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Lokales 54 Zentimeter: Elbe in Dresden so leer wie seit Jahrzehnten nicht
Dresden Lokales 54 Zentimeter: Elbe in Dresden so leer wie seit Jahrzehnten nicht
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18:04 13.07.2018
Große Teile des Flussbetts der Elbe liegen inzwischen frei. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Viel Geröll und staubtrockener Boden – dort, wo sich eigentlich das Wasser der Elbe seinen Weg durch Dresden bahnt. Weite Teile des Flussbetts sind ausgetrocknet, die Elbe, immerhin Deutschlands drittlängster Fluss, kommt gegenwärtig eher als Rinnsaal daher. Der Wasserstand ist mit 54 Zentimetern so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht. Die großen Lastenkähne haben den Verkehr längst eingestellt – und auch bei den Dampfern und den Fähren der Verkehrsbetriebe passt inzwischen nicht viel mehr als die oft zitierte Handbreit unter den Kiel.

Autofähre vorübergehend stillgelegt

Bei der Sächsischen Dampfschiffahrt schauen die Verantwortlichen inzwischen sehr genau auf den Pegelstand. Bereits vergangene Woche war der Fahrplan eingedampft wurden. Bis auf weiteres wer­den nur noch Fahrten im Stadtgebiet angeboten. „Aktuell können wir da noch fah­­ren“, erklärt Karin Hildebrand, die Ge­schäftsführerin der Dampfschiffahrt. Al­lerdings selbst hier nur mit Einschränkungen: Mit der „Diesbar“ und der „Leipzig“ sind nur noch zwei Dampfer im Einsatz, die wenig Tiefgang haben. Und: Auch die An­zahl der Fahrgäste ist inzwischen be­grenzt, damit die Schiffe nicht zu tief im Wasser liegen, er­klärt Karin Hildebrand.

Die Lage genau im Blick haben indes auch die Dresdner Verkehrsbetriebe. Zu­mindest die Autofähre in Pillnitz wurde am Sonntag vorübergehend stillgelegt, weil sich auf der Klein­zschachwitzer Seite Kiel und Boden gefährlich nahe kamen. Statt der Autofähre kam dort erst einmal nur noch die Personenfähre zum Einsatz, die weniger Tiefgang hat. Inzwischen ist das Problem allerdings gelöst. Der Anleger in Kleinzschachwitz wurde um ein paar Meter in tiefere Gefilde verschoben.

Bei den anderen beiden Fährverbindungen zwischen Johannstadt und Neustadt und Niederpoyritz und Tol­kewitz gebe es laut dem DVB-Sprecher Falk Lösch derzeit noch keine Probleme. Und auch wenn es in Pillnitz noch mal eng werden sollte, haben die Verkehrbetriebe schon einen Plan: Wie bei den Dampfern könnten dann die Zahl der Autos und der Passagiere begrenzt werden.

Einige Quellen sind versiegt

Für die großen Güterschiffe reicht der Wasserstand hingegen längst nicht mehr aus. Bereits seit mehreren Tagen ist der Verkehr faktisch komplett eingestellt, wie Mandy Hofmann vom Unternehmen Sächsische Binnenhäfen Oberelbe (SBO) erklärt. Die SBO betreibt unter anderem den Dresdner Hafen. Stattdessen werden die Güter umgeladen, rollen jetzt über Autobahnen oder Schienen an ihr Ziel.

Für Fachleute ist der niedrige Wasserstand durchaus eine Besonderheit. Mit 47 Zentimetern war der 1964 letztmals ähnlich gering, so Martin Socher, Referatsleiter für Oberflächengewässer im Um­welt­ministerium. Tatsächlich gab es in der His­torie noch niedrigere Stände. An­fang 1954 brachte es die Elbe nur auf fünf Zentimeter. Und auch in den 1940er und 1950er Jahren wurden Werte von weniger als 30 Zentimeter gemessen. Damals, so erklärt Martin Socher, gab es in Tschechien aber auch noch keine Talsperren, die den Fluss wie jetzt reguliert hätten.

Die Ursache für den niedrigen Pegel ist rasch benannt. Im Einzugsgebiet der Elbe hat es in den vergangenen Monaten einfach zu wenig geregnet. Vielerorts ist der Grundwasserpegel abgesunken, aus den Quellen sprudelt weniger. „Einige Quellen sind schon versiegt, gerade kleinere Nebenflüsse sind nur noch Pfützen“, sagt Martin Socher. Ein Phänomen, nicht nur auf tschechischer Seite. Auch der Lockwitzbach oder die Gottleuba lassen sich derzeit problemlos barfuß durchwaten.

Tschechische Talsperren sind voll

Ein Unterfangen, von dem Fachleute in der Elbe aber dringend abraten. Denn trotz geringen Pegels strömen noch im­mer viele Hundert Liter Wasser pro Se­kunde durch. Zumal im Fluss die Fahrrinne verläuft. „Aktuell ist die Elbe dort in Dresden 95 Zentimeter tief“, so Karsten Wild, stellvertretender Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Dresden. „Dort ist die Strömung extrem stark.“ Durch die Elbe waten sei daher nicht nur gefährlich – sondern unmöglich.

Gravierende Folgen für das Ökosystem der Elbe be­fürchtet Martin Socher trotz des niedrigen Wasserstandes derweil noch nicht. Denn schon 2015 hatte anhaltende Trockenheit für Niedrigwasser gesorgt. Sowohl dem Fischbestand als auch Kleinsttieren, die in der Elbe leben, hätte das aber nicht ge­schadet.

Eine konkrete Prognose zum Wasserstand in der Elbe wagt Martin Socher nicht. Ein gänzliches Austrocknen erwartet er allerdings nicht. Der Experte verweist auf die Regulation durch die Staustufen in Tschechien. „Die Talsperren dort sind alle voll“, weiß der Fachmann. An­dersherum sei aber auch nicht zu er­warten, dass der Pegel allzu rasch wieder ansteigt. Dazu wäre in jedem Fall erst einmal ein mehrerer Tage anhaltender Regen notwendig.

Von Sebastian Kositz

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