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Lokales 340 Falschparker behindern Bus und Bahn
Dresden Lokales 340 Falschparker behindern Bus und Bahn
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07:32 04.05.2018
Der Platz, den dieser Autofahrer zum Bordstein gelassen hat, fehlt der Straßenbahn auf der Rothenburger Straße zum Durchkommen. Quelle: Dresdner Verkehrsbetriebe AG
Dresden

Die 13 ist keine Glückszahl in Dresden. Zumindest nicht, was die Straßenbahnen der Linie 13 angeht. Keine Linie wird häufiger von Falschparkern blockiert. Und die Fälle häufen sich. Derzeit stehen so oft parkende Autos Bussen und Bahnen im Weg wie noch nie zuvor, heißt es bei den Dresdner Verkehrsbetrieben. Erstmals hat Jörg Pinter, bei den DVB Gruppenleiter der Betriebsleitung, deshalb die Fälle auszählen lassen. 340 Mal gab es demnach im vergangenen Jahr wegen Falschparkern kein Vorankommen mehr – also fast jeden Tag einmal.

„Betroffen ist vor allem die Görlitzer Straße/Rothenburger Straße in der Äußeren Neustadt“, sagt Pinter. Knapp 70 Mal gab es dort für Straßenbahnen der Line 13 kein Durchkommen. Immer häufiger gehe es auch auf der Bürgerstraße in Pieschen zu eng zu, betroffen ist dort neben der Linie 13 auch die „9“. Und wenn in der Gleisschleife am Dreyßigplatz mal wieder ein Autofahrer die Parkmarkierungen nicht einhält, fahren Bahnen der Line 13 bis nach Radebeul-Ost, um in der dortigen Gleisschleife zu wenden.

Beim Aussteigen müsste dieser Autofahrer bereits in den Gleisen auf der Maxstraße gestanden haben. Klares Zeichen dafür, dass die Straßenbahn – hier ist der Schleifwagen betroffen – nicht durchkommen kann. Quelle: Dresdner Verkehrsbetriebe AG

Im Busverkehr ist die Kreuzung an der Haltestelle „Dorothea-Erxleben-Straße“ in Trachau ein Klassiker. Dort dreht es sich insbesondere um den Wendekreis der Busse beim Einbiegen, der durch Parkverbote genau markiert ist. Hält diese ein Autofahrer nicht ein, kommen Busse der Line 80 nicht durch.

Anders als Busse müssen Straßenbahnen jedoch zumeist weiträumige Umleitungen fahren, deshalb ist das Problem dort gravierender. „Eine Stunde und mehr kann es schon mal dauern, bis die Sache behoben ist“, sagt Pinter. Ist die Görlitzer/Rothenburger Straße betroffen, müssen Straßenbahnen über die Königsbrücker Straße und Bautzner Straße fahren. Das bedeutet für alle, die am Alaunplatz und Richtung Prießnitz wohnen, weite Wege zur Haltestelle – wegen eines einzigen falsch abgestellten Autos.

Den Rest besorgt der Abschleppwagen

Genau deshalb bemühen sich die DVB um schnelles Handeln. „Zunächst muss der Fahrer – und nur der Fahrer – einschätzen, ob er durchkommt oder nicht“, sagt Pinter. Ist die Weiterfahrt blockiert, wird einer der Dispatcher verständigt, die zu jeder Tageszeit mit bis zu drei Autos im Stadtgebiet unterwegs sind. An der Falschparkerstelle angekommen, sehen sich die meisten Dispatcher erst einmal um, ob sie den betreffenden Fahrer auftreiben können. „Manchmal reicht ein kurze Nachfrage in der nächsten Kneipe, manchmal kommt der Fahrer nach kurzer Wartezeit von selbst und fährt das Auto weg“, sagt Pinter.

