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Lokales Alle fünf Tage begeht ein Mensch in Dresden Suizid
Dresden Lokales Alle fünf Tage begeht ein Mensch in Dresden Suizid
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11:00 28.04.2018
Symbolbild: Eine Kerze als Symbol der Trauer um einen toten Menschen. Quelle: dpa
Dresden

 In der Landeshauptstadt begehen jährlich rund 80 Menschen Selbstmord. Das bedeutet, im Durchschnitt nimmt sich alle fünf Tage in Dresden ein Mensch das Leben.

 Ein Suizid überrollt das Leben der Angehörigen und hinterlässt schmerzende Schuldgefühle. Verschiedene Experten untersuchen bereits, wie Menschen mit Suizidgedanken noch besser geholfen werden kann. Menschen, deren Gedanken um Selbstmord kreisen, oder die das Gefühl haben, keinen Ausweg aus einer Krise zu finden, können zum Beispiel jederzeit Hilfe und Unterstützung beim Sorgentelefon unter der Nummer 0800/111 0 111 bekommen.

Selbstmord immer noch Tabuthema

In der Gesellschaft ist Selbstmord trotzdem noch häufig ein Tabuthema, was die Trauer der Angehörigen verstärkt. Das Thema Suizid ist aktuell: In den letzten 30 Jahren seien die Fälle in Deutschland bis 2007 gesunken. Danach nehmen sie wieder zu, berichtet Burkhard Jabs, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Städtischen Klinikum und Vorstand des neuen Felber-Instituts.

Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Ihre Gedanken um Selbstmord kreisen, Ihnen das Leben sinnlos erscheint oder Sie den Ausweg aus einer Krise suchen, gibt es viele Hilfsangebote. Die Telefonseelsorge unter den Nummern 0800/111 0  111 und 0800/111 0 222 ist rund um die Uhr besetzt. Zudem bietet die Seelsorge anonyme Mail- und Chatberatungen an. Unter der Nummer 488 53 41 können Betroffene kostenlose, persönliche Beratungstermine beim Dresdner Psychosozialen Krisendienst vereinbaren.

Das Felber-Institut für Suizidprävention gründet sich offiziell am Sonnabend und will herausfinden, wie Menschen noch besser vor Suizid geschützt werden können. Die Mitglieder, zu dene unter anderem eine Juristin, Psychiater und eine Architektin gehören, wollen das gesellschaftliche Problem fächerübergreifend erforschen. Die Institutsgründung findet gleichzeitig mit einem Fachsymposium in den Räumen des Städtischen Klinikums auf dem Weißen Hirsch statt. Auch bei suizid-gefährdeten Jugendlichen spielen viele Einflüsse eine Rolle, berichtet der Psychoanalytiker Eugen Drewermann im Interview.

Neues Institut will forschen und vernetzten

Unter der Schirmherrschaft der Sächsischen Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) diskutieren europäische Mediziner zusammen mit Burkhard Jabs Fragen der Suizidprävention. Zum Beispiel wie mediale Berichterstattung auf Hilfen für suizidgefährdete Menschen aufmerksam machen kann oder wie Suizid-Gefahrenplätze im öffentlichen Raum entschärft werden können.

 „Das Ziel des neuen Instituts ist neben Forschungsarbeiten besonders die Vernetzung und der Austausch der Forscher“, sagt Nadine Glasow. Die Architektin, die sich mit baulicher Suizidprävention befasst, entwickelte zusammen mit der auf Psychiaterin Ute Lewitzka die Idee zu dem Institut auf der gemeinsamen Heimfahrt nach einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Hausärzte können Risiken erkennen

Bauliche Suizidprävention bedeutet beispielsweise tiefe Treppenschächte in psychiatrischen Kliniken zu vermeiden. Doch auch Hausärzte spielen für die Suizidprävention eine wichtige Rolle. „Hausärzte müssten mehr Zeit für ihre Patienten haben“, sagt Jabs. So könnten sie Risikofaktoren erkennen, etwa den Todestag des Mannes und Patienten gezielt auf ihr Befinden ansprechen und Hilfsangebote nennen.

Erstmals Fördergeld des Bundes für Suizidprävention

Erstmals hat die Bundesregierung gezielt Geld für die Forschung in der Suizidprävention bereitgestellt, die bundesweit an verschiedene Projekte vergeben wird. Auch das neue Felberinstitut erhält vom Bundesgesundheitsministerium Fördergeld. Aktuell für den Aufbau eines Netzwerks für Suizidprävention in Dresden und für ein Forschungsprojekt, das untersucht mit welchen architektonischen und baulichen Mitteln Kliniken zur Suizidprävention beitragen können.

 Werner Felber, der Namensgeber, ist ein Dresdner Psychiater. Sein Forschungsschwerpunkt liegt unter anderem auf der Suizidologie.

Von Tomke Giedigkeit

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