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Lokales 19-Jährige räumt eigener Oma das Konto leer
Dresden Lokales 19-Jährige räumt eigener Oma das Konto leer
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07:51 24.07.2018
Das Gericht stellte die Angeklagte unter Betreuung Quelle: picture alliance / dpa
Dresden

„Oma ist immer für mich da, die kommt überall mit hin“, sagte am Montag die 19-jährige Angeklagte. Ihre Oma ist wirklich ein Prachtstück und die einzige die sich um das Mädchen, das keinen Kontakt zu den Eltern hat, kümmert. Oma organisierte ihr eine Wohnung, zahlte die Miete, Nahrung und Kleidung. Zum Dank räumte die Angeklagte ihr das Konto leer. Wegen Diebstahl und Betrug stand die Enkelin vor dem Amtsgericht.

Am 12. April dieses Jahres klaute sie der 61-Jährigen die EC-Karte aus der Handtasche, nachdem sie zuvor deren Schränke und Unterlagen nach dem PIN durchwühlt hatte. Innerhalb von vier Tagen hob die Angeklagte in verschiedenen Sparkassenfilialen 2720 Euro ab. „Das war mein ganzes Geld, alles was ich noch hatte. Da waren nur noch ein paar Cent drauf“, erklärte die Oma, die von Krankengeld lebt, also auch nicht aus dem Vollen schöpfen kann.

Es war ihr nicht leicht gefallen Strafanzeige gegen die eigenen Enkelin zu erstatten, aber sie wusste sich keinen Rat mehr. Trotzdem sorgt sie heute noch für ihre Enkelin. Denn die 19-Jährige hat keinen Job und kein Geld. Dafür aber reichlich Schulden. Mit dem geklauten Geld hätte sie einen Teil getilgt, erzählte sie. Einen Beweis dafür gibt es nicht.

Die Angeklagte kommt einfach nicht aus dem Knick und lässt alles schleifen. Zwei Ausbildungen hat sie abgebrochen, sich danach nicht beim Amt gemeldet und später die Unterlagen nicht komplett eingereicht. Deshalb bekommt sie bis jetzt kein Geld, ist auch nicht krankenversichert und steht wegen Mietschulden – die Oma zahlt nicht mehr – kurz vorm Rauswurf aus ihrer Wohnung. Mahnungen und Termine ignorierte sie konsequent. Ihr Leben war völlig aus dem Ruder gelaufen. Hilfe nimmt sie aber nicht an.

Die Angeklagte hat ein psychisches Problem und war deshalb auch in Behandlung. Nur trägt sie den Satz „Ich bin krank“ als Entschuldigung für alles vor sich her – egal ob Ausbildung, Behördengänge, Mietzahlungen. Um der Oma die Karte zu klauen, den PIN auszuspionieren und zum Abheben quer durch Dresden zu fahren, hat es ja auch gereicht. „Ein starkes Stück, die eigene Oma zu beklauen. Seien Sie froh, dass die so großherzig ist, und sich weiter um sie kümmert“, befand Richter Markus Vogel.

„Sie hat ja sonst niemanden, wenn ich sie fallen lasse, kommt sie unter die Räder“,erklärte die 61-Jährige, die selbst krank und mit der Situation total überfordert ist. Das Gericht stellte die Angeklagte unter Betreuung, so hat sie professionelle Hilfe ihr Leben in den Griff zu bekommen. Zudem muss sie bis Oktober 60 Arbeitsstunden leisten. „Wenn ich mal Geld vom Amt bekomme, will ich der Oma das Geld zurückzahlen.“

Von Monika Löffler

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