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170 blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge

Beispielhaftes Projekt in Dresden ausgezeichnet 170 blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge

In Sachsen sind bereits 13 Prozent der Tagfalterarten ausgestorben – noch einmal so viele sind vom Aussterben bedroht. Eine Initiative des Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden und vier Partnern hat sich deshalb darum bemüht, aufzuklären, was Schmetterlinge brauchen und initiierte in Sachsen 170 Schmetterlingswiesen.

Schmetterling auf einer Wiese.
 

Quelle: Catrin Steinbach

Dresden.  Moderne Technik, Chemie und fehlender Lebensraum machen Insekten das Leben schwer. „In Sachsen sind bereits 13 Prozent der Tagfalterarten ausgestorben – noch einmal so viele sind vom Aussterben bedroht.“ Vor drei Jahren starteten daher in Sachsen das Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden und vier Verbände, die sich mit Natur und Umwelt beschäftigen, das Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“. 170 Schmetterlingswiesen sind seither entstanden. Am Montag wurde die Initiative in Dresden als „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt geehrt“. Catrin Steinbach sprach mit Schmetterlingsforscher Dr. Matthias Nuß, Sektionsleiter des Bereichs Schmetterlinge im Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden.

Ist das Projekt jetzt beendet oder soll es weitergehen?

Die erste Förderphase läuft zum Jahresende aus. Wir sind im Gespräch, wie wir das Projekt weiterführen. 170 Schmetterlingswiesen sind ein guter Anfang, aber viel zu wenig, um für den Erhalt der Artenvielfalt wirklich etwas zu erreichen.

Für das Schmetterlingswiesen-Projekt stellte die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt bislang rund 286 000 Euro zur Verfügung, der größte Teil kommt aus der Lotterie Glücksspirale. Wofür wurde das Geld ausgegeben?

Förderung im bisherigen Projekt hieß vor allem aufzuklären. Das heißt, wir haben eine Homepage erstellt, mit Inhalten gefüllt und eine Bestimmungsapp für Tagfalter gemacht. Mit dieser kann man auf einer Wiese interaktiv Tagfalter bestimmen – auch als Laie. Denn es funktioniert über solche Merkmale wie Vorderflügellänge, Farben, Muster... Ich muss also keine Vorkenntnisse haben, um einen Tagfalter zu bestimmen. Des Weiteren entstand eine Broschüre, in der man all das nachlesen kann, was für dieses Projekt wichtig ist. Wer nicht so viel lesen möchte, für den gibt es ein kleines Faltblatt mit den wichtigsten Informationen. Sehr begehrt sind die Schilder, mit denen man Schmetterlingswiesen kennzeichnen kann. Diese Schilder klären auf und enthalten einen QR-Code mit einer individuellen Nummer. Über diese gelangt man zum Blog, der zu dieser Wiese geschrieben wird.

Warum ist es so wichtig, so genannte Schmetterlingswiesen zu erhalten und wieder zu schaffen?

Zum einen verschönert das natürlich unglaublich unser Lebensumfeld, wenn es nicht nur Grün gibt, sondern Wiesen, auf denen es im Sommer zirpt und summt, Blumen blühen und Schmetterlinge fliegen. Zum anderen haben wir als Menschen die Pflicht, uns darum zu kümmern, dass die Arten, die in unserer Umwelt eigentlich zu Hause sind, auch überleben können.

Wenn man eine Wiese anlegen möchte, auf der sich Schmetterlinge wohl fühlen, was muss man dann beachten? Warum kann man eine Wiese nicht einfach wachsen lassen?

Man kann eine Wiese nicht einfach wachsen lassen, weil sie dann zuwächst – mit Stauden, mit Büschen und schließlich mit Bäumen. Man muss also eine Wiese grundsätzlich mähen, um sie als solche zu unterhalten. Aber, man darf die Wiese zum einen nicht zu häufig mähen – sondern nur maximal dreimal im Jahr. Zum anderen darf man sie niemals komplett mähen. Es muss immer ein Teil der Vegetation stehenbleiben – auch im Herbst – damit ein Teil der Insektenpopulation überleben kann. Auf den Mähzeitpunkt kommt es an.

Im Rahmen des Schmetterlingsprojektes sind in Sachsen bislang 170 neue Lebensräume für Tagfalter entstanden. Gibt es Regionen, wo es besonders gut klappt bzw. Kommunen, die sich besonders engagieren?

Ich könnte jetzt nicht sagen, dass es Gegenden gibt, wo es besonders schlecht klappt. Besonders gut klappt es in Eilenburg oder auch in Burgstädt. Dort ist der Bürgermeister selbst hinterher, dass etwas passiert in der Stadt. Das hätten wir natürlich gern in viel mehr Kommunen.

Und wie ist Ihre Erfahrung in Dresden?

In Dresden gibt es einige Schmetterlingswiesen. Wir sind ja auch mit der Stadt im Gespräch. Sie hat angefangen, 17 Hektar umzustellen, hat dafür auch neue Geräte gekauft und sammelt halt erste Erfahrungen. Das ist, glaube ich, die richtige Herangehensweise: sich erst einmal heranzutasten, es auf einigen Flächen auszuprobieren.

Zahlen & Fakten

Mitte des 19. Jahrhunderts war Dresden eine Hochburg der Lepidopterologen – der Schmetterlingssammler und -forscher. Wissenschaftler aus aller Welt gaben sich hier die Klinke in die Hand. In Dresden etablierte Dr. Otto Staudinger (1830–1900) im Jahre 1859 eine Insektenhandlung, die sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zur weltweit größten ihrer Art entwickelte.

Über 800 000 Schmetterlinge in 23 500 Arten von allen Erdteilen umfasst die Schmetterlingssammlung des Museums für Tierkunde der Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden.

Über 400 Tagfalterarten kommen in Europa vor. Von diesen sind 189 aus Deutschland und wiederum 124 aus Sachsen bekannt. (Quelle: insekten-sachsen.de). 13 Prozent der Tagfalterarten ausgestorben – noch einmal so viele sind vom Aussterben bedroht.

Das Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ entstand als Kooperation zwischen der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, Naturschutzfonds, dem Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Sachsen e. V., dem Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL), Landesverband Sachsen e. V. und dem Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz e. V.
www.schmetterlingswiesen.de

 

Von Catrin Steinbach

Dresden, Königsbrücker Landstr. 159 51.128476 13.792925
Dresden, Königsbrücker Landstr. 159
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