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Lokales Angeblicher „Burka-Kurs“ in der VHS erregt die Gemüter
Dresden Lokales Angeblicher „Burka-Kurs“ in der VHS erregt die Gemüter
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08:11 12.06.2018
Etwa 50 teils kostümierte Demonstranten gingen gegen den Kopfbedeckungs-Kurs vor der Gorbitzer VHS-Filiale auf die Straße. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

50 teils verkleidete Demonstranten, grimmig dreinblickende Sicherheitsleute, ein filmender Andreas „DJ Happy Vibes“ Hofmann, viel Polizei – das sind ungewöhnliche Bedingungen für einen Volkshochschulkurs in Dresden. Selbst bei diesem Thema: „Kopftuch und Hijab in Dresden – Kleiderordnungen im Islam“. Fünf Semester fand er geräuschlos statt, dann stempelte ihn die Bild-Zeitung zum „Burka-Kurs“ und sorgte für bundesweites Aufsehen. Und für den Auflauf beim nächsten Kurstermin am Montagabend vor der Gorbitzer VHS-Filiale.

Um es gleich zu sagen: Es blieb friedlich. Draußen, wo die Demonstrationsteilnehmer nach Kursbeginn die Nationalhymne anstimmten, und auch drinnen, wo Barbara Lässig mit zwei Begleiterinnen Platz genommen hat. Die frühere Stadträtin hat Unterschriften gegen den Kurs gesammelt, fast 1000 an der Zahl. Vor allem, dass er an einer Volkshochschule stattfindet, stört sie. „Das können die ja machen, aber dann doch bitte bei einem Verband der Flüchtlingsindustrie“, sagt sie. Überreichen will sie ihre Petition an Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke). Ihr Geschäftsbereich soll den an Flüchtlingshelfer gerichteten Kurs initiiert haben. „So habe ich das gehört und mehrfach auf Facebook geschrieben, ohne dass es einen Widerspruch gab“, vermutet Lässig, dass an der Sache was dran sei.

„Wir sind Opfer schlechter Berichterstattung“, sagt VHS-Chef Jürgen Küfner vor Kursbeginn. „Der Kurs war für Flüchtlingshelfer geplant.“ Sie sollten etwas über die Sitten der Leute lernen, die nun in den Asylbewerberheimen sitzen. „Selbstverständlich machen wir keine Werbung für die Burka.“

Stattdessen lieferte Kursleiterin Verena Böll eine knappe Einleitung in die verschiedenen Formen der weiblichen Kopfbedeckungen in islamischen Ländern, die oft die Herkunft ihrer Trägerinnen erkennen lassen. Interessant: Nur 15 Prozent der Frauen in muslimischen Ländern tragen laut Böll eine Kopfbedeckung, Ganzverschleierung sei eigentlich nur in Saudi-Arabien (Nikab) sowie Afghanistan und Pakistan (Burka) üblich. Religiöse Gründe dafür gebe es nicht, der Koran fordere lediglich, dass eine Frau ihren Busen bedecke. Es lägen eher kulturelle Gründe vor.

Einspruch Lässig: „Das Kopftuch ist ein politisches Motiv, das darf man nicht außen vor lassen.“ Tatsächlich laut Böll einer der Gründe, warum Frauen eine Kopfbedeckung wählten: als Muslime oft Opfer von Alltagsrassismus, entschieden sie sich für Hijab & Co., um ein Statement zu geben. Außerdem sei die Kopfbedeckung inzwischen modisch en vogue, auch in Paris. Küfner bringt die Debatte auf den Kern: „Sie haben Angst, dass unsere Gesellschaft Errungenschaften aufgibt“, sagt er und erntet Kopfnicken bei den drei kritischen Kursgästen. „Ich denke nicht, dass das passiert. Wer einmal unsere Freiheit genossen hat, der gibt sie nicht einfach auf.“

Von Uwe Hofmann

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