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Lokales 3. Bürgerdialog in der Kreuzkirche lässt wenig Versöhnung spüren
Dresden Lokales 3. Bürgerdialog in der Kreuzkirche lässt wenig Versöhnung spüren
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08:48 04.03.2016
„Ich bin ein ziemlich altes Kamel“: Dieter Kroll beim Bürgerdialog.  Quelle: Dietrich Flechtner
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 „Faschistische Strukturen!“, hallte es durch die Kreuzkirche. „Rote Drecksau!“, hallte es zurück. Extrempole einer Veranstaltung, die ins Leben gerufen worden war, um eine gespaltene Stadt zu versöhnen. Beim 3. Bürgergespräch in der Kreuzkirche war von Versöhnung wenig zu spüren: Viele Redner hatten sich schon bei den ersten beiden Bürgergesprächen geäußert. Das Ende der Redezeit wurde mehrfach bewusst ignoriert – die Betreffenden räumten nicht freiwillig das Mikrofon.

Es war Moderator Frank Richter zu verdanken, dass der Abend nicht in offener Konfrontation endete. Es war den Hauptrednern zu verdanken, dass nicht nur stereotyp die immer gleichen Meinungen wiederholt wurden. Der Psychiater Hans-Joachim Maaz und auch Polizeipräsident Dieter Kroll appellierten leidenschaftlich an die rund 1000 Anwesenden, sich auf Verständnis für den Anderen einzulassen.

„Wenn jemand das Gefühl hat, dass er einen Feind braucht, muss er sich fragen, was mit ihm los ist. Das ist ein Ausdruck von seelischer Not“, erklärte Maaz, der Therapeut aus Halle. Wer dem Gegenüber mit dem selben Hass begegne, den er ihm unterstelle, könne die Spaltung der Gesellschaft nicht auflösen. „Es bringt uns überhaupt nichts, wenn wir sagen: du bist böse, du bist rechtsextremistisch, du bist fremdenfeindlich. Wir müssen nach den Ursachen suchen, warum Menschen so sind“, forderte Maaz.

„Der stellvertretende Ministerpräsident des Freistaats Sachsen hat sich von der Polizei verabschiedet“, erklärte Kroll und kommentierte damit die Behauptung von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), die Polizei sympathisiere mit Pegida und AfD. Dieses Bild könne er nicht stehenlassen, so Kroll, der erklärte die Flüchtlingskrise sei in Teilen auch ein Sicherheitsproblem. „Zwei weitere Problemkreise würden Ressourcen der Polizei binden – Terrorgefahr und Pegida. 28 758 Polizeibeamte seien seit dem Aufkommen von Pegida im Oktober 2014 bis jetzt bei den Demonstrationen im Einsatz gewesen. „Das sind Beamte, die deshalb andere Aufgaben nicht erfüllen können.“ Noch sei die Polizei Herr der Lage, betonte Kroll. „Aber uns fehlt die Luft. Wir brauchen dringend neues Personal“, so der Beamte, der seit 44 Jahren im Dienst ist und sich als „ziemlich altes Kamel“ bezeichnete.

Die Ängste, um die es beim Bürgergespräch gehen sollte, kamen reichlich kurz. Der Mosambikaner Emilio Chaimite berichtete von seinen Ängsten, schief angeschaut und angepöbelt zu werden. Ein mexikanischer Student sprach von offener fremdenfeindlicher Gewalt, eine Dresdnerin dagegen davon, wie sie von einem jungen Südländer verfolgt wurde.

Die Gastgeber, Superintendent Christian Behr und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wollen zum 4. Bürgergespräch einladen, kündigten sie an. „Nur der Dialog kann helfen“, so Hilbert.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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