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Lokales 34 ausländische Lehrer unterrichten an Dresdens Schulen
Dresden Lokales 34 ausländische Lehrer unterrichten an Dresdens Schulen
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13:22 22.03.2017
Francesca Gregori unterrichtet an der 117. Grundschule in Dresden Deutsch als Zweitsprache.  Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

 „Das ist eine Erdbeere“, sagt Muhamad im ganzen Satz und blickt seine Lehrerin erwartungsvoll an. Der kleine Syrer hat beim Memoryspiel die richtigen beiden Karten umgedreht und darf sie sich nun beiseite legen. „Sehr gut gemacht.“ Francesca Gregori streichelt ihm über den Haarschopf. Die temperamentvolle gebürtige Italienerin gibt „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) an der 117. Grundschule in der Südvorstadt. Die fünf Jungs, die sie heute unterrichtet, können noch nicht wirklich Deutsch lesen und schreiben.

Francesca Gregori gehört zu den 34 ausländischen Lehrern an staatlichen Schulen in Dresden. Die Pädagogen kommen nach Informationen von Petra Nikolov, Sprecherin der Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden, aus vieler Herren Länder – darunter aus Österreich, Benin, Spanien, Ägypten und Frankreich, aus dem Irak, aus Japan, der Türkei und aus Südafrika. Allein im vergangenen Jahr seien 389 Anträge und Anfragen auf Anerkennung eines im Ausland erworbenen Lehrerbildungsabschlusses bei der Bildungsagentur eingegangen, teilt die Sprecherin auf DNN-Anfrage mit.

Francesca Gregori ist über Umwege nach Dresden gekommen. Geboren wurde sie in Grado, einem 8000 Einwohner zählenden Städtchen, das auf einer Küstendüne an der Nordküste der Adria liegt. Die Insel von Grado wird auch Sonneninsel genannt. „Die Gegend bietet allerdings nicht sehr viel“, meint die Italienerin rückblickend. Also ging sie beizeiten fort, studierte in Salzburg Germanistik und Romanistik auf Lehramt, arbeitete u.a. 15 Jahre lang an der Uni und an einem Gymnasium in Salzburg, kehrte dann gemeinsam mit ihrem Mann, einem Dresdner Jazzmusiker, nach Italien zurück. „Dort war die wirtschaftliche Situation für uns noch schwieriger als in Österreich, und vor allem bin ich als Ausländerin zurückgekommen“, berichtet die 40-Jährige. Im August 2015 bewarb sie sich schließlich in Dresden, der Heimat ihres Mannes, für eine Stelle am Gymnasium – und bekam ein Angebot für die 117. Grundschule an der Reichenbachstraße. Der Mangel an Grundschullehrern macht’s möglich. „Ich hatte einen Monat Zeit, um den Haushalt aufzulösen und mein Leben in Italien ordentlich zu verlassen“, erzählt sie. Eine stürmische Zeit sei das damals gewesen. In Dresden ist sie mit offenen Armen empfangen worden. „Die Kolleginnen haben meine Hilferufe erhört und mir viele gute Tipps und Unterrichtsmaterialien gegeben“, entsinnt sie sich. Sie verfügte ja über keinerlei Erfahrungen mit Grundschülern. Auch mit dem Sächsischen hatte Francesca Gregori anfangs so ihre Schwierigkeiten. „Ich wollte beim Bäcker Brötchen kaufen und habe damals kein Wort von dem verstanden, was die Verkäuferin mir sagen wollte“, weiß sie noch. Schmunzeln musste sie später auch, als es im DaZ-Unterricht um Kirschen ging, ein Junge aber mit Nachdruck auf die benachbarte Kirche zeigte.

Heute unterrichtet Francesca Gregori nicht nur Deutsch als Zweitsprache, sondern übernimmt auch Vertretungsstunden in Mathe, Deutsch und Sachunterricht, wenn ein Lehrer ausfällt. Und sie ist amtierende stellvertretende Schulleiterin, kümmert sich also auch um die Unterrichtspläne und die Zimmerbelegungen. 250 Kinder besuchen die 117. Grundschule, 120 von ihnen haben ausländische Wurzeln. Unterrichtet werden sie von 13 Lehrerinnen und einem Lehrer, der bald in Rente geht. „Nur vier Pädagogen sind hier älter als 40 Jahre“, berichtet Francesca Gregori. Die Schule, ein Plattenbau, wird gerade bei laufendem Schulbetrieb energetisch saniert.

Und möchte die Italienerin an der Dresdner Grundschule bleiben? „Im Arabischen gibt es die Redewendung ,Inshallah’, das bedeutet so viel wie ,so Gott will’“, meint sie mit einem Augenzwinkern.

Von Katrin Richter

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