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Lokales „1000 Euro – oder alle zehn Minuten ein Finger ab“
Dresden Lokales „1000 Euro – oder alle zehn Minuten ein Finger ab“
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18:26 13.04.2018
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

Viel abgedrehter geht es nicht mehr – und hätte wohl auch Hollywood diese Geschichte nicht erzählen können: Ein junger Mann versucht in der Dresdner Neustadt Drogen zu kaufen, landet zunächst bei zwei Typen in der Wohnung, die ihn dann plötzlich als Geisel nehmen und von der Freundin per Telefon Lösegeld verlangen. Das ist jedoch nicht das Drehbuch für einen Film im Spätabendprogramm, sondern sinngemäßer Inhalt einer Anklageschrift. Die wurde jetzt am Landgericht verlesen, wo sich seit Freitag zwei Männer wegen erpresserischen Menschenraubs verantworten müssen.

Auf der Anklagebank sitzen ein 42-jähriger Straßenbahnfahrer aus Dresden und ein 40 Jahre alte gebürtiger Sebnitzer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, dass sie in der Nacht zum 2. Mai des vergangenen Jahres gemeinsam einen 28-Jährigen in ihrer Wohnung festgehalten haben. Telefonisch hätten sie von seiner Freundin 1000 Euro Lösegeld verlangt, die Forderungen untermauert, indem sie drohten, dem Freund alle zehn Minuten einen Finger abzuschneiden. Die Frau übergab schließlich wenig später das Geld, ihr Freund blieb unversehrt.

Heftige Vorwürfe, die der 42-jährige Enrico T. in wesentlichen Punkten bereits einräumte. Gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bekannten und nun Mitangeklagten Sven N. sei er in dieser Nacht nach einem ausgedehnten Kneipenbesuch in der Neustadt unterwegs gewesen, als sie der 28-Jährige angesprochen habe – um Kokain zu kaufen.

Damit konnten die beiden Männer zwar nicht dienen. Der 42-Jährige, der an Depressionen leidet und deshalb auch Medikamente verschrieben bekam, habe dem jungen Mann jedoch die eigentlich ihm verschriebenen Tabletten angeboten: „Ich hatte im Internet gelesen, dass die das Kokain des kleinen Mannes sind.“

Um die Tabletten zu testen, sei der junge Mann zunächst den Angeklagten in die Wohnung des 42-Jährigen an der Sarrasanistraße gefolgt. Die Stimmung, so schildert der Angeklagte, sei entspannt gewesen – auch später, in der Wohnung. Da hätten sich Enrico T. und der 28-Jährige zunächst noch alleine aufgehalten. Sven N. hatte unterwegs noch Freunde getroffen, wollte später nachkommen.

Das tat er dann auch. Doch mit dem 40-Jährigen sei die Stimmung in der Wohnung plötzlich gekippt. Allen voran Sven N. sei aggressiv gewesen, habe den 28-Jährigen beleidigt und bedroht. Die Situation eskalierte, der junge Mann durfte die Wohnung plötzlich nicht mehr verlassen, obwohl er kurz zuvor gerade gehen wollte. Eine Version, die auch der 28-Jährige später bei seiner Aussage vor Gericht bestätigte: Der N. habe ihn gar vom Balkon werfen wollen. Die Wohnung befindet sich im neunten Stock.

Nachdem dann die Freundin telefonisch zum Zahlen des Geldes aufgefordert worden war, sicherte sie schließlich zu, das Geld zum vereinbarten Treffpunkt vorbeizubringen. Der 42-Jährige sei eigenen Angaben nach dann mit dem jungen Mann nach unten gegangen, wobei sich der 28-Jährige nach kurzem Gerangel befreien konnte. „Ich bin dann weggerannt“, erklärt der 28-Jährige. Was seine Freundin jedoch nicht wissen konnte. In der Zwischenzeit übergab sie das Geld an Enrico T. „Ich bin dann wieder in die Wohnung und wir haben halbe-halbe gemacht“, sagt der 42-Jährige.

Enrico T. schilderte nicht nur aus seiner Sicht den Ablauf der Nacht, sondern gab auch Einblicke in sein bisheriges Leben. Seit Anfang der 1990er Jahre sei er spielsüchtig, das Geld, das er als Straßenbahnfahrer verdiente, habe er gleich wieder am Roulette- oder Pokertisch investiert oder in Spielautomaten gesteckt.Vor einigen Jahren kamen die Depressionen dazu, der 42-Jährige meldete sich krank. „Ich befördere Passagiere. Da hört der Spaß auf“, erklärt Enrico T.

Darüber hinaus wird der 42-Jährige beschuldigt, im November eine Tankstelle überfallen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, der Kassiererin gedroht zu haben, sie umzubringen, wenn sie kein Geld rausrückt. Die Frau konnte flüchten, Enrico T. ging leer aus.

Der 40-jährige Sven N. muss sich ebenfalls wegen eines weiteren Vorfalls verantworten. Er habe laut Anklage im April 2017 vor einem Supermarkt einen Mann geschlagen und zehn Euro gefordert, sein Ansinnen mit einer Todesdrohung untermauert. Das Opfer habe schließlich die zehn Euro rausgerückt.

Beide Männer sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Im Fall einer Verurteilung drohen lange Gefängnisstrafen. Wann das gesprochen wird, ist allerdings noch offen. Das Gericht hat bereits bis Ende Mai mehrere Termine angesetzt, will weitere Zeugen und Sachverständige hören.

Von seko

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