Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales 3D-Druck: Die Kunstgießerei Gebr Ihle in Dresden peppt altes Handwerk mit moderner Technik auf
Dresden Lokales 3D-Druck: Die Kunstgießerei Gebr Ihle in Dresden peppt altes Handwerk mit moderner Technik auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:43 09.09.2015

[gallery:600-43956423P-1]

Das Original - die lebensgroße "Genesung" - ziert den Dresdner Rosengarten und stammt vom 1945 gestorbenen Bildhauer Felix Pfeifer. Die Miniatur ist nach einem Scan am 3D-Drucker entstanden. Sie könnte, weil der Werkschutz 70 Jahre nach dem Tod eines Künstler erlischt, bald auch Wohnzimmerregale schmücken. Sogar in Varianten. "Wir probieren gerade, sie am Rechner ein wenig zu drehen", erklärt Ihle.

Der Firmenchef bahnt sich seinen Weg durch die Werkstatt im Dresdner Industriegelände. Gipsstaub liegt in der Luft, überall stehen Figuren - große, sehr große, mittlere, winzige. Sie stehen auf Regalen, Tischen, auf dem Boden. Es wird gehämmert, geschweißt, modelliert. In einem kleinen Raum ganz hinten surrt die Neuanschaffung, der 3-D-Drucker, leise vor sich hin. Er wird mehrere Stunden brauchen, um Schicht für Schicht mittels einer wachshaltigen Masse jene dreidimensionale Büste wachsen zu lassen, die Formenbauer Christoph Wolf zuvor eingescannt hat. "An der Fertigungstiefe müssen wir noch feilen", sagt Ihle mit einem kritischen Blick auf das Gerät, das sich gerade an einer Stelle verfranst. Er zupft das Zweistundenwerk vom Druckteller: Alles muss zurück auf Null. "In sechs Stunden schaue ich mal wieder vorbei", kündigt Ihle an und drückt auf Start.

In der 1991 gegründeten Kunstgießerei sind schon viele außergewöhnliche Guss-Objekte aus Bronze, Messing, Aluminium oder Kunststoff entstanden - für Künstler, Galerien, Städte und Gemeinden, aber auch für Laien. "Das größte Ding war damals die Himmelsscheibe von Nebra", erinnert sich Thomas Ihle. 2003 - noch am Standort in Rabenau und noch mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Frank - hatten die Kunsthandwerker im Auftrag des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle Nachbildungen der 3600 Jahre alten Scheibe in Handarbeit gefertigt. Inzwischen gab es andere große Aufträge. Am besten in Erinnerung vielleicht das Ludwig-Richter-Denkmal. Für die Monumentalbronze, die seit 2013 die Brühlsche Terrasse ziert, wurden 800 Kilogramm Bronze vergossen. Figuren für diverse Brunnen in der Region stammen ebenso aus Ihles Werkstatt wie der Filmpreis, den Sachsens Landeshauptstadt in diesem Jahr zum 26. Mal vergibt. "Anfang April sind wir damit durch", sagt Ihle.

Und immer stehen Künstler auf der Matte: Gerade schweißt Ziseleur Henry Schietzelt eine Plastik für den Dresdner Maler Hubertus Giebe zusammen. Schietzelt ist seit 19 Jahren in der Firma, ein Profi mit Blick fürs Detail, für Proportionen, Standfestigkeit, Oberflächen. Große Figuren, erzählt er, entstehen zumeist in mehreren Teilen, die einzeln gegossen und am Ende zusammengeschweißt werden. "Das hätte vor 20 Jahren noch keiner auf dem Plan gehabt, wie man das schweißt", versucht er zu schildern, wie sich sein Handwerk immer weiterentwickelt. Heute heißen Ziseleure wohl auch darum "Metallbildner", weil sie nicht mehr "nur" die Augenbrauen an Reiterstandbildern nachziehen. In Ihles Werkstatt sind schon viele Metallbildner ausgebildet worden.

Derzeit hat er einen Lehrling; macht mit drei weiteren Angestellten ein Fünf-Mann-Unternehmen. Seit Weihnachten 2014 eines mit 3D-Drucker. Die neue Technik werde die Kunst in etwa so verändern wie Photoshop und Digitalkameras die Fotografie verändert haben, ist sich Ihle sicher. Sprüche über eine "ästhetische Evolution der Bildhauerei" verkneift er sich, doch er konstatiert, dass immer mehr vor allem junge Künstler ihre Skulpturen bereits mit 3D-Druckern fertigen und sie dann in ein Material ihrer Wahl gießen lassen. Und je mehr die Technik ausreife, je preiswerter sie zu haben sei, um so mehr seien Skulpturen auf dem Weg vom originären Kunstwerk zum Massenprodukt. Ihle will diesen Zug nicht verpassen: Seine am Drucker entstandenen rund 20 Zentimeter hohen Porträtbüsten könnten bald - herkömmlich in Bronze gegossen - für 500 Euro beim Kunden stehen.

www.bildguss.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.04.2015

bast

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Angesichts der teils von islamfeindlichen Tönen begleiteten Pegida-Demonstrationen in Dresden wollen junge Muslime nun wöchentlich über den Islam informieren.

09.09.2015

Grundschule in Niedersedlitz kommen gut voran. Bis Februar 2016 sollen die aus dem 19. Jahrhundert stammenden beiden Schulgebäude sowie die Sporthalle komplett saniert und auch der Neubau fertig sein.

09.09.2015

Inhaber von Jahreskarten für den Schlosspark Pillnitz können künftig weitere Tore nutzen, um in den Park zu gelangen. Laut Schlösserland Sachsen stehen die Tore an der Westseite des Wasserpalais, am Englischen Pavillon und das sogenannte „Institutstor“ künftig allen Besuchern mit Dauerkarte offen.

09.09.2015
Anzeige