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Lokales AOK Plus schickt Gesundheitsberater ins Rennen, die chronisch und mehrfach Kranken helfen sollen
Dresden Lokales AOK Plus schickt Gesundheitsberater ins Rennen, die chronisch und mehrfach Kranken helfen sollen
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17:43 09.09.2015
AOK Plus-Gesundheitsberaterin Gabriele Fähndrich (l.) berät Geert Leber, der mehrere gesundheitliche Probleme hat. Quelle: Ralf U.Heinrich

Ziel der durch die Krankenkasse angebotenen Beratung ist natürlich Geld zu sparen. Das ruft Skepsis hervor. Doch das Angebot ist offenbar auch für Patienten ein Gewinn.

Geert Leber aus Radebeul jedenfalls kann das nur bestätigen. Bis vor drei Jahren ging es dem heute 67-Jährigen gesundheitlich trotz seiner chronisch obstruktiven Lungenerkrankung gut. "Doch mit einem Mal war Schluss", sagt er. "Plötzlich ging gar nichts mehr und ich wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht." Diagnose: Vorhofflimmern. Es blieb kein einmaliges Vorkommnis. Geert Leber leidet an einer koronaren Herzerkrankung, die nun schon fünf Krankenhausaufenthalte mit zum Teil komplizierten Operationen erforderte. Eine 6. OP steht bevor. Zudem machen dem Radebeuler eine Angststörung und das Restless-Legs-Syndrom, eine neurologische Erkrankung mit Gefühlsstörungen und Bewegungsdrang in den Beinen, zu schaffen. "Vor allem nachts kribbelt es wie Ameisen in den Beinen und ich bin überempfindlich gegenüber Kälte", schildert Geert Leber, was ihn plagt.

Aufgrund seiner zahlreichen Krankenhausbesuche nahm Gabriele Fähndrich mit Geert Leber Kontakt auf. Die ausgebildete Krankenschwester ist eine von acht Gesundheitsberaterinnen der AOK Plus für den Raum Sachsen und Thüringen, die zwei bis drei Versicherte pro Tag aufsuchen. "Alle unsere Gesundheitsberater sind vom Fach, haben eine Ausbildung als Krankenschwester oder Altenpfleger absolviert. Sie arbeiten mit einem Team zusammen, das aus zwei Beratungsärzten, zwei Apothekern, Vertretern aus den Bereichen Pflegeversicherung, Heil- und Hilfsmittel und Krankengeld besteht", erläutert AOK-Plus-Sprecherin Hannelore Strobel.

"Wir nehmen uns Zeit für Gespräche, verschaffen uns einen Überblick über sämtliche gesundheitliche Probleme der Betroffenen, prüfen die verordneten Medikamente und ob der Mix überhaupt verträglich ist, schauen, welche Einflüsse im Leben eventuell einen ungünstigen Einfluss auf die Gesundheit haben, welche Therapien noch möglich sind, welche Hilfen außerdem in Anspruch genommen werden könnten. So knüpfen wir Kontakte zu Sozialämtern und Pflegeeinrichtungen", beschreibt Gabriele Fähndrich ihren Job. Über 280 Versicherte hat sie in den zwei Jahren ihrer Tätigkeit schon betreut.

Geert Leber konnte sie viele Fragen zur Wirkung seiner Medikamente beantworten, Tipps geben, was man noch tun kann, um die Beschwerden des Restless-Leg-Syndroms zu verringern. Sie unterstützte ihn bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises. "Sie hat mich auch überzeugt, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen", so Geert Leber. Denn er war zu DDR-Zeiten als politischer Gefangener in Bautzen inhaftiert. Eine Zeit, die offenbar tiefe seelische Wunden hinterlassen hat. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte verringern konnte Gabriele Fähndrich in diesem Fall allerdings nicht.

"Eine koronare Herzerkrankung kann man durch Beratung natürlich nicht beseitigen", so Hannelore Strobel. "Es ist auch nicht das harte Ziel, die Krankenhausaufenthalte zu verringern. Es geht darum, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und die Situation für den Versicherten zu verbessern. So gewinnen am Ende beide." An anderen Beispielen wird das noch deutlicher.

Fall 2: "Eine Chefärztin aus einer Kurklinik bat das AOK-Fallberatungszentrum um Hilfe. Sie vermutete, dass das kariöse Gebiss einer Patientin die Ursache für eine Wundheilungsstörung nach einer Hüft-OP ist. Die Ärztin plädierte für eine schnelle Sanierung der Zähne, doch in einer Kurklinik wäre nur eine Notbehandlung möglich gewesen", berichtet Gabriele Fähndrich.

Als sie die Patienten aufsuchte, wurde das Ausmaß der Probleme deutlich. "Die Frau hatte sich jahrelang um ihren kranken Mann gekümmert und sich selbst vernachlässigt, litt außerdem unter einer extremen Angst vorm Zahnarzt. Zudem lebte sie nur von ALG2 und einer kleinen Witwenrente, war nicht einmal imstande, die Zuzahlung zur Kurklinik zu leisten", so Fähndrich. Sie erreichte, dass die Frau für die Kurklinik nichts zuzahlen musste, überzeugte sie, sich einem Psychologen vorzustellen. Der attestierte die Zahnarztphobie, wodurch eine Narkose möglich wurde. Schließlich organisierte Gabriele Fähndrich, dass die Frau sofort nach Beendigung der Kur in der Uniklinik Dresden aufgenommen wurde. "Dort entfernte man ihr das kariöse Gebiss operativ und sie bekam ein Ersatzgebiss." Die Wundheilungsstörung ist nun Geschichte.

Fall 3: Weil ihre kleine Tochter unter epileptischen Anfällen leidet, suchte eine junge Familie immer wieder verzweifelt Hilfe in der Klinik. "17 Krankenhausbesuche kamen in einem Jahr zusammen", so AOK-Sprecherin Strobel. "Unsere Gesundheitsberaterin hat die jungen Eltern umfassend aufgeklärt, was sie tun können, wenn es wieder zu epileptischen Anfällen kommt und wann man tatsächlich eine Klinik aufsuchen muss. Das Ergebnis: Die Zahl der Krankenhausaufenthalte sank auf zwei im Jahr." Dass die Gesundheitsberatung am Ende ausgleichen soll, was Ärzte immer seltener schaffen - sich Zeit nehmen für Gespräche und umfassend beraten - räumt Strobel ein. Weil das Beratungsprojekt so erfolgreich ist, gebe es Überlegungen, die Zahl der Gesundheitsberater aufzustocken.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.09.2014

Catrin Steinbach

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