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83 Dresdner Kinder wollen ohne Empfehlung aufs Gymnasium

3772 Viertklässler 83 Dresdner Kinder wollen ohne Empfehlung aufs Gymnasium

Der Ansturm von Schülern aufs Gymnasium ohne Bildungsempfehlung dafür hält sich in Grenzen. 83 Viertklässler sind es in Dresden. Macht knapp fünf Prozent aller Kinder mit Empfehlung für die Oberschule.

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Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Alles halb so wild: Der Ansturm von Schülern aufs Gymnasium ohne Bildungsempfehlung dafür hält sich in Grenzen. Nach Informationen von Petra Nikolov, Sprecherin der Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden, sind es 83 Viertklässler. Macht knapp fünf Prozent aller Kinder mit Empfehlung für die Oberschule. Wie berichtet haben Eltern neuerdings das letzte Wort bei der Entscheidung über den weiteren Bildungsweg ihres Kindes nach der Grundschule. Für insgesamt 3772 Viertklässler, 72 mehr als im vergangene Jahr, geht die Suche nach der richtigen Schule in die entscheidende Runde. Eine ganze Reihe Kinder wird nicht an der Wunschschule anfangen können, weil sich an einzelnen Oberschulen und Gymnasien deutlich mehr Viertklässler als an anderen beworben haben. Am Freitag gab die Bildungsagentur die Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen bekannt.

Anmeldezahlen für weiterführende Schulen

Anmeldezahlen für weiterführende Schulen

Quelle: Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden

Der Landtag hatte bekanntlich jüngst eine neue Bildungsempfehlung auf den Weg gebracht. Bisher war ein Notendurchschnitt von mindestens 2,0 in Deutsch, Mathematik und Sachunterricht Voraussetzung für eine Gymnasialempfehlung. Dagegen hatten Eltern erfolgreich Klage eingereicht, das Oberverwaltungsgericht in Bautzen verlangte vom Gesetzgeber eine Neuregelung. Die Bildungsempfehlung bleibt zwar bestehen. Für Kinder mit Empfehlung für die Oberschule, die aufs Gymnasium wollen (oder von den Eltern aus sollen) gab es einen schriftlichen Leistungstest in Deutsch, Mathe und Sachunterricht. Termin war am vergangenen Donnerstag. Dieser Test war kein Muss und wurde auch nicht bewertet, bildet aber einen Schwerpunkt bei den Beratungsgesprächen, die der Leiter des jeweiligen Gymnasiums zwingend mit den Eltern führen muss. Diese Gespräche finden bis 21. März statt.

Die meisten Schüler mit Empfehlung nur für die Oberschule – nämlich gleich zehn – haben im Gymnasium Cotta über dem einstündigen, sieben Seiten langen, zentralen Leistungstest gebrütet. „Ich fand, da haben sich die Kollegen mal was einfallen lassen, die 17 Aufgaben waren recht anspruchsvoll“, lobt Schulleiter Jürgen Karras. Er selbst hat alle bis auf eine richtig gelöst. „Da habe ich mir wohl die Aufgabenstellung nicht richtig angeschaut“, rechtfertigt er sich mit einem Schmunzeln. Abgesehen davon hat Karras ein Problem mit dem Leistungstest. „Die Lehrer an der Grundschule kennen die Schüler seit vier Jahren und haben auf Oberschule entschieden – Punkt“, meint er. Wie solle er, Karras, anhand des Tests einschätzen, ob die Kinder das Zeug fürs Gymnasium haben?, fragt er. 101 Schüler haben sich insgesamt am Gymnasium Cotta beworben, 26 mehr als 2016. „Wir machen in diesem Jahr eine Punktlandung, denn wir dürfen vier Klassen aufmachen“, berichtet Karras.

Am begehrtesten ist nach wie vor ein Platz am Gymnasium Bürgerwiese. 222 Anmeldungen hat Schulleiter Jens Reichel vorliegen – 54 mehr als im Jahr zuvor. Darunter sind drei Kinder, die keine Empfehlung vorweisen können. Lediglich 165 Plätze hat der Schulleiter zu vergeben, so dass gelost werden muss. „Gesetzt sind lediglich Geschwisterkinder, und wer nur bis zu 20 Minuten Fußweg bis zu uns hat, wird auch angenommen“, erklärt Reichel. Über das Kurze-Schulwege-Kriterium hatte vor zwei Jahren das Verwaltungsgericht entschieden. Was den Leistungstest für die drei Kinder ohne Empfehlung angeht, findet Reichel, dass man daraus sehr gut ableiten könne, wie die Kinder drauf sind. „Bei den drei Fällen, die ich habe, handelt es sich um Kinder, die bis zur 3. Klasse alles Einsen hatten und jetzt nun auf dem Halbjahreszeugnis eine ,3’ kassiert haben“, berichtet der Schulleiter. Die Eltern seien aufgeschlossen und wünschten eine fundierte Beratung. „Darunter ist niemand, der sein Kind auf Teufel komm raus am Gymnasium unterbringen will“, so Reichel. Selbst Eltern, deren Kinder eine Empfehlung fürs Gymnasium in der Tasche hätten, würden sich von ihm beraten lassen.

120 Schüler, davon sechs ohne Empfehlung, haben sich bei Frank Haubitz, Leiter des Gymnasiums Klotzsche angemeldet. „Ich nehme an, dass ich noch ein paar Schüler aufnehmen werde, die anderswo nicht angenommen worden sind, und dann fünf 5. Klassen einrichte“, vermutet er. Bei den Beratungsgesprächen mit den Eltern der sechs Schüler am kommenden Montag und Mittwoch werde er darauf hinweisen, dass irrt, wer meint, „dass er sein Kind bei uns abgibt und nach acht Jahren als Fertigprodukt abholt“. Er sage aber prinzipiell allen Eltern, dass sie mit ihren Kindern im Gespräch bleiben sollten. „Ich ziehe den Hut und freue mich, dass die Eltern verantwortungsvoll mit der Neuregelung umgegangen sind und nicht in erster Linie sich selbst verwirklichen wollten“, resümiert Haubitz mit Blick auf die stadtweit 83 Kinder ohne Empfehlung.

32 und damit vergleichsweise wenige Schüler haben sich am Gymnasium Dreikönigschule angemeldet. Im vergangenen Jahr waren es noch 73. Grund dürfte das Hickhack um die dringend notwendige Sanierung der Schule in der Neustadt sein. Eine ganze Menge umgelenkter Schüler kann auch das Gymnasium Pieschen aufnehmen, das im Sommer neugegründet wird. Dort wollen freiwillig nur zehn Kinder hin.

Auch die Oberschulen werden seit Jahren sehr unterschiedlich angenommen. Die meisten Anmeldungen verzeichnet die 56. Oberschule (106), dicht gefolgt von der Oberschule Pieschen (104) und der 76. Oberschule (103). An der 107. Oberschule hingegen haben sich nur 18 Viertklässler angemeldet. Dorthin werden dann auch zahlreiche Kinder umgelenkt, die mit ihrem Erstwunsch nicht zum Zuge kamen.

Von Katrin Richter

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