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Anlieger der Prager Straße hoffen auf ruhige Zeiten

Straßenmusik in Dresden Anlieger der Prager Straße hoffen auf ruhige Zeiten

Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) hatte am Montagabend auf Einladung des City Managements Dresden erklärt, wie er sich die Regeln für Straßenkunst und -musik vorstellt. Nicht nur Anlieger der Prager Straßen hoffen auf mehr Ruhe - sind aber auch skeptisch, ob die Umsetzung gelingt.

Komplett tabu sein soll die Engstelle auf der Prager Straße zwischen Karstadt und Centrum Galerie.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  „Wir reden über eine App für die Straßenkünstler. Aber was ist mit einer App für die Betroffenen, die einen Arbeitstag von acht bis zehn Stunden mit dieser Beschallung verbringen müssen?“, fragte Jutta Kappel vom Grünen Gewölbe. Der Betriebsrat von Peek & Cloppenburg auf der Prager Straße berichtete von zwei Verkäuferinnen, die in ihrer Verzweiflung Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet hätten – weil sie den Lärm der Straßenmusiker körperlich nicht mehr ertragen könnten.

„Die derzeit gültige sehr liberale Regelung wird ausgenutzt“, konstatierte Citymanager Jürgen Wolf. „Die Verwaltung hat jetzt ein sehr ausgeklügeltes Regelwerk vorgelegt.“ Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) hatte am Montagabend auf Einladung des City Managements Dresden erklärt, wie er sich die Regeln für Straßenkunst und -musik vorstellt. Er sei den Weg bewusst gegangen, seine Vorstellungen zuerst mit den Betroffenen zu diskutieren, ehe er sie den Gremien des Stadtrats zur Verfügung stelle, bekundete der Baubürgermeister.

Dafür und für viele der geschilderten Ansätze erhielt Schmidt-Lamontain durchaus Applaus. Wer in der Innenstadt auftreten will, muss eine Genehmigung beantragen – das soll niedrigschwellig per Smartphone oder Tablet-Computer möglich sein. Damit können die Künstler definierte Auftrittsplätze buchen – und jeden Platz nur einmal am Tag. Das soll für Abwechslung sorgen. Bisher okkupieren die immer gleichen Akteure die besten Stellen und geben anderen Musikern keine Chance.

Komplett tabu soll die Engstelle auf der Prager Straße zwischen Karstadt und Centrum Galerie bleiben, was für Begeisterung bei den Vertretern von Karstadt, Peek & Cloppenburg und Sascha Krause von Wöhrl sorgte. Aber auch Kappel und die Vorsitzende Richterin Katrin Haller vom Oberlandesgericht Dresden atmeten auf: Georgentor und Schlossstraße werden ebenfalls Tabuzonen für Straßenmusiker – im Ständehaus und im Grünen Gewölbe könnte es ruhiger werden.

Davon kann Rechtsanwalt Michael Sadlo nur träumen. Er hat seine Kanzlei an der Frauenkirche und wird rund um die Uhr beschallt. Opernsänger, Akkordeonspieler, osteuropäische Radaumacher, sie alle tummeln sich vor dem Fenster. „An Schriftsätzen arbeiten ist manchmal unmöglich. Wir brauchen Pausen und eine Begrenzung der Lautstärke“, erklärte Sadlo. Pausen will Schmidt-Lamontain überdenken, bei der Lautstärke sieht er keine Grundlage. „Es gibt keine Möglichkeiten für eine präzise Messung“, erklärte er. Ein Verbot von elektronischen Verstärkern wie in Stuttgart könne weiterhelfen, empfahl Haller.

Stadträte wie Christian Avenarius (SPD) oder Hans-Joachim Brauns (CDU) lobten den Baubürgermeister für seine Initiative. Die Regeln müssten nun im Detail iin den Ausschüssen des Stadtrats diskutiert werden. „Bitte zerreden sie das Thema nicht, sondern treffen sie deutlich vor dem Sommer einen Beschluss“, appellierten die Betroffenen an die Kommunalpolitik.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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