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ADFC feiert 120 Jahre Radwege in Dresden – Stadt war mal Vorreiter

Im Großen Garten ADFC feiert 120 Jahre Radwege in Dresden – Stadt war mal Vorreiter

Vor 120 Jahren wurde auf der Herkulesallee im Großen Garten in Dresden Sachsens erster Radweg eröffnet. „Dresden war in Deutschland mal Vorreiter in Sachen Radverkehr. Heute hängt die Stadt diesbezüglich hinterher“, sagt der ADFC. Doch die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes kommt jetzt in die Gänge, verspricht der Baubürgermeister.

Historische Postkarte vom Radfahrweg im Großen Garten Dresden.
 

Quelle: Archiv

Dresden.  Zünftig gekleidet boten Radler auf historischen Fahrzeugen – darunter zwei Hochrädern – am Montag im Großen Garten ein nostalgisches Bild. Der Anlass: „Vor 120 Jahren eröffnete der königliche Gartendirektor Friedrich Bouché entlang der Herkulesallee im Großen Garten auf einer Länge von 1,5 km eine 5,5 Meter breite Radfahrbahn, den ersten Radweg in Sachsen“, weiß Nils Larsen, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Dresden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V.

Larsen recherchierte im Hauptstaatsarchiv in Dresden und stieß dort kürzlich auf einen Brief, den der Königlich Sächsische Obergartendirektor Friedrich Bouché am 20. November 1897 an die Königliche Polizeidirektion zu Dresden schrieb. Bouché teilte mit, dass „die Radfahrbahn in der Herkulesallee des Königl. Großen Gartens“... „auf der Strecke von der Lennéstraße bis zum Flutgraben - ca. 1500 m – nunmehr fertiggestellt“ sei und dem Verkehr übergeben werden solle. „An die sehr geehrte Königliche Polizeidirektion ergeht deshalb hierdurch das Ersuchen, die am 5. des Mts übersandte Fahrordnung thunlichst unter dem heutigen Datum durch die Amtsblätter gefälligst veröffentlichen zu lassen.“

ADFC-Mitglieder und Fans historischer Fahrräder feierten gestern die Eröffnung des „Ersten Radweges Deutschlands“

ADFC-Mitglieder und Fans historischer Fahrräder feierten gestern die Eröffnung des „Ersten Radweges Deutschlands“. So ganz stimmt das nicht, denn in Bremen war man ein kleines bisschen schneller. Das schreibt der ADFC auch auf seiner Internetseite.

Quelle: Dietrich Flechtner

Laut ADFC habe das Fahrrad damals im Dresdner Stadtbild schon lange eine große Rolle gespielt. 52 Fahrradfabriken und -handlungen mit tausenden Arbeitern habe es 1898 in der Stadt gegeben. Nach der Eröffnung der ersten Radfahrbahn in Dresden seien in den Jahren danach weitere drei Kilometer separate Radwege entstanden.

Auch wenn die im Sommer 1897 im Bürgerpark in Bremen eröffneten Radwege die ersten ihrer Art in Deutschland waren, habe Dresden doch in Sachen Radverkehr damals eine Vorreiterrolle eingenommen. „Heute hängt Dresden hinterher“, so das Urteil von Rolf Leonhardt vom Landesverband Sachsen des ADFC. „Im Vergleich zu Leipzig würde ich sagen fast zehn Jahre. Aber wir sind jetzt auf einem guten Weg.“

Helmut Arnold und Marco Köhler (vl) auf ihren Hochrädern

Helmut Arnold und Marco Köhler (v.l.) auf ihren Hochrädern. Es ist gar nicht so einfach, auf diesen die Balance zu halten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Leonhardt meint damit das Dresdner Radverkehrskonzept. Es wurde Ende vergangenen Jahres beschlossen. „Ob der Vergleich mit Leipzig stimmt, kann ich nicht beurteilen. Aber es sind tatsächlich erhebliche Anstrengungen nötig, um ein zusammenhängendes Radwegenetz auf den Hauptverkehrsrouten hinzubekommen“, nahm Dresdens Stadtentwicklungs- und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain, der dem Termin im Großen Garten beiwohnte, den Ball von Leonhardt auf. Zumal die Zahl der Unfälle mit Radfahrern und auch die Zahl bei Unfällen schwer verletzter Radfahrer in Dresden vergleichsweise sehr hoch sei.

Um das Radverkehrskonzept umsetzen zu können, wurden in der Verwaltung sieben neue Stellen geschaffen. „Die neuen Mitarbeiter beginnen jetzt nach und nach ihren Dienst. Wir können also jetzt erst anfangen, das Konzept umzusetzen“, mahnte der Baubürgermeister Realismus in der Sache an. „Wenn das Konzept bis 2025 umgesetzt sein soll, muss angesichts knapp 450 offener Punkte jede Woche eine Maßnahme fertig werden“, so die Fahrradlobbyisten. zu den ersten Maßnahmen im kommenden Jahr zähle das Anlegen von Radfahrstreifen auf der Albertstraße, so Schmidt-Lamontain.

Radfahrordnung von anno dazumal

„Bekanntmachung den Verkehr auf der Radfahrbahn im Königlichen Großen Garten betreffend“ vom November 1897 – vom ADFC gefunden im Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10923 Staatliche Gartenverwaltung, Großer Garten Dresden, Nr. 41.

1. Von Fußgängern, Reitern und Wagen darf die Radfahrbahn nicht benutzt werden.

2. Das Radfahren ist auf der Bahn nur dann gestattet, wenn die an den Zugängen angebrachten Schranken geöffnet sind.

3. Die Radfahrer haben sich auf dem Wege rechts zu halten; mehr als zwei Personen dürfen nach einer Richtung hin nicht nebeneinander fahren.

4. Das Führen oder Schieben von Fahrrädern ist auf der Bahn verboten.

5. Es darf, insbesondere in der Nähe der Kreuzungspunkte der Bahn mit anderen Wegen, nur mit mäßiger Schnelligkeit gefahren werden; Wettfahrten sind strengstens untersagt.

6. Zur Erlernung des Radfahrens darf die Bahn nicht benutzt werden.

7. Der Gebrauch der Glocke ist auf den freien Strecken zu unterlassen und das Läuten auf die, von anderen Wegen durchschnittenen Stellen zu beschränken.

Zuwiderhandlung gegen diese Fahrordnung zieht Verweisung von der Fahrradbahn und Geldstrafe bis zu 60M. oder Haft bis zu 14 Tagen nach sich.

Dresden, 20. November 1897, unterzeichnet ist die Radfahrordnung von einem Polizeirat der Königlichen Polizei-Direktion und dem Königlichen Obergartendirektor der Königlichen Gartenverwaltung

 

Von Catrin Steinbach

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