbunden sind. Ob die Berliner Staatsoper Unter den Linden, die Theater Augsburg oder Köln, immer geht es um Mehrkosten in Millionenhöhe. Ein Kostentreiber ist das Thema Brandschutz. Wir haben im Vergleich dazu den Kulturpalast mit rund 103 Millionen Euro sehr günstig saniert und umgebaut. Wir bereiten für den Stadtrat jetzt einen Beschluss vor, in dem wir die Umwandlung der Gesellschafterdarlehen in eine Kapitaleinlage vorschlagen. Zusätzlich wird eine weitere Kapitaleinlage erforderlich. Eine Schlussrechnung der Investition liegt vor, jedoch prüft die KID gegenwärtig noch Nachträge und Schadenersatzansprüche.

Nach mehr als einem Jahr Betrieb: Wurden die Betriebskosten des neuen Kulturpalastes realistisch kalkuliert oder muss die Stadt Geld nachlegen?

Die rechnerische Betrachtung ist noch nicht abgeschlossen. Aber wir können die Kostensteigerungen bisher durch Mehreinnahmen auffangen. Der Kulturpalast ist ein Besuchermagnet. Allein die Bibliothek hat mehrere tausend Besucher jeden Tag, im großen Saal findet mindestens eine Veranstaltung täglich statt. Viele Menschen wollen den Kulturpalast sehen. Das freut uns, führt aber auch dazu, dass wir häufiger reinigen lassen müssen als geplant. Es war politischer Wille, ein Haus für alle zu schaffen. Das wird jetzt umgesetzt mit allen Mietern des Kulturpalastes.

Die Philharmonie hat das Versprechen erhalten, einen Teil der Mehrerlöse für sich verwenden zu dürfen. Wie hoch sind die Mehrerlöse beim Betrieb des Kulturpalastes?

In diesem Jahr erzielen wir Mehrerlöse in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Nach der Sommerpause werden wir eine Vorlage in den Stadtrat einbringen, in der wir vorschlagen, dass die Mehreinnahmen der Bewirtschaftung des Kulturpalastes sowie der Optimierung der Beschallungsanlage zugute kommen. Wir benötigen u.a. zusätzliche Stellen für Techniker und den Besucherservice für die Bespielung des Konzertsaals durch Dritte. Veranstaltungstechniker und Bühnenmeister sind Mangelware. Es ist für alle großen Kulturbetriebe schwer, in diesem Bereich Honorarkräfte zu finden.

Das Bespielungskonzept für den Kulturpalast wurde mit großer Skepsis aufgenommen. Ist es aufgegangen?

Philharmonie-Intendantin Frauke Roth und ihr Team leisten eine hervorragende Arbeit. Das Konzept mit seinen vielen Formaten, die in den Kulturpalast zurückgekehrt sind, ist in vollem Umfang aufgegangen.

Die zeitgenössische Kunst hat in Dresden eine Zukunft

Der andere Neubau hat Sorgen bereitet. Wasser hat das Kraftwerk Mitte geflutet. Welcher Schaden ist der Staatsoperette entstanden?

Durch die Havarie sind in dieser Spielzeit 45 Vorstellungen ausgefallen mit Einnahmeausfällen von 360.000 Euro für 2017 und 235 000 Euro für 2018. Ich bin froh darüber, dass es mit vereinten Kräften gelungen ist, die Spielstätte wieder herzustellen und ausgefallene Premieren nachzuholen. Mein Dank gilt insbesondere allen Mitarbeitern der Staatsoperette und der KID für das Engagement in den schwierigen Monaten. Zu danken ist auch dem Publikum, das Verständnis gezeigt, gespendet und der Staatsoperette die Treue gehalten hat.

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Was ersetzen die Versicherungen?

Den Versicherungen wurden alle entstandenen Schäden an Technik, Bühne und Instrumenten gemeldet. Die finanzielle Regulierung im Einzelnen ist Angelegenheit mehrerer Versicherungen. Der Kommunale Schadensausgleich hat die Schäden an der Technik im Eigentum der Stadt reguliert, das lief schnell und reibungslos. Andere Fragen sind noch offen.

