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Lokales 282 Unfallschwerpunkte: Hier knallt es in Dresden am häufigsten
Dresden Lokales 282 Unfallschwerpunkte: Hier knallt es in Dresden am häufigsten
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07:48 17.04.2019
13 Unfälle mit zwei Schwer- und elf Leichtverletzten hat es 2015 bis 2017 an der Kreuzung der Schneebergstraße mit der Zwingli- und Comeniusstraße gegeben. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Ein Zusammenstoß mit schlimmen Folgen: Ein Brummifahrer hat beim Abbiegen von der Radeburger Straße in die Meinholdstraße einen auf dem Radweg fahrenden Radler offenbar übersehen und diesen am Dienstagmorgen schwer verletzt (siehe Polizeimeldung). Ein geradezu typischer Unfall für Dresden, wenn man den Worten von Reinhard Koettnitz folgt. „Fehler beim Einbiegen und Kreuzen sind die häufigste Unfallursache in Dresden“, weiß der Leiter des Straße- und Tiefbauamts aus seiner langjährigen Mitarbeit in der Dresdner Unfallkommission. Das Gremium, dem auch die Verkehrsbehörde, die Polizei und Wissenschaftler der Technischen Universität angehören, beschäftigt sich mit allen Stellen in Dresden, die häufig in der Unfallstatistik auftauchen. Laut einer Aufstellung von 2015 sind das 282, eine aktuellere Liste gibt es nicht. Sollten sich ähnliche Unfälle wie der vom Dienstagmorgen an der Meinholdstraße wiederholen, hat die Unfallkommission auch diese Kreuzung auf dem Tisch.

Das macht die Unfallkommission

Etwa fünf Mal im Jahr trifft sich die Gruppe. Derzeit erarbeitet sie die Rankingliste für die schlimmsten Unfallschwerpunkte der Jahre 2016 bis 2018. „Dafür fehlen uns aber noch die Daten der Unfallstatistik 2018 von der Polizeidirektion Dresden“, moniert Stephanie Lehmann, die Leiterin der Straßenverkehrsbehörde. Diese werden nach dem hierarchischen Prinzip folgend – erst Bund, dann Land, dann Polizeidirektion – erst nach Ostern erwartet. Auf Grundlage dieses Rankings will man dann das Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre bis 2021 erstellen. Konkret geht es dabei darum, Unfallhäufungsstellen zu entschärfen.

So werden Unfallschwerpunkte entschärft

„Dafür haben wir ein breites Instrumentarium, manchmal genügt es, ein Verkehrsschild oder eine Markierung anzubringen“, sagt Amtsleiter Koettnitz. „An manchen Orten kann man nur durch bauliche Veränderungen für Ruhe sorgen“, fügt er an. Sie herauszufinden, darum geht es auch in der Arbeit der Unfallkommission. Diese unterscheidet die Unfallschwerpunkte in drei Kategorien: Leichte Unfallhäufungsstellen sind Orte im Straßennetz, an denen innerhalb von einem Jahr fünf Unfälle gleichen Typs passiert sind. Bei schweren Unfallhäufungsstellen gab es innerhalb von drei Jahren wenigstens fünf Unfälle mit Verletzten. Sogenannte Massen-Unfallhäufungsstellen, bei denen sich mindestens 15 Mal das gleiche Unfallgeschehen binnen eines Jahres ereignet hat, sind häufig nicht mit einfachen Mitteln abzustellen und bedürfen einer vollständigen Neuplanung. Laut Liste gibt es zwölf solcher Stellen in Dresden.

Darum steht die Marienbrücke im Fokus

An der Marienbrücke arbeitet sich die Unfallkommission seit einigen Jahren ab. Ging es zuletzt um die vielen Unfälle, die sich auf der Brückenrampe auf Neustädter Seite ereignet hatten, war zuletzt die Zufahrt von der Devrientstraße Thema. Mehr als 30 Mal haben Autofahrer dort das Stoppschild umgefahren, weil sie hektisch und illegal von der Brücke kommend links abgebogen sind – trotz Sperrlinie und Verbotsschild. „Dabei haben sie Radfahrer und den Straßenbahnverkehr gefährdet“, sagt Amtsleiter Koettnitz. Inzwischen verhindert ein 15 Zentimeter hohes Bord auf 30 Metern das direkte Linksabbiegen. „Jetzt gibt es einige, die wenden verbotenerweise nach dem Bord, fahren zurück und biegen dann ab“, sagt Koettnitz kopfschüttelnd. „Die Polizei sieht sich das an.“ Es gebe Fälle, da komme die Unfallkommission mit ihren Mitteln nicht weiter.

