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Lokales 60 Jahre nach dem Erstflug der 152 boomt die Dresdner Luftfahrtindustrie
Dresden Lokales 60 Jahre nach dem Erstflug der 152 boomt die Dresdner Luftfahrtindustrie
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19:14 04.12.2018
Neben Gerhard Güttel (v.r.) hat Verkehrsminister Martin Dulig im Rumpf der 152 Platz genommen. Mit Tomatensaft stoßen außer den beiden IMA-Chef Thomas Fleischer, LRT-Vorstand Wolfgang Göhler, Verkehrsmuseums-Chef Joachim Breuninger (stehend), der neue Flughafen-Chef Götz Ahmelmann und EFW-Chef Andreas Sperl an (v.l.). Quelle: Anja Schneider
Dresden

Gerhard Güttel sieht sich im Cockpit der 152 im Hangar des Dresdner Flughafens um. „Naja, das hat schon alles ein bisschen anders ausgesehen damals“, sagt er. Der 94-Jährige muss es wissen. Er ist es schließlich geflogen, das legendenumrankte Verkehrsstrahlflugzeug 152, das einzige aus DDR-Produktion. Als ein Prototyp der Dresdner Entwicklung am 4. Dezember 1958 das erste Mal vom Boden abhob, saß Güttel jedoch nicht am Steuer. Dieser etwas unglücklich V1 genannte Prototyp stürzte bei einem zweiten Flug 1959 ab (siehe Kasten) – es war der Anfang vom Ende für das ehrgeizige Prestigeprojekt der jungen DDR. „Wir hätten die 152 flugfähig bekommen, keine Frage. Aber wir haben durch den Absturz ein Jahr verloren und das war nicht mehr aufzuholen“, sagt Güttel heute. England, Frankreich und die Sowjetunion hatten die Dresdner mit eigenen Projekten abgehängt, 1961 stampfte die SED die eigene Flugzeugproduktion ein.

Das war nicht das Ende. Weder für Güttel der beim Dresdner Flugzeugwerk noch bis in die 1970er das fliegende Personal leitete und generalüberholte Flugzeuge testflog. Noch für die heutigen Elbe Flugzeugwerke (EFW) die sich mit der Reparatur und Wartung von Flugzeugen – derzeit vor allem aus der Airbus-Familie – ein bis heute tragendes Standbein aufgebaut haben. „Darüber hinaus entwickeln und fertigen wir die Fußbodensysteme für alle Airbus-Programme, sodass man mit Fug und Recht sagen kann, dass man überall auf der Welt beim Betreten einer Airbus-Maschine auf sächsischem Boden steht“, sagt EFW-Geschäftsführer Andreas Sperl.

Nur ein Beispiel für größere und kleinere Betriebe, die im Zusammenhang mit der DDR-Flugzeugproduktion am Flughafen Dresden und im weiteren Umfeld entstanden sind. „Es macht mich stolz zu sehen, was wir auf der grünen Wiese geschaffen haben“, sagt Güttel dazu. Die dazu passenden Zahlen hat Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) parat, der am Dienstag bei einer kleinen Geburtstagsfeier anlässlich des ersten 152-Fluges auf Güttel traf. 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Luft- und Raumfahrt gebe es in Sachsen. Sie beschäftigten fast 7000 Mitarbeiter und erwirtschafteten einen Jahresumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. „Unsere Unternehmen gehören zu den Innovationstreibern in Bereichen wie Aus- und Umrüstung von Flugzeugen, Komponentenfertigung für Flugzeuge und Raumfahrtobjekte sowie bei Tests von Flugzeug- und Raumfahrtstrukturen“, weiß Dulig.

Beispiel dafür sind die Prüfexperten der IMA Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH. „Ein modernes Flugzeug besteht aus mehr als einer Million Einzelteilen, viele davon sind sicherheitsrelevant und die Materialen und Bauteile sowie deren Komplexität haben sich verändert“, sagt IMA-Chef Thomas Fleischer. Außerdem sehe man sich derzeit mehr und mehr Flugzeugteilen gegenüber, die aus dem 3D-Drucker stammen.

Noch abgehobener ist, was Forscher der Technischen Universität Dresden im Institut für Luft- und Raumfahrttechnik treiben. „Unsere unkonventionellen Ansätze im Bereich Breakthrough Propulsion Physics könnten eines Tages den sächsischen Warp-Antrieb ermöglichen“, sagt Institutsdirektor und Enterprise-Fan Martin Tajmar. Dann könne man im Wortsinne nach den Sternen greifen. Den inzwischen dritten sächsischen Satelliten haben die Dresdner schon ins All gebracht. Auch das: eine Pioniertat.

Die 152 – mehr als nur ein Absturz

Bereits 1953 gibt es erste Pläne für ein Strahlverkehrsflugzeug einer Gruppe von deutschen Flugzeugingenieuren, die die Sowjetunion zwangsrekrutiert hatte. Dieses Flugzeug basiert auf einem zweistrahligen Bombenflugzeug.

Nach der Rückkehr der Ingenieure in die DDR Weiterentwicklung des Projekts unter Leitung des ehemaligen Junkers-Ingenieurs Brunolf Baade unter dem Namen 152 im Flugzeugwerk Dresden. Dort werden in den folgenden Jahren auch an den Typen 153, 154 und 155 gearbeitet, die unterschiedliche Stadien der Entwicklung erreichen.

4. Dezember 1958: Erster Testflug einer 152.

4. März 1959: Zweiter Testflug, bei dem Filmaufnahmen entstehen sollten, mit denen man den sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow einige Tage später auf der Leipziger Messe beeindrucken wollte. Dafür war ein niedriger Überflug geplant. Kurz zuvor stürzte die Maschine bei Ottendorf-Okrilla ab, wohl weil die Strömung abriss und/oder die Triebwerke nicht mehr mit Treibstoff versorgt wurden. Ein entsprechender Bericht des Ministeriums für Staatssicherheit blieb Verschlusssache. Die vier Besatzungsmitglieder Willi Lehmann, Kurt Bemme, Paul Heerling und Georg Eismann kommen ums Leben.

26. August 1960 hebt ein zweiter Prototyp der 152 ab. Am 4. September 1960 fliegt dieses Flugzeug ein zweites und letztes Mal.

28. Februar 1961 beschließt das Politbüro der SED die Einstellung des Flugzeugbaus in der DDR. Grund ist vor allem das Aufleben der sowjetischen Flugzeugproduktion. Flugzeugen aus DDR-Produktion brechen dadurch Absatzmärkte weg. Alle Flugzeuge der Serie und zwölf fertiggestellte Rümpfe werden verschrottet. Bis auf Rumpf Nummer elf, der im Fliegerhorst Rothenburg als Materiallager dient. 1993 kehrt er nach seiner Entdeckung nach Dresden zurück und ist als Exponat des Verkehrsmuseums nun auf dem Flughafen Dresden zu sehen.

Von Uwe Hofmann

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