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40 Jahre Herrnhuter Brüdergemeine in Dresden-Pieschen

Einladung in die „kleine Hofkirche“ 40 Jahre Herrnhuter Brüdergemeine in Dresden-Pieschen

Seit 40 Jahren ist die Herrnhuter Brüdergemeine im Hinterhof an der Oschatzer Straße im Stadtteil Dresden-Pieschen ansässig. Das Jubiläum wollen die Herrnhuter um Pfarrerin („Gemeinhelferin“) Henna van Hell mit den Stadtteilbewohnern feiern.

Pfarrerin („Gemeinhelferin“) Henna van Hell vor der „kleinen Hofkirche“ in Pieschen. Die kaufte die Herrnhuter Brüdergemeine vor 40 Jahren von den Methodisten.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Winterlich kahl überzieht wilder Wein die weiße Fassade, wie ein Aderngeflecht. „Am schönsten sieht das im Herbst aus“, sagt Henna van Hell. „Dann färben sich die Blätter tiefrot.“ 2015 ist die heute 58-jährige Theologin aus den Niederlanden nach Dresden gekommen, um die Herrnhuter Brüdergemeine in Dresden zu übernehmen, als „Gemeinhelferin“, so nennen sie hier ihre Pfarrerinnen. Jetzt hat sie sich intensiv mit Geschichte beschäftigt. Ein Jubiläum steht in diesem Jahr an: Seit 40 Jahren sind die Herrnhuter hier im Stadtteil Pieschen.

Recht schnell ist das 1978 gegangen, wie Henna van Hell in Gemeindebriefen von damals gelesen hat. „In weniger als einem halben Jahr hat alles stattgefunden.“ Im Sommer hatte ihnen die evangelisch-methodistische Gemeinde das Grundstück angeboten, sie kauften, im Dezember weihten sie das Gebäude mit dem zierlichen, von einem Kreuz gekrönten Dachreiter ein. Weil es auf dem Hinterhof an der Oschatzer Straße steht, nennen sie es ihre „kleine Hofkirche“.

Lange genug hatte es mit dem eigenen Domizil gedauert. 1904 versammelten sich die Herrnhuter Dresdens erstmals im „Kaiser-Wilhelm-Saal“ des Hauptbahnhofs. Einige Zeit traf sich ihr „Kreis der ledigen Brüder“ im Wartesaal des Neustädter Bahnhofs. In einem Haus an der Ostraallee kamen sie unter, dann waren sie jahrelang bei der reformierten Gemeinde zu Gast. Dabei war ihr Gründer, Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700–1760), geborener Dresdner. Doch der Gemeinschaft verfolgter Protestanten aus Böhmen, Anhänger des 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannten Reformators Jan Hus, schuf er dann unweit seines Gutes Berthelsdorf in Ostsachsen ein Asyl: Er gründete ein neues Dorf „unter des Herrn Hut“ – Herrnhut.

Seit Tagen haben Henna van Hell sowie Schwestern und Brüder aus der Gemeinschaft Zettel in Geschäften und Briefkästen in Pieschen verteilt, darauf das Festprogramm, das eine Einladung ist. Alle, die mehr über die Herrnhuter erfahren wollen, können mitfeiern. „Wir möchten uns nicht nur mit uns und unseren Traditionen beschäftigen, sondern versuchen, das, was für uns Heil bedeutet, auch anderen zu vermitteln.“ Das ganze Jahr über gibt es Veranstaltungen, jeden Monat, Juli ausgenommen – zu jeder Besonderheit der Herrnhuter eine.

20. Januar: 15 Uhr, Auftakt mit Eröffnung einer Ausstellung zur Geschichte der Brüdergemeine in Dresden; Beiträge ehemaliger und heutiger Pfarrerinnen und Pfarrer; gemeinsames Kaffeetrinken (Agape-Mahl bzw. Liebesmahl)

3. Februar: 15 Uhr, Nachmittag für Jugendliche und junge Erwachsene; „Escape Room“ mit kniffligen Fragen

3. März: 15 Uhr, Losungsnachmittag; Ausstellung mit besonderen Losungsausgaben; Vorträge zu Geschichte und heutiger Bearbeitung; Gelegenheit, Lehr- und Dritt-Text zu einer Losung im Jahr 2021 auszusuchen

