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Lokales 20 Standorte in der Planung
Dresden Lokales 20 Standorte in der Planung
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07:56 29.05.2018
Dieser Neubau ist an der Schäferstraße geplant. Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten
Dresden

 2500 kommunale Sozialwohnungen bis 2019 hat die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit versprochen. Die Realität sieht anders aus. Bis zur Kommunalwahl Ende Mai 2019 ist nicht eine einzige Sozialwohnung fertig. Aber ist die Realität düster? Steffen Jäckel, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“, sieht keinen Anlass für Schwarzmalerei.

Frage: Warum geht der kommunale Wohnungsbau in Dresden so langsam voran?

Steffen Jäckel, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“ Quelle: Anja Schneider

Steffen Jäckel: Diese Einschätzung teile ich nicht. Die Planungen für alle 20 Standorte werden im Zeitplan abgearbeitet, unabhängig von Fördermittelverträgen. Richtig ist, dass wir beim Baubeginn für die Ulmenstraße ein Vierteljahr Verzug haben. Das holen wir auch nicht mehr auf. Ich hätte gerne im April mit dem Bau begonnen.

Liegen die bürokratischen Hürden für Wohnungsbau zu hoch?

Wir reden in der Tat über hochkomplexe Prozesse. Wobei wir nicht klagen können. Drei Monate nach dem Bauantrag hatten wir für drei Vorhaben die Baugenehmigung in der Tasche. Das funktioniert aber nur, wenn die Dinge vorher mit den Ämtern abgesprochen werden.

Was nutzt eine Baugenehmigung, wenn nicht gebaut werden kann?

Wir wollen Ende Mai, Anfang Juni die Ausschreibung für die Ulmenstraße am Markt platzieren. Wir fordern in der Hauptzeit im Bau kurzfristig Leistungen vom Markt ab. Da könnte es passieren, dass wir keine Gebote erhalten, weil die Unternehmen alle Hände voll zu tun haben. Deshalb wollten wir auch im Winter ausschreiben. Aber ich bleibe optimistisch, dass es im August losgehen wird. Die Ulmenstraße mit ihren 22 Wohneinheiten ist ja nicht so riesig.

„Bauen können viele. Wir wollen auch ein Stück weit Vorreiter sein.“

Wie lange wird die WiD für die Fertigstellung von 22 Wohnungen brauchen?

Wir hoffen, dass sich vielleicht ein Unternehmen für alle Gewerke bewirbt und es dadurch bei der Bauausführung effizienter wird. Aber das haben wir als öffentlicher Auftraggeber nicht in der Hand. Ich kann mir die Bauunternehmen nicht aussuchen. Wir müssen blind auf den Markt vertrauen. Ich gehe davon aus, dass wir im September oder Oktober 2019 fertig sind. Selbst wenn der Winter streng werden sollte.

Wie geht es danach weiter?

Für den Nickerner Weg und die Alemannenstraße wollen wir Ende Juni die Kreditfinanzierung unter Dach und Fach haben, so dass wir Anfang Juli die Ausschreibung freischalten könnten. Da es sich um größere Baumaßnahmen handelt, stellt sich die Frage, wie weit man dort noch vor dem Winter kommt.

Warum muss ein öffentlicher Auftraggeber alle Gewerke einzeln ausschreiben?

Das schreibt die Vergabeordnung vor und es ist ein Nachteil gegenüber der Privatwirtschaft. Der Gesamtverband der Wohnungswirtschaft hat jetzt eine Ausschreibungs- und Vergabemodell entwickelt. Für einen effizienten sozialen Wohnungsbau sollen Arbeitsgemeinschaften abgefragt werden. Dieses Modell soll so verfeinert werden, dass die Mitgliedsunternehmen des Verbands auf einen Pool von zugelassenen Arbeitsgemeinschaften zugreifen können. Das Verfahren soll demnächst fertig werden. Ich verspreche mir große Impulse, weil die Baukostenrisiken minimiert werden könnten. In einer Arbeitsgemeinschaft existiert der Dissens zwischen Planern und Ausführenden nicht mehr.

Könnten andere Unternehmen von dem Modell profitieren, wenn es die kommunale Wohnungsbaugesellschaft als Erste in Dresden praktiziert?

Das betrachte ich als eine Aufgabe der WiD. Bauen können viele. Wir wollen auch ein Stück weit Vorreiter sein. Der Markt sortiert sich zur Zeit neu, und wir wollen die neuen Entwicklungen einsetzen. Ich denke da auch an die BIM-Methodik, mit der schon bei der Planung alle Gewerke verknüpft werden und sich viele Verbrauchsdaten der Gebäude schon vor dem ersten Spatenstich berechnen lassen. Wir müssen ja auch immer an die Bewirtschaftung der Häuser denken.

