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Am Lingnerschloss fallen die Gerüste

Architekt Kelf Treuner im DNN-Gespräch Am Lingnerschloss fallen die Gerüste

Die Gerüste an der Südfassade sind gefallen. Jetzt gehen die Bauarbeiten im Inneren des Lingnerschlosses weiter. Bis Jahresende sollen die drei Salons im Obergeschoss fertig sein. Anschließend ist der Festsaal dran. DNN sprachen mit Kelf Treuner, dem für die Sanierung zuständigen Architekten.

 
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Die Gerüste an der Südfassade sind gefallen. Jetzt gehen die Bauarbeiten im Inneren des Lingnerschlosses weiter. Bis Jahresende sollen die drei Salons im Obergeschoss fertig sein. Anschließend ist der Festsaal dran. DNN sprachen mit Kelf Treuner, dem für die Sanierung zuständigen Architekten. Er hat sein Büro im Schweizerhaus, das auch auf dem Areal liegt.

Wie kommen die Bauarbeiten voran am Lingnerschloss?

Im Dezember ist ja der Mittelrisalit als letzter wichtiger Baustein der Südfassade fertig geworden. Jetzt haben Spaziergänger von der anderen Elbseite aus wieder einen freien Blick auf das Schloss. Auch den schönen Südbalkon im Obergeschoss gibt es wieder. Die nicht zum ursprünglichen Schloss gehörende Glasveranda ist Geschichte. Nur die Verglasung des Wintergartens im Erdgeschoss fehlt noch. Nun geht es im Inneren weiter. Im Moment sind ja nur der Kinosaal und das kleine Ausstellungszentrum im Erdgeschoss fertig. Bis Ende des Jahres wollen wir die drei elbseitigen Salons im Obergeschoss sanieren. Dafür muss beispielsweise die historische Holzbalkendecke, die eine Spannweite von acht Metern hat, statisch verstärkt werden. Man darf nicht vergessen: Das Lingnerschloss war ja mal eine private Villa. Künftig aber werden sich bis zu 200 Menschen gleichzeitig im Obergeschoss aufhalten können.

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Die Gerüste an der Südfassade sind gefallen. Jetzt gehen die Bauarbeiten im Inneren des Lingnerschlosses weiter. Wir durften uns vor Ort einmal genauer umsehen:

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Wofür sollen denn die Salons genutzt werden?

Für wechselnde Ausstellungen – Malerei, Grafik. Die schlicht gehaltenen Räume bekommen wie früher eine umlaufende Wandvertäfelung bis auf Brüstungshöhe der Fenster. Damit bleiben die großen Wandflächen frei für Bilder.

Wann kommt der Festsaal im Erdgeschoss an die Reihe?

Das ist natürlich immer vom Geld abhängig. Aber als nächstes wollen wir schon die drei unteren elbseitigen Salons in Angriff nehmen – den großen mittleren und die beiden nahezu quadratischen kleineren Räume, die durch große Wanddurchbrüche miteinander verbunden werden sollen und den Festsaal bilden.

Wie wollen Sie dem Festsaal seinen festlichen Charakter verleihen?

Bei der Gestaltung des Saals wollen wir auf Techniken zurückgreifen, wie sie im 19. Jahrhundert üblich waren. Die Fußböden erhalten ein schön gegliedertes Tafelparkett mit einem umlaufenden Fries. Die Wände bekommen eine Felderteilung, die in Stuckmarmor- bzw. Marbelcementtechnik ausgeführt werden soll. Diese historischen Techniken basieren auf Gips und wurden in der preußischen Architektur des 19. Jahrhunderts oft angewendet. Bei Erdarbeiten im Schloss sind wir auf Rudimente von Dekorteilen in dieser Technik gestoßen.

Was findet im Festsaal statt?

Konzertreihen, Bälle, die die Dresdner ja lieben, Vorträge, Tagungen und natürlich private Veranstaltungen wie Hochzeiten.

Sind Kronleuchter oder Möbel aus der Bauzeit erhalten geblieben?

Nein. Abgesehen von den historischen Fenstern, die zu 80 Prozent erhalten geblieben sind, gibt es im Gebäude nur ganz wenige Bereiche, die noch vollständig aus der Entstehungszeit stammen – die Kassettendecken in der Westarkade, die originalen Stuckdecken der ehemaligen Mädchenzimmer, die sich unter der Lingnerschen Decke im Erdgeschoss befinden, und das Haupttreppenhaus.

Vor welchen Schwierigkeiten standen Sie bei der Sanierung des Schlosses?

Die Villa ist ja eigentlich ein Musterbeispiel preußischer spätklassizistischer Architektur des 19. Jahrhunderts. Aber anders als Schloss Albrechtsberg ist das Lingnerschloss mehrmals erheblich in seiner Substanz verändert und umgebaut worden. Das hat letzten Endes fast zum Totalverlust des Interieurs geführt. Wir haben versucht, diese Umbauten, die teilweise mit harten Eingriffen in die Originalsubstanz verbunden waren, auf behutsame Art und Weise zu korrigieren. Die beiden ursprünglich leichten offenen Kolonnaden beispielsweise sind zu DDR-Zeiten komplett zugemauert worden. Im Schlossinneren hatte man in den 1950ern massive Eingriffe vorgenommen, so dass von der früheren Raumfolge wenig erhalten geblieben ist. All das haben wir versucht, etwas wieder ins Lot zu bringen.

Wann wird alles fertig sein?

Wenn wir Ende des Jahres mit dem Obergeschoss durch sind, wird es vielleicht noch einmal zwei Jahre dauern, bis der Festsaal komplett ist.

Was kosten die Bauarbeiten im Schloss?

Der Festsaal kostet vielleicht eine Million Euro. 500 000 Euro werden in die oberen drei Salons fließen. Alles in allem werden wir wohl am Ende bei 17 Millionen Euro herauskommen.

Kennen Sie das Lingnerschloss noch aus DDR-Zeiten?

Ja, ich habe ja in den 1980er Jahren Architektur an der TU Dresden studiert und nach der Wende mit meinem Partner das Architekturbüro Weise & Treuner Architekten gegründet, das bis 2008 bestand. Seitdem führe ich ein eigenes Büro.. Ich war natürlich nicht Mitglied im Dresdner Klub der Intelligenz, der für mich damals wie eine Blackbox war. Aber ich habe mal als Student hier drin Aufmaßarbeiten gemacht. Verglichen mit Schloss Albrechtsberg war das Lingnerschloss schon damals nicht mehr im allerbesten Zustand. Heute ist es teilweise umgekehrt.

Welche Projekte haben Sie als Architekt noch betreut?

Zum Beispiel das Kinder- und Jugendhaus Gruna, das Tagungszentrum der sächsischen Wirtschaft in Radebeul, die heilpädagogische Schule in Bonnewitz und – damals noch als Büro Weise & Treuner Architekten – das ZDF-Landesstudio, das Kulturrathaus und das Hotel Bülow an der Dreikönigskirche.

Von Katrin Richter

Dresden, Bautzner Straße 132 51.064162 13.798313
Dresden, Bautzner Straße 132
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