1. April: 7 Uhr, traditionelle Feier des Ostermorgens auf dem Neustädter Friedhof, anschließend Frühstück

5. Mai: 15 Uhr, Mission und Nachhaltigkeit; Frage, ob Brüdergemeine „enkeltauglich“ ist; Gespräch über kleine Schritte zu nachhaltigem Handeln

2. Juni: 18 Uhr, Verein „Herrnhuter Spiele“ stellt Spiel „Krokonol“ vor; ein Exemplar wird gebaut und gespielt

18. August: 15 Uhr, Gesamtkunstwerk; Künstler aus der Gemeinde stellen ihre Werke vor; Gespräch mit Besuchern

23. September: 10.30 Uhr, Konzert-Matinee mit Orchester „Unitas musica“

27. Oktober: 15 Uhr, Kinder- und Familiennachmittag, Zirkusmitmachtheater

10. November, 15 Uhr, Adventsstern nach Herrnhuter Tradition wird gebaut für das Pieschener Ortsamt

2. Dezember: 10 Uhr, Festgottesdienst zum Abschluss des Festjahres

Ort: Herrnhuter Brüdergemeine Dresden, Oschatzer Str. 41

Internet: www.dresden.ebu.de

Eine der wichtigsten ist zu Beginn am 20. Januar zu erleben: Gemeinschaft mit besonderem Mahl. „Gemeinsames Kaffeetrinken“ haben sie es auf den Zetteln genannt. Weil sich unter Agape- oder „Liebesmahl“ die meisten Stadtteilbewohner entweder nichts vorstellen könnten oder etwas falsches. Tee und Rosinenbrötchen teilen da alle miteinander.

Zinzendorf hatte 1722 in Herrnhut keine neue Kirche gründen, sondern Frauen und Männer in Beziehung bringen wollen. „In geschwisterliche untereinander“, sagt Henna van Hell und bewegt die Lesebrille in ihrer Hand hin und her, dann hoch und runter: „Und zu Gott.“

Daher befindet sich im Inneren kein geweihter Sakralraum, sondern ein Versammlungssaal, die „Gute Stube“. Weiß sind die Wände, weiß die etwa 50 Stühle. „Diese Farbe symbolisiert einen Abglanz des himmlischen Lichts.“ Statt des Altars steht vorn ein „Liturgustisch“ für die Bibel, mit grünem Tuch überzogen, darauf das Emblem der Gemeinschaft mit Lamm und dem lateinischen Leitspruch. Auf dem barocken Stuhl dahinter nimmt die Gemeinhelferin während des Gottesdienstes Platz, in Augenhöhe mit den Versammelten.

Ganze 6000 Herrnhuter gibt es in Deutschland, etwa 250 gehören zur Dresdner Brüdergemeine, etwa ein Drittel von ihr lebt außerhalb der Stadt. Obwohl sehr klein, sind sie doch eine Weltkirche. Missionare machten sich einst auf zu allen Kontinenten. „Sie überwältigten die Einheimischen nicht mit ihrer Botschaft, sondern freundeten sich mit den einfachen Ureinwohnern an, lernten deren Sprache“, sagt Henna van Hell. Weltweit bekannt sind die Herrnhuter durch ihre „Losungen“, ein Andachtsbüchlein mit Worten aus dem Alten (Losung) und dem Neuen Testament (Lehrvers), dazu einzelne Liedverse oder Gebete, das seit 1731 erscheint, mittlerweile in 60 Sprachen.

Was hingegen nur wenige wissen: Die Herrnhuter haben etliche Spiele entwickelt. Die Missionare brachten sie einst von verschiedenen Kontinenten mit. Ihr bekanntestes Produkt indes ist der Adventsstern. Im November wollen sie einen großen mit den Gästen basteln und dem Stadtteil schenken. Jeder ist eingeladen, sich das und anderes anzusehen, wie Henna van Hell sagt. „Wir öffnen unsere Tür. Hoffentlich kommen Leute über die niedrige Schwelle und schauen mal, wie der Kaffee bei uns in der Oschatzer Straße schmeckt.“

Von Tomas Gärtner

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