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17. Jewrovision setzt ein Zeichen für den Generationenzusammenhalt

Tanz- und Gesangswettbewerb 17. Jewrovision setzt ein Zeichen für den Generationenzusammenhalt

Werte, Religion und der Kreislauf des Lebens: 1200 jüdische Jugendliche aus 65 deutschen Gemeinden waren am Samstag beim 17. Jewrovision Gesangs- und Tanzwettbewerb zu Gast. Abräumer des Abends war die jüdische Jugendgemeinde Amichai aus Frankfurt am Main.

Amichai aus Frankfurt am Main sicherten sich den Doppelsieg.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden. 1200 jüdische Jugendliche aus 65 deutschen Gemeinden waren am Samstag zu Gast in Dresden, um den 17. Jewrovision Gesangs- und Tanzcontest zu bestreiten. Abräumer des Abends war die jüdische Jugendgemeinde Amichai aus Frankfurt am Main, die sowohl den Videopreis als auch den Preis für die beste Performance auf der Bühne mit nach Hause nehmen durfte.

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Die Jewrovision 2018 in Dresden

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Die Wahl sei auf Dresden als Austragungsort gefallen, weil die Vorjahressieger aus Hamburg stammen. „Die Elbe fließt von ihrer Quelle in Tschechien über Dresden nach Hamburg und mündet in die Nordsee. Damit verbindet die Elbe den Austragungsort der Jewrovision 2018, Dresden, mit dem Gewinner des letzten Jahres, dem Jugendzentrum Chasak Hamburg“, erklärt Josef Schuster, Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Wahl des Austragungsortes. Zudem passe der natürliche Kreislauf der Elbe perfekt zum diesjährigen Motto „Circle of Life“. Oberbürgermeister Dirk Hilbert lobte die Wahl. Die Jugendlichen und ihre Gemeinden verkörpern das, was er sich für Dresden wünsche: Weltoffenheit, Neugier und Toleranz.

Seit einigen Jahren sitzt Schauspielerin Rebecca Siemoneit Barum in der Fachjury des Contest. Ihr Augenmerk liegt auf kleinen Details und dem gewissen Etwas. „Mir muss es tatsächlich einfach ans Herz gehen. Das kann Rhythmus sein, besonderes Talent, Ausstrahlung – das geht wirklich ganz nach Gefühl.“ Das Besondere an der Veranstaltung sei, dass man als Jude in Deutschland nur bei der Jewrovision die Möglichkeit hat, unter so vielen Seinesgleichen zu sein: „ Das ist man nicht gewöhnt. Außer man fährt nach Israel.“

Der aus der RTL-Serie „Sankt Maik“ bekannte Schauspieler Daniel Donskoy (28) hat 2004 selbst an der Jewrovision teilgenommen. Das Zusammenkommen so vieler Jugendlichen macht für ihn die Veranstaltung zu etwas ganz Besonderem: „Ich hoffe einfach eine Flamme zu sehen, dass alle begeistert und mit vollem Herzblut dabei sind. Gerade an einem solchen Tag in Dresden, an dem es auch Nazi-Demonstrationen gibt, ist eine solche Veranstaltung wichtig.“

Lieber Jewrovision als Kölner Karneval

Judith Steinhauer

Judith Steinhauer

Quelle: Mareike Mirau

Groß war die Aufregung bei den Zehn- bis 19-jährigen Teilnehmern im Backstage-Bereich kurz vor Beginn der Show. Wochenlang hatten die Kinder für ihren Auftritt geprobt. Judith Steinhauer von „Jachad Köln“ stand gar nicht selbst auf der Bühne, hatte aber die Tanzschritte mit den Kindern aus ihrer Jugendgemeinde eingeübt: „In den letzten Wochen bin ich jeden Morgen sehr früh aufgestanden. Es mussten Kostüme geholt und wieder geändert und auch T-Shirts bedruckt werden. Vor Aufregung hatte ich fast schlaflose Nächte.“ Passend zur fünften Jahreszeit hatte die Kölner Jugendgemeinde auch ein bisschen Karnevalsstimmung im Gepäck. Mit rot-weiß-gestreiften Socken standen die Jugendlichen rund um Sänger Noam auf der Bühne in der Dresdner Messe.

Isabelle Wabnik, Karina Markhbein, Madelein Feldmann und Michelle Kligerman

Isabelle Wabnik, Karina Markhbein, Madelein Feldmann und Michelle Kligerman

Quelle: Mareike Mirau

Isabelle Wabnik, Karina Markhbein, Madelein Feldmann und Michelle Kligerman von „Olam Berlin“ haben bereits mehrmals an der Jewrovision teilgenommen und 2012 sogar gewonnen. In diesem Jahr ist der Sieg ist für die Mädchen nicht so wichtig: „Der Spaß steht ganz klar im Vordergrund. Wichtig ist, dass unsere Idee bei den Leuten ankommt.“ Ihre Performance stellt einen Lebenslauf dar.

Gefeiert wurde später bis tief in die Nacht zu teils modernen, teils traditionellen Rhythmen und Gesängen. Moderator Benny Solovei vom Jugendzentrum „Chasak Hamburg“ führte mit Witz durch den Abend. Social Media-Einschübe wie eingeblendete WhatsApp-Chats und Facetime-Aufzeichnungen unterstrichen dabei den jungen Charakter des Wettbewerbs. Zur Unterstützung waren Freunde und Familie angereist, die vor der Bühne mit Plakaten und Fahnen ihre Gemeinde unterstützten.

Keine Sachsen am Start

Strahlender Doppelsieger war am Ende das Jugendzentrum „Amichai Frankfurt“. Ihr Video thematisierte den Generationenzusammenhalt. Zwei Jugendliche machen gemeinsam mit ihrem Opa Frankfurt am Main unsicher. Nach der Videopräsentation fuhr die Gruppe Trommeln und aufwendige Kulissen auf. Der Siegersong thematisiert die Meilensteine des Lebens: Geburt, Zusammenhalt in der jüdischen Gemeinde, Liebe, Geburt eines Kindes und den Tod, den ein weißer Todesengel symbolisierte. Den zweiten Platz belegten „Or Chadasch Mannheim feat. Jujuba“. Auf dem dritten Platz landeten „Chai Hannover“.

Eine ostdeutsche jüdische Gemeinde ging in diesem Jahr nicht an den Start. Zuletzt hatte 2016 die Jugendgemeinde „Halle Anachu Chawerim“ am Jewrovision teilgenommen und den 17. Platz belegt. Nora Goldenbogen, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Dresden ist sich aber sicher, das die Jewrovision in Dresden für die jüdischen Gemeinden in Sachsen ein Ansporn gewesen sei, künftig auf Teil des Wettbewerbs zu werden.

Das ist die Jewrovision

Die Jewrosivion ist größte jüdische Gesangs- und Tanzwettbewerb Deutschlands. Der Wettbewerb steht im Mittelpunkt einer Jugend-Begegnung (Mini-Machane), bei der alle Teilnehmer gemeinsam den Shabbat feiern, jüdische Traditionen vermittelt werden und Zusammenhalt sowie die jüdische Identität der Jugendlichen gestärkt werden soll. Der Contest wurde 2002 ins Leben gerufen und wird in wechselnden Städten ausgerichtet. Seit 2013 ist der Zentralrat der Juden in Deutschland Veranstalter der Jewrovision.

Von Mareike Mirau

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