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Lokales Angeklagter im Fall Khaled spricht von Notwehr
Dresden Lokales Angeklagter im Fall Khaled spricht von Notwehr
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13:05 28.06.2017
Mit einer Kapuze und Sonnenbrille bekleidet, trifft am 28.06.2017 der Angeklagte Hassan S. im Gerichtssaal im Landgericht. Quelle: Arno Burgi/dpa
Dresden

Anderthalb Jahre nach einem ersten Urteil geht es am Landgericht Dresden erneut um den Tod des Asylbewerbers Khaled aus Eritrea. Das Verfahren wird nach erfolgreicher Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) seit Mittwoch neu aufgerollt. Ein 28-Jähriger ist angeklagt, seinen Landsmann im Januar 2015 im Streit um die Benutzung der Waschmaschine in einer Flüchtlings-Wohngemeinschaft mit einem Messer niedergestochen zu haben.

„Er wird beschuldigt, einen Menschen getötet zu haben, ohne Mörder zu sein“, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius zum Auftakt des zweiten Prozesses gegen Hassan S.. Der Beschuldigte berief sich in einer von seiner Verteidigerin verlesenen Erklärung auch diesmal auf Notwehr.

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Nach seinen Angaben gab es in der Wohngemeinschaft der Afrikaner schon länger Schwierigkeiten mit dem jüngeren Mitbewohner Khaled, der zu viel Alkohol getrunken habe und nicht habe Deutsch lernen wollen. Als er dem 20-Jährigen am Abend des 12. Januar auf dessen Bitte in den Hof des Plattenbaus folgte, habe der ihn ohne Vorwarnung geschlagen. Bei der folgenden Rangelei geriet S. nach eigenen Angaben hinterrücks in den Schwitzkasten. Dermaßen in Bedrängnis will er einen Gegenstand gefühlt, genommen und damit zugeschlagen haben. Als sich der Würgegriff löste, sei er geschockt weggelaufen. Das Messer habe er erst später in seiner Hand bemerkt und weggeworfen.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat S. mit dem Küchenmesser mindestens vier Mal auf Khaled eingestochen. „Der Angeklagte nahm tödliche Verletzungen billigend in Kauf.“ Das Opfer verblutete und wurde am nächsten Morgen vor dem Haus gefunden.

Flüchtlinge, Migranten und Deutsche demonstrierten am 17.01.2015 in der Innenstadt in Dresden (Sachsen), um auf den gewaltsamen Tod von Khaled I. aus Eritrea aufmerksam zu machen. Quelle: Oliver Killig/dpa

Der Fall hatte seinerzeit bundesweit Aufsehen erregt und eine politische Debatte ausgelöst, weil zunächst spekuliert worden war, dass Rechtsextremisten für den Tod Khaleds verantwortlich sein könnten. Es gab Gedenkdemonstrationen in Dresden und Berlin.

Auch die Polizei stand in der Kritik, weil sie ein Gewaltverbrechen angeblich voreilig ausgeschlossen habe. Sie war zunächst von einem Fenstersturz ausgegangen. Erst bei der Obduktion waren dann die Verletzungen in Hals, Brust und Kopf entdeckt worden. DNA-Spuren auf der mutmaßlichen Tatwaffe führten dann zum Mitbewohner S., der anderthalb Wochen später verhaftet wurde. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß: Nach der BGH-Entscheidung wurde der Haftbefehl Mitte Juli 2016 außer Vollzug gesetzt.

Nächster Verhandlungstermin ist am 4. Juli.

dpa

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