„Ich gehe davon aus, dass der Wohnungsbau fortgesetzt wird.“

Wäre modularer Wohnungsbau eine Möglichkeit, schneller voranzukommen?

Wohnungsbau ist ein standardisiertes Verfahren. Deshalb spricht nichts dagegen, Standards zu verwenden, wenn es das Grundstück zulässt. Unsere 20 Grundstücke sind für modularen Wohnungsbau nicht geeignet. Sie sind so individuell, dass ich mit vorgefertigten Systemen keine brauchbaren Häuser bauen kann. Ich sehe auch nicht nur Vorteile.

Welche Nachteile hat der modulare Wohnungsbau?

Ich denke, es ist eine rein logistische Leistung, ob ich etwas auf der Baustelle herstelle oder in einer Werkhalle vorfertige. Ein guter Auftragnehmer hat seine Logistikketten auf der Baustelle im Griff. Probleme sehe ich vor allem bei der Bewirtschaftung. Die Häuser sollen Jahrzehnte stehen. Wenn es gravierende Mängel gibt, müssten gleich komplette Einheiten getauscht werden.

Insgesamt 67 Sozialwohnungen sollen an der Löbtauer Straße bis zum Frühjahr 2021 entstehen. Quelle: Visualisierung: WiD

Die Landesdirektion hat die WiD unter der Maßgabe genehmigt, dass 800 Wohnungen gebaut werden. Damit sind Sie 2021 fertig. Und dann?

Im Moment stehen 777 Wohnungen auf dem Papier, weil das Grundstück am Neudobritzer Weg weggefallen ist. Aber das ist eine grobe Zahl, sie kann sich im Laufe der Planungen noch ändern. In der Genehmigung sind die Grenzen einer wesentlichen Veränderung festgelegt. Das heißt, um 20 Prozent können wir davon abweichen. Das sind 160 Wohnungen im Jahr. Damit könnte man arbeiten.

Rot-Grün-Rot hat aber 2500 Wohnungen bis 2019 und 8000 Wohnungen bis 2025 versprochen. Ist das realistisch?

Wenn man mehr machen will, beispielsweise zusätzlich 1700 Einheiten zu den feststehenden 800, muss man einen erneuten Antrag stellen. Die Landesdirektion prüft sehr sachlich. Es gibt eine Übereinkunft. Die Kommune darf durch sozialen Wohnungsbau nicht finanziell belastet werden. Wenn das gelingt, sollte einer Genehmigung wenig im Weg stehen. Es muss politisch gewollt und wirtschaftlich machbar sein.

Wird es im nächsten Jahr mit möglichen anderen Mehrheiten im Stadtrat weiter kommunalen Wohnungsbau geben?

Ich gehe davon aus, dass der Wohnungsbau fortgesetzt wird. Deshalb arbeiten wir auch schon an einem Grundstückspaket III.

Gerade wird der Haushalt 2019/2020 aufgestellt. Wie viel Geld bräuchte die WiD für den Bau von 1700 Wohnungen?

Wenn ich die gleichen Grundstückskosten wie in den Paketen I und II unterstelle, bräuchte ich mindestens 30 Millionen Euro für den Erwerb von Grundstücken für den Bau von 1700 Wohnungen. Das wird aber nicht reichen, weil die Grundstückspreise weiter steigen.

Hat die Stadt eigentlich noch Grundstücke für den Wohnungsbau im Portfolio?

Es gibt kaum noch nennenswerte kommunale Grundstücke. Deshalb prüfen wir die nicht betriebsnotwendigen Grundstücke der städtischen Gesellschaften. Da gibt es durchaus interessante Flächen. Aber diese müssten wir ankaufen, die werden uns nicht einfach überschrieben. Das müsste die Stadt aus dem Haushalt finanzieren. Für Grundstückskäufe kann ich keine Kredite aufnehmen. Das finanziert keine Bank.

Welches strategische Ziel sehen Sie für die WiD in den nächsten 20 Jahren?

Es ist legitim, an das Jahr 2036 zu denken. Dann laufen auf einen Schlag Belegungsrechte für 10 000 Wohnungen beim privaten Anbieter Vonovia aus. Es könnte eine strategische Option sein, dieser Tatsache einen eigenen kommunalen Wohnungsbestand entgegenzusetzen.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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