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Lokales Ahmad Mesgarha: Lebendig, gemütlich und ehrlich
Dresden Lokales Ahmad Mesgarha: Lebendig, gemütlich und ehrlich
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09:44 10.01.2018
Ahmad Mesgarha übt im Wohnzimmer mit Ehefrau Jana die Choreographie für sein Programm „Ja, Schatz!“. Das Hemd tauschte er für die Showeinlage gegen ein Shirt.   Quelle: Anja Schneider
Dresden

 „Lass die Straßenschuhe ruhig an, ich trage ja selbst welche.“ Ahmad Mesgarha steht mit weißem Hemd und schwarzen Lackschuhen im Türrahmen. Er geleitet uns durch den Wohnungsflur in die offene Küche. Durch den hohen Fensterbogen der Terrassentür fällt viel Licht auf den gedeckten Frühstückstisch. „Eigentlich essen wir morgens nie gemeinsam, weil alle das Haus zu verschiedenen Zeiten verlassen“, räumt Ehefrau Jana ein. „Aber wenn wir mal an einem Feiertag oder sonntags gemeinsam frühstücken, dann ist das frühestens um elf.“ „Und wenn wir einmal alle zusammenkommen, dann wird sehr viel geplappert“, ergänzt Ahmad Mesgarha. „ Alle haben ein großes Bedürfnis, von ihren Terminen und aus ihrem Leben zu erzählen.“

Heute sind wir zu Gast bei Schauspieler, Lagerfeuergitarrist und Etappenpilger Ahmad Mesgarha, der mit seiner Familie in einer Mehrfamilienvilla im Stadtteil Weißer Hirsch wohnt.

Vor zehn Jahren zogen Ahmad und Jana Mesgarha mit ihren Töchtern Antonia und Rosalie in eine 1892 errichtete Villa auf dem Weißen Hirsch, in der noch fünf weitere Mietparteien wohnen. „Das sind lauter nette Menschen: Sowohl junge Familien als auch ältere Damen“, erzählt Jana Mesgarha. Die gebürtige Dresdnerin steht seit ihrer Ausbildung an der Palucca Hochschule als Tänzerin auf der Bühne der Semperoper. Seit nunmehr 20 Jahren arbeitet sie als Tanzpädagogin.

Kennengelernt hat sich das Ehepaar auf dem Theaterkahn im Jahr 1995. Ahmad spielte damals bei dem Stück „Traumtänzer“ mit. „Ich war oben im Restaurant essen“, erinnert sich Jana Mesgarha. „Wir sind ins Gespräch gekommen und Ahmad lud mich zu seiner Vorstellung ein. Ich war dann bei dieser und danach auch noch bei vielen weiteren Vorstellungen...“

Antonia setzt sich mit an den Esstisch. Die 16-Jährige besucht die elfte Klasse des Dresdner Kreuzgymnasiums. Ihre große Schwester Rosalie hat im vergangenen Jahr ihr Abitur beendet und feierte Neujahr in Sydney. Nach dem Aufenthalt in Australien möchte Rosalie studieren, am liebsten ein Gemisch aus Theater und Pädagogik, wissen ihre Eltern.

Die Familie teilt sich ihren Wohnraum noch mit drei Vierbeinern: der fünfjährigen Hündin Ayla und den beiden Katzen Mila und Lotta. „Als Berliner Junge hatte ich damals eher eine Beziehung zu Tauben und Spatzen“, räumt Ahmad Mesgarha ein. Doch längst sind die tierischen Mitbewohner dem Schauspieler ans Herz gewachsen. Vor allem Ayla. „Sie ist am ruhigsten in der Familie. Wenn jemand ein Problem hat, spürt das Ayla und ist zur Stelle. Sie hat viel Geduld“, erzählt Ahmad Mesgarha. Zweimal täglich führt ein spontan gewähltes Familienmitglied den Golden Retriever in der Dresdner Heide aus.

