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Lokales Angeklagter pöbelt vor Gericht herum
Dresden Lokales Angeklagter pöbelt vor Gericht herum
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10:30 05.09.2018
Symbolbild Quelle: picture-alliance/ dpa
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Dresden

„Ich gehe bis zum Europäischen Gerichtshof!“, kündigte Mike H. gestern aufgeregt und lautstark im Amtsgericht an, bevor überhaupt eine Anklage verlesen wurde. Es war ein bisschen wie im Kindergarten. Der 47-Jährige wollte einen anderen Anwalt und einen anderen Richter, denn die würden ihn nicht verstehen. Er forderte ein Gespräch mit dem „Chef“, beschimpfte seinen Verteidiger, oder besser machte ihn vor aller Öffentlichkeit richtig zur Sau. Er wollte nicht verhandeln, sondern wieder in den Haftkeller, wollte aller zehn Minuten auf Toilette und drohte selbst Richter Hermann Hepp-Schwab, der es gelassen nahm. „Sie sind ein Lügner, auch sie haben einen Vorgesetzten, an den schreibe ich noch heute. Das ist mein Recht.“

Auf sein Recht pochte der 47-Jährige ständig, das Recht anderer Leute ist ihm dagegen völlig Wurst. Deren Anspruch auf ein sicheres Leben, ohne beklaut, beschimpft oder betrogen zu werden, ist wohl eher Nebensache. Mike H. beschwerte sich lautstark über die Verhandlung und seinen Aufenthalt in Untersuchungshaft - dabei ist das selbst gemachtes Elend, er hat hart dafür gearbeitet. Keiner hat ihn gezwungen Straftaten zu begehen – und da ist einiges zusammengekommen. Sechs zum Teil sehr umfangreiche Anklagen verlas die Staatsanwältin.

Im Mai 2015 war er mal wieder aus der Haft entlassen worden, hatte wenig Geld und verlegte sich aufs Klauen, um sich seinen Lebensunterhalt aufzubessern. Laut Anklage stahl er von da an aus Einfamilienhäusern, Restaurants, Hotels, Pension, Firmen und sozialen Einrichtungen bevorzugt Geldbörsen aber auch anderes, was er für wertvoll hielt – einen Laptop aus einem Gymnasium, eine Uhr aus einer Gaststätte, einen Fernseher aus einem Hotel oder Autoschlüssel und danach die dazugehörigen Autos, mit denen er auch gefahren sein soll, obwohl er gar keine Fahrerlaubnis besitzt.

Das Vorgehen bei seinen Diebestouren war immer ähnlich: Mike H., der nicht arbeiten geht und viel Zeit hat, schaute sich sehr genau die Häuser und die Gegend an, beobachtete wer ein und aus ging und schlich sich, sobald ein Tür offenstand, selbst rein. Wurde er überrascht, hatte er sofort eine Ausrede parat und verschwand dann. Erst später bemerkten die Leute, dass ihnen nach dem ungebeten Besuch etwas abhanden gekommen war. Bis auf zwei Autos handelte es sich zwar nie um große Vermögenswerte – aber bei ihm macht es die Masse der Diebstähle.

Er beleidigte per E-Mail seine Ex-Frau aufs Übelste und auch Polizeibeamte, die sich mit ihm beschäftigen mussten. Wenn man ihm sagen würde, was er der Frau oder den Beamten an den Kopf geworfen haben soll – würde Mike H. wahrscheinlich nach der UN- Menschenrechtskommission schreien. Auf Menschenrechte scheint er wert zu legen, die Verletzung dieser hat er einmal in ein Gästebuch eines Hotels geschrieben, nachdem man ihm mitgeteilt hatte, dass man seinen Aufenthalt nicht mehr wünscht, weil er sich daneben benommen hatte. Ein schrie in gewohnter Manier das Personal an. Ein Tatvorwurf fällt aus dem Rahmen: Im November 2017 soll der Angeklagte ein Handy an der Decke der Damentoilette des Gesundheitsamtes in Riesa montiert und mehrere Frauen beim Toilettengang fotografiert haben.

Bei einer Polizeivernehmung hatte er einige der Vorwürfe eingeräumt, gestern quatschte er zwar ständig dazwischen, wollte sich aber nicht zu den Taten äußern. „Ich rede nicht mit Ihnen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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