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Lokales 3D-Drucker vernetzen sich zur virtuellen Fabrik
Dresden Lokales 3D-Drucker vernetzen sich zur virtuellen Fabrik
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07:30 03.07.2018
Thomas Müller, Chef von „Evan.network“. Quelle: Oliver Killig
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Dresden

Für kleine Technologie- und Industrie-Unternehmen ist der Gang in die große weite Welt hinaus oft genug ein Mammutschritt, selbst mit einem 1a-Produkt: Ohne die globalen Vertriebs- und Serviceorganisationen großer Konzerne in der Hinterhand ist es schwer, einen Kunden in Südamerika oder Australien zu überzeugen, eine Maschine, einen Roboter oder ein Konsumprodukt zum Beispiel ausgerechnet „von einer kleinen Bude aus Sachsen“ zu kaufen.

Abhilfe will eine junge Software-Firma aus der Dresdner Neustadt schaffen: Das neunköpfige „Evan.network“-Team richtet mit der Blockchain-Technologie gesicherte digitale Marktplätze ein, auf denen sich Mittelständler weltweit zu Produktionsnetzwerken und Vertriebspartnern je nach aktuellem Bedarf schnell zusammenschließen können.

„Blockchain“ (deutsch: geblockte Kette) bedeutet: Mit jedem Glied der Wertschöpfung wachsen bei dieser Technologie ganze Ketten aus Datensätzen, die verschlüsselt miteinander verbunden sind. Der Clou: Weil ein Datensatz untrennbar auf dem anderen aufbaut, fällt jede Manipulation in der Kette sofort auf. Beispiele für solche Blockchains sind Krypto-Währungen wie „Bitcoin“ oder „Etherum“.

„Beim Stichwort ,Industrie 4.0’ denken die meisten vor allem an Automatisierung“, ist Evan.network-Chef Thomas Müller klar. „Aber dafür sind auch durchgängig digitale Lieferketten notwendig, die eine flexible und dezentrale Produktion in hoher Qualität möglich machen.“ Und eben dafür sollen die Industrie-Vermittlungsbörsen der Dresdner sorgen.

Vorbild dafür sind Marktplätze wie jene, die Amazon für den Verkauf an Endkonsumenten aufgebaut hat: Nicht nur der US-Handelsriese selbst, sondern auch viele andere Händler verticken dort ihre Waren, nutzen die weltumspannenden Infrastrukturen von Amazon. Allerdings werden alle Geschäfte über Amazon abgewickelt – der direkte Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer ist nicht vorgesehen. „Und das wollen Industrieunternehmen natürlich nicht, sie brauchen den direkten Kontakt zu ihren Kunden“, sagt Müller.

Und darauf baut die Idee der Dresdner auf. Sie basiert auf dem Konzept gleichberechtigter Partner, die rein digitale, aber dank Blockchain-Technologie eben manipulationssichere Verträge miteinander schließen und dabei die Hoheit über ihre Daten behalten. Gegenüber klassischen analogen Vertragsbeziehungen fällt einerseits der Papierkram weg, andererseits können sich Vertragspartner durch die computergestützte Vermittlung binnen Minuten finden.

Die Nutzer dieser Netzwerke könnten etwa 15 bis 20 Prozent ihrer organisatorischen Kosten beziehungsweise vier bis fünf Prozent der Gesamtkosten sparten, schätzt Müller. Evan.network will sich über Gebühren, die unter diesem Einsparpotenzial liegen, sowie Zusatzdienstleistungen für die Kunden finanzieren.

Ein Anwendungsbeispiel kann etwa eine Baufirma sein, die den ersten Auftrag in einer fremden Stadt angenommen hat – und nun schnell ein Entsorgungsunternehmen für den Bauschutt ausfindig machen muss.

Anderes Beispiel: Ein Mittelständler hat eine exportfähige Beschichtungsanlage entwickelt, aber keine Kapitalreserven, um ein eigenes Service-Netzwerk im Ausland aufzubauen: Auch hier könnte der kleine Maschinenbauer die von Evan.network organisierten Blockchain-Netzwerke nutzen, um bei jeder fälligen Wartung oder Reparatur beim ausländischen Kunden zackig den jeweils besten und günstigsten Dienstleister dafür zu finden.

Auch ganze virtuelle Fabriken aus industriellen 3D-Druckern ließen sich so formen, erklärt Evan.network-Chef Thomas Müller: Je nach Losgröße würde der Produktentwickler per Blockchain-Netz gerade so viele 3D-Drucker buchen, wie er braucht – wobei diese „additiven Fertigungsanlagen“ dabei noch nicht mal in einer Fabrik stehen müssen, sondern übers ganze Land verteilt sein können.

Ein erstes derartiges Konzept hat „Evan.network“ auf der jüngsten Hannovermesse vorgestellt. Und auf der Computermesse CeBit hat der Dienstleister „DXC Technology“ angekündigt, die Blockchain-Technologie der Dresdner nutzen zu wollen: Um eine Industrie-4.0-Plattform zu schaffen, in der Partner freie Ressourcen für eine gekoppelte 3D-Produktion miteinander teilen können.

Mehr Infos im Netz: contractus.com

Von Heiko Weckbrodt

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