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Lokales Alte Dresdner Feste wird neuartiger Erlebnisraum für die Sinne
Dresden Lokales Alte Dresdner Feste wird neuartiger Erlebnisraum für die Sinne
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08:49 27.08.2018
Der Bohrer schwebt über der Brühlschen Terrasse ein. Der museale Ausbau der Festungsanlage kann beginnen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Kurz dachte man an Peter Schilling von der Neuen Deutschen Welle, aber „völlig losgelöst von der Erde“ schwebten Bohrer und Bagger halt doch nicht am Samstagmorgen vom Terrassenufer auf die Brühlsche Terrasse. Bis zu 20 Tonnen schwer und damit alles andere als schwerelos, mussten sie von einem 200 Tonnenkran durch die Luft gehievt werden. Das Terrassenufer war sogar eigens abgesperrt worden. Sicher ist sicher. Und nein, die Baugeräte hätten auch nicht einfach die Auffahrt an der Evangelisch-Reformierten Gemeinde vorbei nehmen können. Denn hier liegt unter dem Pflaster ein Fernwärmekanal von anno 1870 – „nur zu zehn Tonnen belastbar“, wie Ulf Nickol, Leiter der Niederlassung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), erklärte.

Spaten oder Bombe?

Auch ein Trupp vom Kampfmittelbeseitigungsdienst war angerückt. Im Abstand von 1,5 Metern bohrte er zehn Meter tiefe Löcher ins Erdreich. Vorne am Bohrkopf war eine Sonde dran – „mit der kann man metallische Gegenstände feststellen, wobei man dann, wenn etwas gemeldet wird, erst mal klären muss, ob es sich um eine Bombe oder einen vergessenen Spaten handelt“, ließ SIB-Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger wissen.

Warum der „Spuk“ am Morgen? Nun, mit diesen Spezialtiefbauarbeiten startet der museale Ausbau der Festung Dresden. Im Zuge der Neugestaltung wird ein neuer Eingangsbereich geschaffen, zu ihm wird auch ein Lift führen. Dafür müssen Bagger einen Aufzugs-Schacht in den Erdkörper der ehemaligen Festungswälle graben. Der Fahrstuhl wird 20 Personen fassen können, was nicht ganz streng zu sehen ist. Real wird es auf ein Dutzend Europäer oder fünf Amerikaner oder 25 Asiaten hinauslaufen. Die etwas versteckte Tür, die heute den Eingang bildet, wird dann nur noch ein Ausgang sein.

Festung für Rollstuhlfahrer

Im Zuge der Umbauten, die mit Fahrstuhl sowie neuem Steg- und Wegesystem nicht zuletzt auf Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer abzielen, entstand bereits eine Technikzentrale für Strom und Belüftung. Toilettenanlage? Museumsshop? Wird alles neu!

Ein Bagger gräbt die Brühlschen Terrasse am Ort des künftigen Personenaufzuges auf. Quelle: dpa-Zentralbild

Und die Besucher erwartet eben auch kein Museum im üblichen Sinne mit Vitrinen (was schon wegen der steten Hochwassergefahr nur schwer bis gar nicht zu realisieren wäre), sondern ein Erlebnisraum für die Sinne. Geboten wird eine Reise durch die Geschichte einer Festungsanlage, die einst eine der modernsten ihrer Art in ganz Europa war, wie Christian Striefer, Geschäftsführer der Staatlichen Burgen, Schlösser und Gärten, betonte.

Die Geschichten werden mittels Beamern, die „kaum zu sehen sein“ werden, an die Wand geworfen. „Historisches mediales Theater“ will man bieten, wie Dirk Welich, Leiter für das Projekt „Festung Dresden“, erklärte.

Fürstlicher Geist spukt durch Kasematten

Der Geist von Kurfürst Moritz von Sachsen höchstpersönlich führt die Besucher durch die Festung. Alltagsszenen werden vor Augen geführt, etwa in der Wachstube. Es geht um „die Vermittlung von Gefühlen“ und der Clou dabei soll dabei das Audio-Guide-System sein, das es den Besucher ermöglichen soll, dreidimensional in den Raum abzutauchen.

Bislang zählte man laut Striefler zwischen 35 000 und 45 000 Gäste pro Jahr. Das ist ausbaufähig. Mit 150 Besuchern gleichzeitig in der Festungsanlage ist aber die Kapazitätsgrenze erstmal erreicht.

Für den Aufzugskopf auf der Brühlschen Terrasse sichtete der SIB-Stab laut Beger „gefühlt 100 Entwürfe“. Das Team entschied sich für eine Variante mit einer halbtransparenten, nachts hinterleuchteten Metallverkleidung. Das soll an den wehrhaften Charakter der Festung erinnern. Zudem greift dies mit dem Motiv des Rhombenmusters die Ästhetik der historischen Metalltüren der Festung auf.

Löwen zum Streicheln

An den Seiten des Zugangs sind zur Auflockerung der Schriftzug „Festung Dresden“, ein Infoportal sowie Löwenköpfe zu finden. Diese von der Dresdner Firma Ihle Kunstguss GmbH gefertigten „Türklopfer“ sind laut Nickol ein klassisches Motiv historischer Tore, vergleichbar denen am Dresdner Residenzschloss.

Und Striefler ergänzte, dass der Löwe auch Wappentier der Landeshauptstadt sowie auch der Wettiner sei. Wenn Kinder mit diesen Löwenköpfen spielen, dann ist das durchaus erwünscht. Vielleicht läuft das dann so wie bei der Skulptur der Bremer Stadtmusikanten, die hinter dem Rathaus in Bremen auf einem Sockel steht: Es soll Glück bringen, wenn man dem Esel an die Beine greift, entsprechend abgegriffen ist die Stelle des Denkmals.

Wie auch immer: Der königliche Löwe war einst Sinnbild herrscherlicher Macht. Thron- und Palastarchitektur zeigen oft sein Bild, sein Haupt, seine Pranken. Zudem wurden dem Löwen Unheil abwehrende Kräfte zugeschrieben, er war ein magisch bannendes Wächtersymbol. Im Christentum war der Löwe zudem Symbol des Evangelisten Markus sowie auch des auferstandenen und siegreichen Christus.

Das ganze Projekt soll 4,3 Millionen Euro kosten, im Spätherbst 2019 will das SIB fertig sein. Striefler ist sich sicher: „Wir holen einen Ort, der den meisten nur im Unterbewusstsein ein Begriff ist, an die Oberfläche.“

Von Christian Ruf

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