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Lokales 2017 mehr Drogendelikte in der Neustadt - Kommt jetzt die Trendwende?
Dresden Lokales 2017 mehr Drogendelikte in der Neustadt - Kommt jetzt die Trendwende?
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09:59 01.07.2018
Blaulicht auf dem Scheunevorplatz. Er zählt zu vier sogenannten Gefährlichen Orten in der Äußeren Neustadt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Drogenhandel, Schlägereien, Diebstähle – der Scheunevorplatz ist eines der am stärksten mit Problemen beladenen Pflaster in Dresden. „Man sollte dort aber nicht nur die Schwierigkeiten sehen“, sagt Polizeirat Matthias Imhof, der als Leiter des Reviers Dresden-Nord auch für die Äußere Neustadt zuständig ist. „Es gibt dort viele Bemühungen, die Lage zu verbessern“, sagt er mit Verweis auf die Aktivitäten des Scheunevorplatzverantwortlichen Olaf Hornuf (DNN berichteten). Und aus polizeilicher Sicht auch begründete Hoffnung auf Besserung.

Der 38-jährige Matthias Imhof ist seit 2015 Leiter des Polizeireviers Dresden-Nord. Quelle: Anja Schneider

„Es ist das Zentrum der Äußeren Neustadt“, sagt Imhof über den Platz, der in der polizeilichen Betrachtung weiter gefasst wird und den Abschnitt der Alaunstraße zwischen Louisenstraße und Böhmischer Straße umfasst. Die Probleme des Stadtteils kristallisieren sich dort. Sind im Szeneviertel die Rohheitsdelikte wie Körperverletzung (171 in 2016 auf 205 in 2017) sowie gefährliche und schwere Körperverletzung (115/158) und Drogenkriminalität (158/312) ansteigend, so gilt das auch für ihr Zentrum.

Drogenkriminalität um das Vierfache angestiegen

Beispiel Drogenkriminalität: 2015 registrierten die Beamten dort gerade mal zwei Fälle mit zwei Tatverdächtigen. Seither hat der Ort wie der Wiener Platz einen Ruf als Drogenumschlagplatz entwickelt. In der Altstadt wie in der Neustadt sind die Händler meist Nordafrikaner, die Kunden Deutsche. Auch gebe es personelle Überschneidungen zwischen denen, die Rauschgift vorm Dresdner Hauptbahnhof anbieten und denen, die es vor dem Kulturhaus Scheune mit seinem regen Besucher- und Durchgangsverkehr tun, sagt Imhof. 2016 waren es schon 19 Delikte mit 14 Tatverdächtigen, im vergangenen Jahr dann 78 Straftaten mit 66 Tatverdächtigen, ein Anstieg um mehr als das Vierfache.

„Rauschgiftkriminalität ist Kontrollkriminalität“, sagt Imhof angesichts dieser Entwicklung. Sie schlägt sich nur dann in der Statistik nieder, wenn Polizisten aktiv Drogenhändler und ihre Kunden in den Fokus nehmen. „Kontrolliert man gar nicht, bleiben alle Taten im Dunkelfeld. In der Statistik sieht es dann aber so aus, als gäbe es gar kein Problem mit Drogendelikten“, erläutert der Revierleiter. Und großangelegte Kontrollen sind in der gesamten Äußeren Neustadt gerade in den Schwerpunktnächten von Freitag auf Sonnabend und von Sonnabend auf Sonntag inzwischen die Regel. 53 nächtliche Einsätze und 9500 Einsatzstunden sind 2017 zusammengekommen. „Das funktioniert aber nur, wenn wir Verstärkung von der Bereitschaftspolizei haben“, sagt Imhof.

Schlägereien geschehen nicht mehr unbemerkt

Der Revierleiter ist überzeugt, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen. „Wir haben den Eindruck, dass sich die Lage verbessert hat“, sagt er, auch wenn die nackten Zahlen das nicht stützen. 24 Fälle von Rohheitsdelikten auf dem Scheunvorplatz, also einfacher und schwerer Körperverletzung, wurde 2015 erfasst, 2016 waren es 37, 2017 dann 74 – eine Verdopplung. „Das hat aber auch etwas mit unserer verstärkten Präsenz zu tun“, sagt Imhof.

