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1500 Flüchtlinge in Bibliotheken in Dresden angemeldet

Lesen 1500 Flüchtlinge in Bibliotheken in Dresden angemeldet

Die Bemühungen der Dresdner Bibliothekare, Flüchtlinge und andere Ausländer in das Stadtleben zu integrieren, tragen Früchte: Seit dem Start der besonderen Integrationsprogramme im Jahr 2015 haben sich rund 1500 Flüchtlinge in den Bibliotheken angemeldet.

Die Gorbitzer Bibliotheksleiterin Almuth Weiß (links) und Marit Kunis-Michel von der Bibliotheks-AG Integration bemühen sich darum, Flüchtlinge ins kulturelle Leben der Stadt einzubeziehen.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Dresden. Die Bemühungen der Dresdner Bibliothekare, Flüchtlinge und andere Ausländer in das Stadtleben zu integrieren, tragen Früchte: Seit dem Start der besonderen Integrationsprogramme im Jahr 2015 haben sich rund 1500 Flüchtlinge in den Bibliotheken angemeldet, außerdem etwa 500 Russlanddeutsche und andere aus dem Ausland Zugezogene. Das teilte Bibliotheken-Direktor Arend Flemming mit. „Die Resonanz auf unsere Angebote für Flüchtlinge ist gut“, betonte er.

So haben die Bibliotheken Sonderbestände mit Büchern und anderen Medien in „leichter Sprache“ aufgebaut, die das Deutschlernen erleichtern. Inzwischen sind Bücher in 20 Sprachen verfügbar, wie sie von vielen Asylbewerbern gesprochen werden. Führungen für Flüchtlings-Familien kamen ins Programm sowie Pantomime und andere besondere Angebote für Klassen, die „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) lernen.

Als besonders erfolgreich hat sich die Idee der Dresdner erwiesen, die Anmeldung in einer Bibliothek schriftfrei in kleinen Bildzeichen, in Piktogrammen zu erklären. „Städte wie Hamburg, Berlin, Dessau und Frankfurt haben dieses Piktogramm-System für Flüchtlinge von uns übernommen“, sagte Flemming. „Da ist Dresden mal nicht die ,böse Stadt’.“

Besonders viel mit Asylbewerbern, die anfangs kein Wort Deutsch verstanden, hatte auch die Bibliothek am Merianplatz zu tun. „Gorbitz ist ein Wohnort für viele Flüchtlinge und das hat auch unsere Mitarbeiterinnen dort vor Herausforderungen gestellt“, betonte Bibliotheken-Fachdirektor Roman Rabe. „Die Kolleginnen haben spezielle Medienbestände zusammengestellt, darunter Bücher und Spiele für DAZ-Klassen.“

„Vor allem im ersten Halbjahr 2016 hatten wir sehr viele Anmeldungen von Flüchtlingen“, berichtet die Gorbitzer Bibliotheksleiterin Almuth Weiß. Freilich habe sich mancher davon nach der Anmeldung nicht mehr sehen lassen. Auch zeigten einige Flüchtlingsfamilien gar kein Interesse an einem Bibliotheksbesuch. „Wir müssen eben damit leben, dass es Menschen gibt, die ihre Bildungsbedürfnisse ohne Bibliotheken decken. Da spreche ich besonders von Erwachsenen“, sagt Weiß. „Wir versuchen daher, die Kinder direkt zu erreichen.“

Marit Kunis-Michel, die im Bibliothekenverbund die Arbeitsgruppe für Integration leitet, hat auch Erklärungen dafür: „Selbst für hochgebildete Flüchtlinge haben Bibliotheken den Ruf, nur für Wissenschaftler gedacht zu sein. Dass das auch ein Bildungsort für die ganze Familie sein kann, ist ihnen noch ein fremder Gedanke.“

Die Bibliothekare tüfteln aber bereits an neuen Ansätzen, Neu-Dresdner aus Syrien und anderen Ländern am kulturellen Leben der Stadt besser teilhaben zu lassen. So sollen die Filiale Gorbitz und weitere Bibliotheken „Leuchttürme der Integration“ werden. Sie bekommen dann Extra-Gelder aus dem Bibliotheken-Etat, um mehr Offerten für Flüchtlinge zu starten. Ab März wollen ausgewählte Stadtteilbibliotheken wie die Filiale Neustadt „Dialog in Deutsch“ ausprobieren. Entwickelt in den Bücherhallen Hamburg, richtet sich dieses Angebot besonders an Neuzugewanderte, die bereits etwas Deutsch gelernt haben. Sie können künftig in offenen Kursen in den Bibliotheken die für sie immer noch fremde Sprache im Dialog üben – mit anderen Flüchtlingen oder mit einheimischen Dresdnern.

Diese „Fortgeschrittenen“ unter den Flüchtlingen hat auch Direktor Arend Flemming im Blick für sein nächstes Projekt: Sie sollen als „Integrations-Paten“ – ähnlich den bereits etablierten Vorlese-Paten für Kinder – anderen Ausländern im Stadtviertel helfen, sich an die deutsche Kultur und Sprache heranzutasten. Eine halbe Stelle, um diese Multiplikatoren zu betreuen, habe er bereits durch eine Stiftung gesichert, sagte Flemming.

Von Heiko Weckbrodt

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