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Lokales An der Oskarstraße kommen zwölf Meter lange Ungetüme in den Boden
Dresden Lokales An der Oskarstraße kommen zwölf Meter lange Ungetüme in den Boden
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08:20 21.07.2018
Projektleiter Thomas Dorn am Einstiegsschacht zum Entleerungswerk. Hinter ihm sind die neuen Leitungen zu erkennen. Die Stümpfe links führen ins alte Werk. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Vom Baulärm des Gustav-Adolf-Platzes ist fünf Meter unter der Erdoberfläche kaum etwas zu hören. Im Halbdunkel sind gewaltige Rohre mit einem Außendurchmesser von 80 Zentimeter zu erkennen, die verwinkelt durch den Raum laufen, sich abzweigen, in Wänden verschwinden. Thomas Dorn, Gruppenleiter Fernwärme der Drewag-Netz, hält eine Hand auf ein Rohr. „Da kommt Wärme an“, sagt er. Auch wenn Dank der dicken Dämmung von den derzeit etwa 110 Grad Celsius Wassertemperatur im Inneren des Rohres von außen nur wenig zu erfühlen ist.

Neues Werk in der Tiefe angeschlossen

Für das Ausbauprojekt Oskarstraße bedeutet diese geringe, von den Rohren abgestrahlte Wärme allerdings sehr viel. Knapp zwei Wochen nach Wiederaufnahme der Arbeiten, die durch einen gerichtlich verhängten Baustopp 14 Monate pausieren mussten, haben Arbeiter das neue Entleerungsbauwerk im Gustav-Adolf-Platz, das zum großen Teil bereits 2017 vor dem Baustopp entstanden ist, angeschlossen. „Acht Schweißer von vier Firmen waren dafür am Donnerstag im Einsatz“, sagt Dorn. Seither arbeitet das Werk, das einen Tiefpunkt an der Hauptfernwärmetrasse zwischen den Kraftwerken Nossen und Reick markiert. Sollten in dem Abschnitt der Trasse einmal Reparaturen nötig sein, kann die Fernwärmeleitung dort über Pumpen entleert werden. Außerdem ist im Bauwerk reichlich Überwachungstechnik vorhanden, die etwa über eindringendes Wasser oder eine Leckage an der Fernwärmeleitung informiert.

Leitungen mit gewaltigen Ausmaßen: Thomas Dorn steht an der neuen Fernwärmeleitung in der Oskarstraße, die Stümpfe links neben ihm führen in das alte Entleerungswerk der Drewag Netz. Quelle: Dietrich Flechtner

Im Bauablauf erfüllt das Werk jetzt erst einmal einen anderen Zweck: Es ist vorerst der Endpunkt der Leitung vom Kraftwerk Nossener Brücke her. Ein anderer Endpunkt liegt an der Ecke Oskarstraße und Wiener Straße, wo Arbeiter die Leitung an einem kleineren Evakuierungswerk abgetrennt haben. Von dort aus ist das Kraftwerk Reick schon in der Ferne zu erkennen. Zwischen beiden Endpunkten liegt die Baustelle, deren Planung und Durchführung Dorn seit 2015 beschäftigt. Auf etwa 200 Meter Länge muss die Fernwärmeleitung dort aus der Straßenmitte an den Rand verlegt werden. „Die Trasse darf nicht unter den Straßenbahngleisen verlaufen, damit der Verkehr nicht beeinträchtigt wird, wenn wir mal aufgraben müssen“, begründet das Dorn. Deswegen bleiben zum Beispiel auch die Spundwände im Boden, die vor der Verlegung der Leitung in den Boden gebracht werden. „Gleiskörper und Fernwärmeleitung werden so getrennt“, sagt Dorn.

Tonnenschwere Rohre kommen in die Erde

Zwölf Meter lange und sechs Tonnen schwere „Stangen“ kommen nach Einbringen der Spundwände in den nächsten Wochen zwischen Gustav-Adolf-Platz und Wiener Straße in die Erde. Die Ungetüme haben einen Innendurchmesser von 60 Zentimetern, messen durch die dicke Kunststoffdämmung außen jedoch 80 Zentimeter. Sie werden einzeln verlegt und verschweißt. Anschließend müssen die Nähte mit Muffen gedämmt werden, damit es keine allzu großen Leitungsverluste gibt. Schließlich transportieren sie bis zu 135 Grad Celsius heißes Wasser. Unter der Bahnunterführung werden besondere Röhren mit einem Stahlmantel verlegt, die mehr Sicherheit garantieren. „Das ist eine Forderung der Deutschen Bahn, weil wir auch dem Lager der Unterführung sehr nahe kommen“, begründet Dorn.

Die Aufgrabung zeigt, wo die neue Fernwärmetrasse verläuft. Rechts daneben verläuft die alte, später sollen dort Trams fahren. Quelle: Dietrich Flechtner

Diese Arbeiten sind bis Ende September, dem Beginn der Heizperiode, nicht zu schaffen. „Dafür hätten wir im Mai beginnen müssen“, sagt Dorn. Dass es nach dem Baustopp erst Anfang Juli weiterging hat die komplizierte Baustelle noch schwieriger gemacht. Die Lösung stellt ein Provisorium dar: „Wir nutzen einen Teil der alten Leitung, während wir über den Winter die neue daneben bauen“, sagt Dorn. Dafür mussten extra Armaturen angeschafft werden, die die Fernwärme von der bestehenden neuen Leitung in die alte und zurück leiten. Allein sie kosten 180 000 Euro. Insgesamt werden am eigentlich auf 20 Millionen Euro taxierten Ausbauprojekt Oskarstraße rund vier Millionen Euro Mehrkosten durch den Baustopp erwartet.

Erst wenn die alte Leitung weg ist, werden Gleise gebaut

Sind die neuen Leitungen im Boden, „können wir relativ einfach umschalten“, sagt Dorn. Das vor allem ist das Entscheidende: Ein Ausfall der Hauptleitung kann sich die Drewag Netz schlicht nicht leisten. Erst wenn es soweit ist, können die alten Rohre entfernt und die Straßenbahntrasse gebaut werden. Das gilt auch für den Gustav-Adolf-Platz, wo das alte Entleerungsbauwerk noch ausgegraben und abgerissen werden muss. Vom neuen, das direkt unter der künftigen Grünanlage des Platzes liegt, wird man künftig nur beim genauen Hinsehen noch etwas bemerken – Lüftungsschächte und der Einstieg künden vom unterirdischen Bau. Ein großer Schaltkasten neben dem Einstiegsschacht wird noch an den Rand des Platzes verlegt. Zuletzt werden im Mai 2019 dann die Armaturen für das Provisorium entfernt. Einen Monat später sollen nach derzeitiger Planung die ersten Straßenbahnen über die Trasse rollen..

Von Uwe Hofmann

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