Gibt es eine Zukunft für die Ostrale in Dresden?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Die Ostrale hat einen Antrag auf Förderung für 2019 in Dresden gestellt. Die städtische Messe hat der Ostrale ihre Räume für 2019 angeboten, da die Futterställe bekanntlich von der Bauaufsicht gesperrt sind und eine Sanierung laut Gutachten ca. 13 Mio. Euro kosten würde. Gleichzeitig hat sich die Leitung der Ostrale einen Beschluss in Chemnitz abgeholt. Der Stadtrat in Dresden entscheidet im November über den Doppelhaushalt 2019/20, im Dezember vergibt der Kulturausschuss die Fördermittel. Da wurde die Ostrale bisher mit 82 000 Euro unterstützt. Fest steht, dass die zeitgenössische Bildende Kunst in Dresden eine Zukunft hat.

Geld für die Sanierung der Futterställe im Ostragehege gibt es nicht. Wo soll zeitgenössische Kunst in Dresden präsentiert werden?

Dresden hat zahlreiche Orte und Institutionen, zeitgenössische Kunst zu präsentieren, neben Kunsthaus und Städtischer Galerie sowie den Staatlichen Kunstsammlungen auch zahlreiche private Galerien, die aus dem Kulturetat gefördert werden. Ich setze mich dafür ein, die Robotronkantine für die Präsentation von zeitgenössischer Kunst zu nutzen. Dieses Thema spielt auch bei der Kulturhauptstadtbewerbung eine Rolle. Ungeachtet dessen werden wir ein Konzept für die Nutzung der Futterstelle vorlegen, um diese für die Bildende Kunst als Ausstellungs- und Atelierräume herzurichten.

Chemnitz will auch europäische Kulturhauptstadt werden. Sind Sie sauer auf den Mitbewerber wegen des aktiven Buhlens um die Ostrale?

Nein, warum? Wir stehen bei der Bewerbung im sportlichen Wettbewerb mit Chemnitz, aber auch mit Zittau. Wir stehen in gutem fachlichen Austausch mit den Bewerbungsbüros von Chemnitz und Zittau. Jede Stadt nutzt die Bewerbung, um etwas voranzubringen, mit Kultur Stadtentwicklung zu befördern. Inwieweit der Einkauf der Ostrale der Chemnitzer Künstlerszene nutzt oder eher in Konkurrenz zu ihr tritt, müssen die Chemnitzer beantworten. Ich bedauere, dass die Ostale damit begonnen hat, parallel in Chemnitz zu verhandeln. Solang insgesamt zu wenig Geld für die Finanzierung der freien Szene im städtischen Haushalt ist, steige ich nicht in einen Überbietungswettbewerb ein. Wir haben das uns Mögliche getan, nämlich zahlreiche Gebäude zu prüfen und im Rahmen des kurzfristig Machbaren ein Interim in der städtischen Messe für 2019 anzubieten. Das Verdienst der Ostrale besteht darin, das Ostragehege mittels Kunst wiederbelebt zu haben. Aber wegen des Zustands der Bausubstanz ist dieses Kapitel erst einmal beendet.

Wie weit ist die Kulturhauptstadt-Bewerbung?

Ich glaube, die Dresdner Bewerbung steht im bundesweiten Vergleich gut da. Wir haben einen Oberbürgermeister, der sich an die Spitze der Bewegung gesetzt hat. Das Kuratorium ist mit renommierten Persönlichkeiten besetzt. Mit Michael Schindhelm haben wir einen Kurator, der die richtige Mischung aus künstlerischer Sozialisation und internationaler Erfahrung mitbringt, um uns zu beraten. Sowohl die großen Kultureinrichtungen als auch die Freie Szene entwickeln Ideen für unsere Bewerbung und eine neue Kultur des Miteinanders ist im Entstehen. Die Bewerbung ist ein permanenter Lernprozess, ein Anlass für eine Stadt, über sich nachzudenken und sich zu modernisieren. Das ist an einigen Stellen mühsam und nicht frei von Reibungen. Wir haben jetzt noch gut ein Jahr, das Bewerbungsbuch fertigzustellen.

"Grundsätzlich haben wir in Dresden ein breites und gut aufgestelltes Kulturangebot."

Mit welcher Vision sollte Dresden die Bewerbung gestalten?