Im Wohnzimmer steht ein Ecksofa mit purpurfarbenen Polstern. Über der Couch hängt ein abstraktes Bild des Radebeuler Künstlers Eckhard Kempin. „Das gibt dem Zimmer eine gewisse Modernität“, findet Ahmad Mesgarha. Tatsächlich steht vorwiegend altes Mobiliar aus dunklen Hölzern in der Wohnung und verleiht den eigenen vier Wänden der Familie einen heimeligen Charme. „Wir wollen niemandem etwas vormachen – dies ist keine moderne Designerwohnung. Aber sie ist zumindest ehrlich“, meint der zweifache Familienvater.

Das Wohnzimmer ist der zentrale Ort des Familienlebens. „Hier entstanden auch mit der Unterstützung meiner Frau die Tanzschritte für mein Soloprogramm ’Ja, Schatz!’“, erklärt Ahmad Mesgarha. Außerdem finden in dem Raum gemeinsame Filmabende statt. Der Flachbildschirm im Wohnzimmerschrank und das Soundsystem sorgen für Heimkino-Atmosphäre. „Dann essen wir vor dem Fernseher zu Abend und die Katzen gesellen sich dazu.“

Hin und wieder geht es mit der Familie auf Reisen. „In diesem Jahr zieht es uns nach Südafrika“, verrät Ahmad Mesgarha. „Jana liebt die Ostsee, aber die Mädchen wollen Abwechslung. So waren wir in den letzten Jahren auch in Frankreich, Amerika und Italien. Im Urlaub ist dann endlich Zeit für einen Spieleabend in familiärer Runde. Wir haben über 30 Spiele im Schrank. Einige werden dann mit auf Reisen genommen.“ Er hat ein Faible für das Gesellschaftsspiel Werwolf, das von Beeinflussung der Mitspieler und geschicktem Bluff lebt. „Ich kann zwar schlecht lügen und bin eher schlecht in Strategiespielen. Aber mir gefällt, dass bei Werwolf das spielerische Element im Vordergrund steht. Und ich bin gut darin, etwas herauszufinden“, schmunzelt Ahmad Mesgarha.

Aber es gibt es auch Dinge, die dem Schauspieler nicht so gut liegen: „Namen vergesse ich zum Beispiel immer. Telefonnummern oder Bankleitzahlen kann ich mir auch nie merken. Deswegen ist das Textelernen für mich wirklich knüppelharte Arbeit. Ich muss sehr viel üben, oft bis zu vier Stunden am Tag.“ Der gebürtige Berliner geht gerne mit Ayla eine Runde im Wald, um sich dabei die Texte für ein neues Stück einzuprägen.

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„Das besondere an unserer Familie ist, dass jeder eigentlich auch gut mit sich alleine zurechtkommt“, findet Ahmad Mesgarha. Er sucht und braucht gelegentlich Momente für sich allein, als Ausgleich zur Ensemblearbeit und zum Familienleben. Als Rückzugsort dient ihm sein Arbeitszimmer, dessen Wände dicht an dicht Lieblingsbilder des Künstlers schmücken. Es sind Fotos von der Familie, Aufnahmen von Inszenierungen sowie Porträts von Persönlichkeiten, die Ahmad Mesgarhas Wirken beeinflusst haben und dies immer noch tun. Ein Abbild Goethes fällt ins Auge: „Das besondere an ihm ist, dass er seine Gedanken in der Literatur verwebt. Ich muss die Sätze oft hundertmal sprechen, um herauszufinden, wie man sie auf der Bühne spricht“, sagt der Schauspieler.

Innere Ruhe findet er außerdem beim Laufen. Da können schon 60 bis 70 Kilometer in der Woche zusammenkommen. „Beim Laufen denke ich an nichts“, erklärt der 54-Jährige. „Wenn ich in den Flow komme, wird der Kopf völlig leer.“ Seine persönliche Bestzeit stellte der begeisterte Langstreckenläufer beim Berlin-Marathon 2013 auf. Die 42 Kilometer lange Strecke überwand er in drei Stunden und 32 Minuten. Auch in Köln und San Francisco schnürte Ahmad Mesgarha seine Laufschuhe und nahm an Marathonläufen teil.

