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Lokales 220.000 Zellen für ein neues Leben - 11-jährige Leonie erhält Lebensfreude zurück
Dresden Lokales 220.000 Zellen für ein neues Leben - 11-jährige Leonie erhält Lebensfreude zurück
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09:23 13.09.2015
Leonie litt jahrelang unter einer Bauchspeicheldrüsenentzündung – eine Transplantation körpereigener Zellen nahm ihr endlich die Schmerzen. Quelle: Anja Schneider

Ein Eingriff am Dresdner Uniklinikum half ihr, die Symptome der Krankheit zu beseitigen. Der Eingriff wurde zum ersten Mal deutschlandweit an einem Kind ausgeführt.

„Die kindliche Lebensfreude war einfach weg“, beschreibt Leonies Mutter Susann die Gefühlslage ihrer Tochter. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Mädchen bereits 26 Operationen hinter sich. Seit Leonie zwei Jahre alt war, litt sie unter immer wieder auftretenden Entzündungen der Bauchspeicheldrüse – der Pankreas. Operative Behandlungen der Entzündungsherde hielten nie lange an. „Ich hatte Bauch- und Rückenschmerzen, wollte nichts mehr essen und konnte nur noch liegen“, sagt Leonie. „Ich hatte einfach keine Lust mehr.“

Während es bei Erwachsenen durchaus üblich ist, nach einer schweren Pankreatitis – die Entzündung der Bauchspeicheldrüse – das Organ zu entfernen und den Patienten damit zum Diabetiker zu machen, kam diese Option für Leonies Ärzte zunächst nicht in Frage. Als sich aber abzeichnete, dass alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft waren und eine Entfernung der Bauchspeicheldrüse wahrscheinlich nicht zu umgehen sei, entschieden sich die Dresdner Experten vom Uniklinikum für die Entnahme. Bei erwachsenen Patienten lassen sich die Entzündungen an der Bauchspeicheldrüse durch Operationen eindämmen – bei der damals Neunjährigen war das nicht der Fall.

Trotz aller möglichen Konsequenzen war Leonie froh, dass die Bauchspeicheldrüse in der dann 27. Operation entfernt wurde. Dr. Robert Grützmann, Oberarzt der Gefäßchirurgie am Dresdner Uniklinikum, hatte im Vorfeld einen Teil von Leonies Pankreas entfernt. Ihre körpereigenen Zellen bereitete Dr. Barbara Ludwig vom Uniklinikum dann so auf, dass diese nach der Transplantation in der Leber dort das lebenswichtige Insulin weiter produzieren. Der daran anschließende 28. Eingriff war dann weniger gravierend, da ihr nur noch ihre körpereigenen aufbereiteten Inselzellen in die Leber injiziert wurden.

Diese „Inseln“ sind Konglomerate, sozusagen Zellhaufen, die aus Leonies Bauchspeicheldrüse gelöst wurden. Bereits 30 Mal wurde dieser nur in Dresden etablierte Eingriff an der Uniklinik an Erwachsenen durchgeführt – Leonie war das erste Kind.

Mehr als 200.000 Inselzellen übernehmen in Leonies Leber nun einen Großteil der Blutzuckerregulation. Zusätzlich zu diesem körpereigenen Insulin trägt Leonie eine Insulinpumpe am linken Oberarm, um die transplantierten Zellen zu unterstützen. Da die Zellen aus ihrem eigenen Körper stammen, können sie vom Körper auch nicht abgestoßen werden – auf starke Medikamente, die nach Transplantationen verabreicht werden, kann die Elfjährige deshalb verzichten.

Leonie lebt nun schmerzfrei. Sie besucht regelmäßig die fünfte Klasse eines Dresdner Gymnasiums. Auch ihre schulischen Leistungen hat sie verbessern können. Was Leonie in den vergangenen Jahren am meisten vermisst hat? „Den Sportunterricht“, sagt sie.

Juliane Weigt

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