Weil es beim illegalen Linksabbiegen von der Marienbrücke in die Devrientstraße immer wieder Unfälle gab, musste ein 15 Zentimeter hohes Bord auf die Fahrbahn gesetzt werden. Quelle: Dietrich Flechtner

Deshalb wird die Zwinglistraße Einbahnstraße

Die Kreuzung mit der Schneeberg- und Comeniusstraße ist einfach zu unübersichtlich. Deshalb hat es dort zwischen 2015 und 2017 13 Unfälle mit zwei Schwer- und elf Leichtverletzten gegeben. Insbesondere Autofahrer, die von der Comeniusstraße kommen, haben in der Vergangenheit bei schlampigen Schulterblick wiederholt Radler übersehen. Dass eine Sperrfläche inzwischen den Einfahrtswinkel für Autos verbessert und eine rote Markierung den Radweg hervorhebt, hat nicht für das gewünschte Ergebnis gesorgt. Da sich die Unfälle weiter häufen, soll nun die Zwinglistraße in Richtung Falkensteinplatz Einbahnstraße werden. Außerdem sollen Parkplätze umorganisiert werden.

Darum wird am Strehlener Platz gebaut

Auch dort ist die Unfallkommission seit Längerem tätig, hat insbesondere mit einem Stoppschild und geänderter Markierung an der Strehlener Straße für Ruhe sorgen wollen. Diese Bemühungen genügen jedoch nicht, meint Amtsleiter Koettnitz. Deswegen ist langfristig der Umbau des Platzes geplant, zumal für das Umfeld einige Bebauungspläne im Entstehen sind. „Da spielen dann auch neue Zufahrten eine Rolle“, sagt Koettnitz. Und auch die Kreuzung der Strehlener Straße mit der Franklinstraße wolle man sich ansehen – auch das ist ein Unfallschwerpunkt. Umgebaut wird derzeit die Kreuzung der Hans-Grundig- mit der Dürerstraße. Dort entsteht bis Donnerstag ein Kreisverkehr, weil ein Stoppschild allein nicht für Entspannung gesorgt hat. Auch die Kreuzung der Goetheallee mit dem Käthe-Kollwitz wurde umgestaltet. Durch die vorgezogene Gehbahn und eine Querungsinsel sollen es vor allem Fußgänger leichter haben.

Darum wird der Verkehr manchmal ausgebremst

Vor allem an Kreuzungen, an denen es immer wieder kracht, sind Ampeln eine Lösung. So habe die neue Ampel an Leipziger/Peschelstraße laut Koettnitz für Entspannung gesorgt. An der Kreuzung Radeburger Straße/Hansastraße mit der Maxim-Gorki-/Hechtstraße haben Linksabbieger eine eigenes Signal erhalten. Dort hatte es 2015 bis 2017 zehn Unfälle mit zwei Schwer- und elf Leichtverletzten beim Abbiegen gegeben. „Das bedeutet natürlich, das andere länger an der Kreuzung warten müssen, aber Sicherheit geht vor“, sagt Koettnitz. So begründet er auch den Abschied von einem gerade von den Dresdner heiß geliebten Verkehrszeichen: dem grünen Pfeil. „Es gibt einfach viele Verkehrsteilnehmer, die kommen damit nicht zurecht“, sagt Koettnitz. Deswegen sind seit 2015 insgesamt 19 grüne Pfeile verschwunden. Die Ecke Hansastraße/Antonstraße, wo die Polizei bei Kontrollen derzeit reihenweise Rotlichtfahrer ertappt, die am grünen Pfeil nicht anhalten, werde man sich ansehen, sagt Koettnitz.

Hier kracht es am häufigsten

Unfallschwerpunkte, sortiert nach der Anzahl von Unfällen mit Verletzten (Daten von 2015):

1. Pirnaischer Platz (29 Unfälle mit Verletzten)

2. Strehlener Platz (24)

3. Carolaplatz (22)

4. Dohnaer Straße/Langer Weg (21)

5. Georgplatz (21)

6. Albertplatz (20)

7. Rathenauplatz (19)

8. Fetscherstraße/Waldschlößchenstraße (19)

9. Washingtonstraße/Peschelstraße (18)

10. Leipziger Straße/Kötzschenbroder Straße (18)

11. Antonstraße/Leipziger Straße (17)

12. Zwinglistraße/Comeniusstraße (17)

13. Schlesischer Platz (15)

14. Dohnaer Straße/Fritz-Meinhardt-Straße (14)

15. Flügelweg/Emerich-Ambros-Ufer (14)

16. Borsbergstraße/Tittmannstraße (14)

17. Fetscherstraße/Holbeinstraße (14)

18. Lennéstraße/Helmut-Schön-Allee (14)

19. Blasewitzer Straße/Fetscherstraße (14)

20. Bischofsplatz/Eschenstraße (14)

Von Uwe Hofmann

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