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Lokales 23 Adoptionskinder fanden in Dresden ein neues Zuhause
Dresden Lokales 23 Adoptionskinder fanden in Dresden ein neues Zuhause
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20:29 09.09.2015

Von nadine Steinmann

Doch eigentlich hätte für ihn auch alles anders kommen können. Grund: Alfred ist eines von 23 Adoptivkindern, die im Jahr 2011 vom Jugendamt in Dresden vermittelt wurden.

"Wir haben Ende 2007 einen Antrag auf Adoption eingereicht und im November letzten Jahres war es dann so weit", erzählt Mutter Jeannette. Für eine Adoption haben sich die beiden jungen Eltern entschieden, weil die 39-Jährige selber nicht schwanger werden kann. Den Grund dafür haben die beiden nie herausbekommen. "Der Kinderwunsch war immer da, nur hat es leider nie geklappt. Irgendwann haben wir parallel die Adoption beantragt", erklärt Vater Rico.

Kindersachen kaufen im Eiltempo

Dafür waren einige Schritte nötig: Erst musste der Antrag abgegeben werden, darauf folgte ein Besuch des Betreuers vom Jugendamt im Zuhause der künftigen Eltern. Zusätzlich mussten Jeannette und Rico ein Seminar absolvieren. "Man wurde Schritt für Schritt darauf vorbereitet. Das Jugendamt hat uns aber wirklich gut betreut", resümieren die beiden Eltern.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Im November erhielten Rico und Jeannette einen Anruf von ihrer Betreuerin: Ein Kind sei da. Sofort fuhren die beiden ins Krankenhaus, um sich das Neugeborene anzuschauen. "Es hat sich vom ersten Moment an richtig angefühlt. Alfred war unser Sechser im Lotto", erzählt die 39-Jährige. Als feststand, dass Jeannette und Rico den Kleinen gerne haben würde, brach aber erst mal Stress aus.

"Jede Adoption ist ein Fall für sich. Vom Jugendamt wird den Eltern deswegen empfohlen, vorher noch gar nichts zu machen", erzählt Rico. Und die beiden haben tatsächlich auch rein gar nichts gemacht. Also hieß es nun schnell einkaufen. "Wir sind als erstes zu Höffner gegangen und haben einer Verkäuferin gesagt, wir brauchen etwas fürs Baby. Daraufhin fragte sie uns, was denn benötigt wird und wir nur: 'Alles!'", erinnert sich Jeannette. Innerhalb von zwei Stunden wurde dann das Nötigste gekauft und im Auto verstaut. "Das war extrem. Aber wir haben alles rechtzeitig geschafft", berichtet der 39-jährige Vater.

Acht-Wochenfrist sorgt für Angst

Doch dann kam wohl die nervenaufreibendste Zeit für die beiden frisch gebackenen Eltern: Zwölf Wochen lang mussten sie mit der Angst leben, dass Alfred ihnen wieder weggenommen werden könnte. Das hängt mit der sogenannten Achtwochen-Frist zusammen. Der leiblichen Mutter eines Kindes steht nämlich genau dieser Zeitraum noch zur Verfügung, um zu entscheiden, ob sie das Kind wirklich abgeben möchte. "Und selbst wenn die Mutter am letzten Tag der acht Wochen sagt, sie will ihr Kind zurück haben, hätten wir Alfred innerhalb einer Stunde beim Jugendamt wieder abgeben müssen", erklärt Jeannette.

Für beide zog sich die Ungewissheit sogar noch länger hin, denn die leibliche Mutter von Alfred erschien zwei Mal nicht zum Termin beim Notar, um die Unterschrift zur Adoption zu geben. Erst im Februar war es dann so weit. "Von da an konnte eigentlich nichts mehr schief gehen", erklärt Rico. Das Familiengericht erklärte das Paar zu offiziellen Eltern von Alfred und stellte eine neue Geburtsurkunde aus.

Nun genießen die beiden das neue Familienglück. Der nächste schwierige Schritt wird wohl die Frage nach der Identität sein. "Wir wollen offen mit diesem Thema umgehen. Irgendwann werden die Fragen schließlich kommen", erzählt Rico. Sollte Alfred seine leibliche Mutter einmal kennen lernen wollen, könnte das aber schwierig werden. "Wir wissen ja selber rein gar nichts von ihr", berichtet Jeannette. Alfred müsste dann also zum Jugendamt gehen und hoffen, dass seine leibliche Mutter einem Treffen zustimmt.

Aber dieser Tag ist noch in weiter Ferne und die kleine Familie denkt momentan noch nicht an diese Zeit - eher an ein zweites Kind, das eventuell noch folgen soll.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2012

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