Oft genug lässt sich das Problem so jedoch nicht lösen. Dann ruft der Dispatcher den Abschleppwagen und verständigt zeitgleich die Polizei. Die hat die Möglichkeit, über eine Halterabfrage die Wohnungsanschrift des Fahrzeughalters herauszufinden. „Das hat schon oft geholfen“, sagt Pinter. „Aber in letzter Zeit können sie immer seltener zu solchen Einsätzen kommen.“ Dann regelt der Abschleppwagen den Rest, und das wird richtig teuer. „Alle Kosten, die uns entstehen, reichen wir direkt an den Verursacher weiter“, sagt Pinter. Rasch kämen dabei vierstellige Beträge zusammen, zumal auch Regressforderungen von DVB-Kunden, die etwa einen Flug verpasst haben, dazukommen. Vor Gericht werde selten gegen dieses Vorgehen geklagt. „Wir dokumentieren alles mit Fotos; die meisten wissen schon, dass sie rechtlich gegen unsere Verfahrensweise keine Chance haben“, sagt Pinter.

Problem ist vor allem die Gedankenlosigkeit der Autofahrer

Und diese Fotos zeigen vor allem eines: die Gedankenlosigkeit der Falschparker. Da stehen Autos auf schmaler Strecke einen halben Meter vom Bordstein entfernt, andere parken fast im Haltestellenbereich, also dort, wo die Gleise an den erhöhten Haltestellenbord herangeführt werden. „Oft sind es Touristen, es sind aber auch sehr viele mit Dresdner Kennzeichen unter den Falschparkern“, sagt Pinter.

Fehlverhalten hat auch auf selten befahrenen Strecken heftige Auswirkungen, etwa auf der Maxstraße, wo die Cargobahn zur Gläsernen Manufaktur verkehrt. Kommt sie dort wegen eines Falschparkers nicht durch, staut sie sich mitunter auf die Ostra-Allee zurück – dort kommen dann die Linien 4 und 11 nicht weiter – und das Chaos im Liniennetz ist perfekt.

Die Straßenverkehrsordnung ist zumindest was die Straßenbahn betrifft relativ klar: Schienenwege sind freizuhalten. Was könnte darüber hinaus helfen, um das engen Straßen und hohem Parkdruck geschuldete Problem einzudämmen? „Früher gab es mal den sogenannten 60er Streifen beiderseits der Gleise“, sagt Pinter. Das hatte mit der damaligen Verlegepraxis im Gleisbereich zu tun, wobei die Gleise auf Betonplatten kamen. Diese Platten markierten, gewissermaßen als Nebenprodukt, den Bereich der Straßenbahn.

Gleisbereiche abzumarkieren ist schwierig

„Gegen eine Kenntlichmachung des Fahrraumes der Straßenbahn gibt es keine Einwände, es wäre sogar für die Fahrpersonale der Straßenbahnen und die Kraftfahrer sehr hilfreich“, stimmt ihm Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz zu. „Allerdings sind zahlreiche verkehrsrechtliche und bautechnologische Zwangspunkte zu beachten, das heißt eine einfache und einheitliche Lösung für diese Fragestellung gibt es nicht.“ Gerade auf engen Strecken müsse auf einen abgetrennten Bereich verzichtet werden, weil dort sonst kein maschinell hergestellter Asphalt verlegt werden könne.

Zudem bezweifelt Koettnitz die Wirkung einer optischen Trennung – aus bitterer Erfahrung. Trennungsfugen seien „zumindest auf der Görlitzer und Rothenburger Straße vorhanden und erkennbar, werden aber vom Kraftfahrer offensichtlich nicht ausreichend wahrgenommen oder nicht richtig interpretiert“, meint der Amtsleiter. „Abschnittsweise sind sie allerdings im Resultat von offensichtlichen Reparaturarbeiten zu nahe an das Gleis verschoben worden und grenzen dann den Verkehrsraum der Straßenbahn nicht mehr richtig ab“, schränkt er ein.

Für DVB-Gruppenleiter Pinter bedeutet das vor allem eines: „Wir müssen an die Vernunft und die Rücksichtnahme der Autofahrer appellieren“, sagt er. Sonst lasse sich eines der ärgerlichsten Probleme im Dresdner Nahverkehr nicht eindämmen.

Von Uwe Hofmann

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