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Amir El Khalil ist der erste Flüchtling mit einem Arbeitsplatz bei den DVB

Im Kundenzentrum am Dresdner Postplatz Amir El Khalil ist der erste Flüchtling mit einem Arbeitsplatz bei den DVB

Amir El Khalil ist angekommen. Aus dem Libanon ist er 2015 in die Türkei geflohen und von dort wohl über die inzwischen geschlossene Balkanroute nach Dresden gekommen. All das hat er hinter sich gelassen, spätestens seit er am 1. Februar eine neue Stelle angetreten hat: Im Kundenzentrum der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) am Postplatz.

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Amir El Khalil arbeitet seit Beginn des Monats im DVB-Kundenzentrum am Postplatz.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Amir El Khalil ist angekommen. Aus dem Libanon ist er 2015 in die Türkei geflohen und von dort wohl über die Balkanroute nach Dresden gekommen. So genau weiß das Khalil nicht. Vielleicht will sich der 31-Jährige auch nicht mehr so konkret an die 40 Tage dauernde Flucht erinnern, für die er einem Schleuser 10 000 Euro bezahlen musste. All das hat er hinter sich gelassen, spätestens seit er am 1. Februar eine neue Stelle angetreten hat: Im Kundenzentrum der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) am Postplatz.

„Ich möchte arbeiten, ich habe keine Lust, vom Sozialamt bezahlt zu werden“, sagt Khalil, der als erster Flüchtling einen Arbeitsplatz bei den DVB erhalten hat. Im Libanon sei er bei der Mariott-Hotellkette als Verkaufsleiter ein vielbeschäftigter Mann gewesen. Das ist er nun am Postplatz auch, zumindest von Montag bis Donnerstag. Dann sitzt er in einem Büro in der ersten Etage und bearbeitet die Abonnementenverträge. Und das in einem Tempo, das für viele seiner Mitarbeiter Vorbildwirkung habe, wie Mirko Stark, Sachgebietsleiter für die DVB-Kundenzentren, sagt.

Besonders froh über den Neuen ist er, wenn einer der 5000 bis 6000 Neukunden des vergangenen Jahres im Postplatz vorspricht: In Dresden lebende Flüchtlinge, die über den Dresden-Pass die Busse und Bahnen der DVB nutzen. Nur wenige sprechen Englisch oder Deutsch. Bisher mussten sich die Kundenzentrums-Mitarbeiter mit Händen und Füßen verständigen. Jetzt kann „der Herr aus der ersten Etage“ hinzugerufen werden, wie Stark sagt. Khalil spricht fließend Englisch und Arabisch, sein Deutsch ist zudem mehr als passabel. „Er regelt das dann“, sagt Stark knapp.

Das sei genau das, was er sich wünsche, sagt DVB-Personalvorstand Lars Seiffert. Es gehe darum, gegenseitig zu profitieren, wenn alteingesessene Mitarbeiter und ein Flüchtling im Unternehmen aufeinandertreffen. „Sie sollen das Land und die Sprache kennenlernen und das geht nur, wenn man miteinander arbeitet“, sagt er über die langsam anlaufende Integration in Deutschland lebender Flüchtlinge.

Die DVB tun dafür schon lange das Ihre, beteiligen sich etwa mit dem mobilen Service (Mose) an entsprechenden Programmen. Zwei Dutzend Flüchtlinge hat man bisher dort projektgebunden beschäftigt, Khalil war bis Ende Dezember 2016 einer von ihnen. Mit der Arbeit sei er unzufrieden, hat er der Projektkoordinatorin relativ rasch mitgeteilt. Er wollte mehr tun, als älteren Menschen in die Bahn zu helfen. So begannen die Gespräche, die den 31-Jährigen auf seinen jetzigen Posten gebracht haben.

Dass das für ihn noch nicht das Ende der Fahnenstange ist, daraus macht Khalil kein Geheimnis. „In drei Jahren möchte ich auf einer höheren Stelle sein“, sagt er. Sein Ehrgeiz treibt ihn vor der Arbeit ins Fitnessstudio und danach zum Selbststudium der deutschen Sprache per Youtube.

Khalil hat klare Vorstellungen, wie er vorankommt. „Mein Deutsch muss als erstes besser werden“, sagt er. Keine so leicht Aufgabe in Dresden, „wo alle anders sprechen, als ich es im Unterricht lerne“, wie Khalil sagt. Mit dem Sächsischen wird er künftig mehr und mehr zu tun bekommen: Stundenweise wird er auch am Kundentresen und an der Hotline eingesetzt, damit sich seine Sprachkenntnisse verbessern können. Eine harte Schule, aber den größten Teil des Weges dürfte Khalil schon gegangen sein.

Von Uwe Hofmann

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