Es gibt zwei wesentliche Fragestellungen: Was kann Dresden von Europa lernen? Und was hat Europa davon, wenn Dresden den Titel erhält? Angesichts der Debatte in Deutschland und Europa über die Zukunft der Europäischen Union können wir in Dresden zeigen, wie man mit Kunst und Kultur die Kommunikation neu befördern kann. Dresden befindet sich am Beginn des 21. Jahrhunderts, zwischen Ost und West, ebenso im Umbruch wie Europa. Urbanisierung, Digitalisierung und Migration stellen uns vor neue Herausforderungen. Die Stadtentwicklung soll aus der Kultur langfristig und positiv beeinflusst werden. Wir verfolgen aktuell Projekte wie die Robotron-Kantine, die Erweiterung des Palitzschhofs in Prohlis oder die Entwicklung des Mary-Wigman-Hauses als Probenstätte für die freie Tanzszene. Es geht aber auch um die Existenzbedingungen von Künstlern und die Frage, ob wir eine Honoraruntergrenze brauchen. Schließlich können wir zeigen, wie kulturelle Bildung zur sozialen Integration und zur Verbesserung von Bildungschancen junger Menschen beitragen kann.

Die Großinvestitionen sind mit Kulturpalast und Kraftwerk Mitte abgeschlossen. Bekommen Sie noch Geld für Projekte wie die Robotron-Kantine oder neue Depots für die städtischen Museen?

Zukunft offen: Die ehemalige Robotron-Kantine in Dresden. Quelle: DNN Archiv

Bei der Robotron-Kantine liegt der Ball beim Stadtrat. Eine Informationsvorlage aus dem Baubereich mit den Kosten liegt vor. Ich werbe dafür, die Kantine in der neu entstehenden Lingnerstadt zu erhalten. Unabhängig von Kulturpalast und Kraftwerk Mitte gibt es eine Reihe von Kulturbauten, die wir sanieren müssen. Ich bin froh darüber, dass im Doppelhaushalt Geld für die nächsten Schritte beim Kulturhaus Scheune eingeplant werden. Dort sitzt uns der Brandschutz im Nacken. Auch für den Ostflügel in Hellerau sind Mittel für die nächsten Jahre vorgesehen, um die Sanierung des Festspielhauses abzuschließen. Für die städtischen Museen brauchen wir in den nächsten Jahren ein Depot, jedoch ist dort die Standortfrage noch nicht fertig untersucht.

In Haushaltsentwurf der Verwaltung steht auch mehr Geld für kulturelle Inhalte. Genug?

Grundsätzlich haben wir in Dresden ein breites und gut aufgestelltes Kulturangebot. Trotzdem gibt es Luft nach oben. Der Kulturetat wächst zwar, jedoch vorrangig aufgrund der steigenden Personal- und Mietkosten der durch die Stadt getragenen Einrichtungen. Dem Förderbedarf der Institutionen und Künstler der freien Szene können wir aktuell nicht gerecht werden. Auch für eine künstlerische Entwicklung der städtischen Einrichtungen wäre mehr Geld gerechtfertigt, um wettbewerbsfähig zu bleiben und kulturelle Teilhabe zu verbessern.

Wann wir Dresden wieder mit einem Paukenschlag wie bei „Monument“ auf dem Neumarkt für überregionale Schlagzeilen sorgen?

Es geht ja nicht darum, Schlagzeilen zu machen, sondern mittels Kunst die Debatte in unserer Stadt zu befördern. Die Streitbar-Veranstaltung im März mit Durs Grünbein und Uwe Tellkamp hat eine bundesweite Resonanz ausgelöst. Im September wollen wir die Streitbar-Reihe mit Frank Richter, Marcel Beyer und Bernhard Pörksen fortsetzen. Wir wollen immer wieder Anlässe schaffen, über Kunst und Kultur die Dresdnerinnen und Dresdner in Austausch zu bringen. Dabei geht es auch darum, Kunst und Kultur an öffentliche Orte zu tragen wie bei „Kinokaraoke“ im Juni, den Tagen der elektronischen Musik Ende Juli auf dem Neumarkt oder dem Lesefest der Zentralbibliothek Ende August.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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