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Angeklagte mauern bei ihren Aussagen zur S-Bahn-Attacke in Dresden-Zschachwitz

Duo mit Gedächtnisschwund Angeklagte mauern bei ihren Aussagen zur S-Bahn-Attacke in Dresden-Zschachwitz

„Vom Recht zur Lüge steht nichts in der Strafprozessordnung“, erklärte Richter Herbert Pröls mehrmals in Richtung der Angeklagten. Es war aber auch hanebüchen, was die beiden Männer da erzählten. Der Marokkaner Chakir A. und der Libyer Radouan K. müssen sich wegen versuchten Totschlags vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts verantworten.

Radouan K. und Chakir A. beim Prozessauftakt am Mittwoch.
 

Quelle: Monika Löffler

Dresden.  „Vom Recht zur Lüge steht nichts in der Strafprozessordnung“, erklärte Richter Herbert Pröls mehrmals in Richtung der Angeklagten. Der Mann ist ein gestandener Richter, kam am Donnerstag aber wohl doch manchmal an seine Grenzen. Es war aber auch hanebüchen, was die beiden Männer da erzählten. Ihre Einlassungen waren nicht einfach nur abwiegelnde Märchen, wie man sie gelegentlich von Angeklagten hört, sondern manchmal fast schon Unverschämtheiten gegenüber dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Glauben sie wirklich, dass ihnen jemand diesen Unfug abnimmt? Und das betrifft sowohl ihre Aussagen zu ihren persönlichen Verhältnissen als auch zur Tat.

Der Marokkaner Chakir A. und der Libyer Radouan K. müssen sich wegen versuchten Totschlags vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts verantworten. Sie sollen, am frühen Morgen des 17. März 2017 einen 41-jährigen Mann am Haltpunkt Zschachwitz mit seinem Fahrrad auf die Gleise des Bahnsteigs gestoßen und – trotz einfahrenden Zuges – daran gehindert zu haben, aus dem Gleisbett zurück auf den Bahnsteig zu gelangen. Der Zugführer brachte mit einer Vollbremsung die S-Bahn wenige Meter vor dem Mann zu Stehen.

Chakir A. kann sich an den „Vorfall“, wie er es nennt, kaum erinnern und begründete dies mit dem Konsum von zehn bis zwölf Flaschen Bier, drei Flaschen Wein, einer halben Flasche Whiskey und einer Pille, die für absoluten Gedächtnisschwund sorgen würde. Eines weiß der 24-Jährige aber ganz genau, der andere hat angefangen. Er habe den Radfahrer höflich um Feuer gebeten und der habe „fick dich“ gesagt. Weil er sich beleidigt fühlte, habe er ihm gegen das Rad getreten, worauf ihn der Mann geschlagen und gegen einen Pfeiler gestoßen habe. Er habe ihn dann weggeschubst. Mehr wisse er nicht. Die Erinnerung setze erst wieder ein, als er von der Polizei aus dem Zug geholt wurde.

Da passt manches nicht. Warum zum Beispiel fragt der Nichtraucher einen wildfremden Mann nach Feuer, wenn sein Kumpan ein Feuerzeug dabei hatte? Und warum hat er von der Beleidigung nicht schon bei seinen Vernehmungen erzählt, sondern kam gestern damit raus, wie „Kai aus der Kiste“?

Radouan K., der sich teils genervt, teils gelangweilt präsentierte, will mit der Tat gar nichts zu tun haben. Motto: nur dabei, statt mittendrin. Chakir A. habe mit dem Radfahrer gesprochen und den dann auf die Gleise geschubst. Warum, wisse er nicht. Der Mann sei wieder hochgekommen, habe A. geschlagen und sei von dem dann wieder zurückgestoßen worden, erklärte der 29-Jährige. Da er mit der Sache nichts zu tun haben wollte, sei er in den Zug gestiegen, dann kam die Polizei. An mehr könne er sich nicht erinnern. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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