Gerade bei Schlägereien sei es oft so, dass die Beteiligten anschließend nach Hause gehen ohne auf der Wache vorzusprechen. Sei es weil sie Gruppierungen angehören, bei denen der Gang zur Polizei verpönt ist, oder weil sie einfach zu betrunken sind, um die Folgen ihres Handelns zu überblicken. Ein Betrunkener legt sich auch mal mit einer Platzwunde schlafen und wundert sich am nächsten Tag, woher er die hat. „Jetzt sind wir meist in der Nähe, bekommen vieles mit. Außerdem reagieren Gewerbetreibende und Anwohner auf unsere Präsenz, zeigen mehr Straftaten als früher an, weil sie die Hoffnung auf eine Verfolgung haben“, beschreibt der 38-jähriger Revierleiter das Phänomen. Das erkläre auch zumindest teilweise den Anstieg von Ladendiebstählen im Bereich des Ortsamtes Neustadt, von 571 Fällen 2016 auf 725 Fälle im vergangenen Jahr. Bestätigung bekommt Imhof für diese Interpretation von Gewerbetreibenden. Die Lage sei entspannter als noch vor Jahren, heißt es etwa vom Gewerbe- und Kulturverein Dresden Neustadt. Das Sicherheitsgefühl steigt.

In diesem Jahr könnte die Straftaten-Zahl stagnieren

2018 sollen sich die Bemühungen der Polizei auch in den Statistiken niederschlagen. Imhof rechnet derzeit mit einer Stagnation bei den Schwerpunktdelikten, vielleicht gehen die Kennzahlen auch zurück. Im Bereich des Ortsamtes Neustadt ist bei der Zahl der Straftaten bereits 2017 eine Stagnation eingetreten (8700 Fälle, 2016: 8713), sind Diebstähle beispielsweise rückläufig (2017: 3931; 2016: 4420). Erste Anzeichen für eine Entspannung auch in anderen Deliktbereichen?

Wenn es so wäre, haben dazu neben den Kontrollen auch andere Polizeimaßnahmen beigetragen. So sind vier Bereiche der Äußeren Neustadt als sogenannte Gefährliche Orte nach dem Polizeigesetz definiert. Dort können die Ordnungshüter verdachtsunabhängig Personen überprüfen und durchsuchen. Neben dem Scheunevorplatz ist das auf dem Albertplatz, dem Alaunplatz und der Kreuzung Rothenburger/Görlitzer/Louisenstraße möglich. „Das hat sich bewährt“, sagt Imhof. Die Notwendigkeit, weitere Gefährliche Orte zu definieren, sieht er derzeit nicht.

Aufenthaltsverbote in der Neustadt zeigen Wirkung

Außerdem haben die 2017 erstmals angewandten und auf zunächst drei Monate befristeten Aufenthaltsverbote für Intensivtäter Wirkung gezeigt. Dabei wurde im vergangenen Jahr drei Menschen zeitweise – etwa von 18 bis 6 Uhr – untersagt, sich in der Neustadt aufzuhalten. „Einige von ihnen sind gar nicht mehr polizeilich in Erscheinung getreten“, sagt der Revierleiter – ein Erfolg. „Man muss aber auch sehen, dass man das nicht inflationär macht, weil es ein großer Eingriff in die Bewegungsfreiheit ist“, schränkt er ein. Drei Aufenthaltsverbote gelten derzeit. Zwei weitere Aufenthaltsverbote für Mehrfachtäter werden vorbereitet.

„Wir können die Probleme mit unseren Mitteln jedoch nicht allein lösen“, betont Imhof. Deswegen hofft er, dass die Initiativen des Vorplatzverantwortlichen Hornuf Erfolg zeigen. „Wenn es gelingt, problematische Klientel zu vertreiben oder zu integrieren, wäre allen geholfen“, sagt er. Auch sei die Stadt gefragt, ihren Teil bei der Präventionsarbeit zu leisten. Man sei gespannt, wie das im Frühjahr vom Stadtrat beschlossene Präventionskonzept auch auf dem Scheunevorplatz verwirklicht werde.

Von Uwe Hofmann

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