Doch er hat sich nicht nur dem Laufen, sondern auch dem Wandern verschrieben und pilgert auf dem Jakobsweg. „Ich wandere etappenweise“, erklärt Ahmad Mesgarha, „denn so lange aus dem Ensemble auszusteigen, wäre ein Riesenakt“. Mittlerweile hat er 800 Kilometer überwunden, ist bis zum Bodensee vorgedrungen. Auf dem Weg dahin traf er erst zwei Pilger. „Doch auf den letzten 200 Kilometern herrscht sicherlich Stau wie auf dem Elberadweg im Sommer. Und ganz am Ende ist es wie in der städtischen Straßenbahn um 16 Uhr“, lacht Ahmad Mesgarha, der bis zu seinem 60. Geburtstag zur spanischen Atlantikküste gelangen will.

Der Jakobsweg ist jedoch nicht die erste Tour, die der 54-Jährige antrat: Über seine im Jahr 2013 angetretene Laufreise auf dem Inselstaat erschien 2017 Ahmad Mesgarhas erstes Buch mit dem Titel „Was willst du denn auf Island“.

Jana Mesgarha und Tochter Antonia hingegen lassen es etwas ruhiger angehen. Sie packen lieber ihre Tennistaschen und schlagen Bälle auf dem roten Schotterplatz des TC Bad Weißer Hirsch. Beide Tennisenthusiasten fahren regelmäßig zu Punktspielen.

Fit zu sein hat viel mit gesunder Ernährung zu tun, weiß Ahmad Mesgarha. So kommt viel Obst und Gemüse, dafür aber wenig Fleisch auf den Esstisch. „Ich achte da total drauf und rechne alles konsequent durch. Schließlich muss ein Läufer jedes Kilo mit sich rumschleppen.“ In der Küche schwingt der 54-Jährige höchstpersönlich den Kochlöffel und lernt dabei seine Texte: Derzeit hängen Papierbögen mit Ausschnitten aus „Maria Stuart“ über der Herdplatte am hölzernen Hängeschrank. Zum Silvesterabend tafelte der Deutsch-Iraner selbst kreierte orientalische Feuerbällchen mit Pfefferminzjoghurt, gegrillten Tomaten und Reis auf. Die Zutaten kauft seine Ehefrau vorwiegend auf Märkten oder in Bio-Läden ein.

Neben gesundem Essen spielt auch Musik in der Familie eine wichtige Rolle: Antonia nimmt Geigenunterricht und spielt im Orchester des Kreuzgymnasiums. Außerdem singt die Schülerin im Kinderchor der Semperoper. Ahmad Mesgarha hingegen hat sich Gitarrengriffe selbst beigebracht. „Ich verfüge ausschließlich über Lagerfeuerqualitäten“, lacht er. „Aber ich habe große Sehnsucht danach, so spielen zu können wie Eric Clapton. Vielleicht wird das ja noch.“

Ein weiterer Zukunftsplan des Schauspielers ist das Mitwirken bei der Produktion eines Hörbuches. Zudem sei die Filmschauspielerei ein für ihn „eher unentdecktes Land, das es in den nächsten Jahren nach Möglichkeit zu erkunden gilt. Ich bin da aber gelassen.“ Diese Einstellung findet sich auch im Lebensmotto von Ahmad Mesgarha wieder: „Alles kommt zu dem, der warten kann.“

geboren im 1963 in Berlin, aufgewachsen in Berlin Prenzlauer Berg

1980 bis 1983 Baufacharbeiter mit Abitur

1983 bis 1985 anderthalb Jahre Dienst bei Nationaler Volksarmee

1985 bis 1989 Studium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig

war ab 1989 für ein Jahr am neuen Theater Halle tätig

seit 1990 ist Mesgarha festes Ensemblemitglied des Staatsschauspiels Dresden

Mesgarha erhielt 2004 für seine künstlerische Leistung den „Erich-Ponto-Preis“

2017 erschien Mesgarhas erstes Buch „Was willst du denn auf Island“ über seine 2013 angetretene Laufreise

aktuell spielt Ahmad Mesgarha im Staatsschauspiel bei den Inszenierungen von „Hamlet“, „Hexenjagd“ und „Maria Stuart“ im Staatsschauspiel mit und präsentiert sein Soloprogramm „Ja, Schatz!“ auf dem Theaterkahn

Von Junes Semmoudi

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