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Lokales Ärzte gründen Netzwerk gegen Parkinson
Dresden Lokales Ärzte gründen Netzwerk gegen Parkinson
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13:48 31.10.2018
Parkinson-Patient Johannes Neumann und seine Ehefrau Karin reisen zweimal im Jahr aus der Lausitz an, damit Johannes Neumann in der Uniklinik behandelt werden kann. Mit Dr. Kai Loewenbrück besprechen sie das weitere Vorgehen. Quelle: Foto: Dietrich Flechtner
Dresden

Derzeit leben in Sachsen 32 000 Patienten mit Parkinson. Das sind in etwa so viele, wie Meißen Einwohner hat. 2030 werden es aufgrund des demografischen Wandels doppelt so viel sein.

Versorgung in ländlichen Regionen soll verbessert werden

Mit diesen Zahlen erklärt Dr. Kai Loewenbrück, Facharzt für Neurologie an der Uniklinik in Dresden, die Notwendigkeit seines aktuellen Projektes: Das Parkinsonnetzwerk Ostsachsen (Panos), welches er gemeinsam mit Dr. Martin Wolz vom Meißner Elblandklinikum und Dr. Pe­ter Themann von der Klinik am Tharandter Wald gegründet hat. Mit der Vernetzung soll eine gleichberechtigte und rechtzeitige Versorgung für etwa 15 000 Pa­tienten in Ostsachsen sichergestellt werden. Denn vor allem die Patienten aus ländlichen Regionen seien viel zu schlecht versorgt: „Die Chance auf eine Therapie, beispielsweise mit einem Tiefenhirnstimulator, ist in Dresden sechs Mal höher als in ländlichen Regionen“, sagt der Neurologe.

56 Prozent der Parkinson-Patienten kommen als Notfall in die Dresdner Uniklinik. Also erst dann, wenn es für viele Therapiemöglichkeiten schon fast zu spät ist. Diese Zahl will der Arzt mit Panos verringern: „Wenn Patienten überall Zugang zu Spezialisten haben, gäbe es weniger Frakturen und Stürze, weniger Einweisungen in Pflegeheime und die Patienten würden mehr Lebensqualität gewinnen“. Doch die Finanzierung des Netzwerkes ist aktuell noch unklar, ein Förderbescheid des Innovationsfonds wurde jüngst abgelehnt. Die beteiligten Ärzte stemmen den Aufbau des Projektes derzeit aus ei­gener Tasche und mit Spenden.

Infotag für Erkrankte und Angehörige am 10. November

Johannes Neumann ist ein Beispiel, wie eine Behandlung auch auf dem Land funktionieren kann. Der 83-Jährige wohnt mit Ehefrau Karin in Kreba-Neudorf bei Niesky. In Löbau ist er wegen seiner Parkinson-Erkrankung bei einem Neu­rologen in Behandlung. Gleichzeitig besucht er einmal im halben Jahr die Dresdner Uniklinik. Die ersten Anzeichen der Erkrankung hat der damals 72-Jährige erst nicht ernst genommen: „Es fing da­mit an, dass ich meine Suppe kaum noch löffeln konnte, weil ich so wackelte“, erinnert er sich. Etwa ein Jahr später bat ihn seine Frau, nun endlich mal zum Arzt zu gehen. Mit viel Geduld und Glück fand er die Praxis von Dr. Wolf, welche auch Kontakte zur Dresdner Uniklinik pflegt. Die Diagnose Parkinson ließ dann nicht mehr lange auf sich warten: „Beim Laufen fiel auf, dass ein Arm mitschwang und einer schlaff herunterhing“, erzählt Neumann. Heute könne er gut mit der Krankheit leben, sagt er. Dass er in dieser Praxis und in der Uniklinik gelandet ist, sieht er selbst als „Glücksmoment“ an.

Wie Loewenbrück und sein Panos­Team­ die Zukunft der Parkinson-Patienten in Ostsachsen verbessern wollen, er­klären sie am 10. November bei der Auftaktveranstaltung mit Vorträgen und Fragerunden im Medizinisch-Theoretischen Zentrum an der Fiedlerstraße 42. Um eine Anmeldung unter der Telefonnummer 458 50 07 wird gebeten.

Was versteckt sich hinter der Erkrankung Parkinson?

Der Name der Krankheit Parkinson ist auf den englischen Arzt und Apotheker James Parkinson zurückzuführen. Er beschrieb 1817 erstmals die Symptome ausführlich. Damals hieß die Krankheit noch „Schüttellähmung“, da Parkinson bei seinen Patienten das auffällige Zittern der Hände beobachtete.

Heute ist klar, dass dieses Symptom nicht bei allen Parkinson-Patienten auftritt. Auch eine fortschreitende Ver­langsamung der Bewegungen und Steifigkeit der Gliedmaßen sind typisch für die Erkrankung. Diese entsteht durch das Absterben von Nervenzellen im Mittelhirn, in der so genannten „schwarzen Substanz“. Diese Zellen stellen normalerweise den Botenstoff Dopamin her, welcher für die Steuerung unserer Bewegungsabläufe zuständig ist. Je weniger Dopamin produziert werden kann, desto schlechter wird die Beweglichkeit eines Menschen.

Warum es bei Patienten zum Absterben der Dopamin produzierenden Zellen kommt, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Aktuelle Forschungen weisen aber darauf hin, dass es in vielen Fällen eine Wechselwirkung von angeborenen Anlagen und Einflüssen aus der Umwelt ist. Die direkte Vererbung der Krankheit ist dagegen eine Ausnahme.

Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Krankheiten im fortgeschrittenen Alter. In Deutschland sind Schätzungen zufolge über 200 000 Menschen betroffen. Diese sind in der Regel älter als 55 Jahre. Moderne Therapien ermöglichen in den meisten Fällen jedoch eine annähernd normale Lebenserwartung der Patienten sowie eine verbesserte Lebensqualität.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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