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Waldschänke Dresden-Hellerau wird wachgeküsst

Waldschänke Dresden-Hellerau wird wachgeküsst

Für die Waldschänke Hellerau gab es viele kühne Pläne von Eigentümern und Investoren. Alle scheiterten. Seit Ende der 1980er Jahre stand das einst beliebte Ausflugslokal leer und verfiel.

Gerettet haben das traditionsreiche Haus, das um 1890 als erstes Gebäude auf dem Gebiet der jetzigen Gartenstadt Hellerau errichtet wurde, am Ende die Bürger. Am 16. November ist es so weit: "Die Waldschänke wird wachgeküsst und als Bürgerzentrum den Einwohnern und Freunden Helleraus übergeben", freut sich Günther Rentzsch.

Der Architekt wollte vor Jahren dem fortschreitenden Verfall der Waldschänke nicht länger zusehen, sondern mobilisierte Gleichgesinnte. Alle zusammen gründeten 2008 einen Förderverein mit dem Ziel, die Waldschänke wieder aufzubauen. Der Kaufvertrag war noch nicht unterschrieben, da wurde im April 2009 bereits mit Aufräum- und Rodungsarbeiten begonnen, organisierten die Vereinsmitglieder ein kleines Walpurgisfest auf dem Gelände, um für das Projekt die Werbetrommel zu rühren und Spenden einzuwerben. "Rund 400 Neugierige waren hier. Die Hälfte hat garantiert gedacht: Das schaffen die nie", so Rentzsch. "Aber der Wiederaufbau der Frauenkirche und auch des Lingnerschlosses waren für uns ein Indikator - nichts ist unmöglich!"

"Der erste Plan war schon, hier wieder eine Gaststätte anzusiedeln", gibt Vereinsvorstand und Schatzmeister Martin Lindenberg zu. Aber dieser Traum war mit dem Nein der Banken schnell ausgeträumt. "Für gastronomische Konzepte gab es keinen Kredit." "Zudem wäre es schwer geworden, Spenden und Fördermittel einzuwerben, wenn dann im Haus kommerziell gewirtschaftet wird", weiß Rentzsch. Andererseits war auch schnell klar: Der Wiederaufbau der maroden, vom Hausschwamm befallenen und unter Denkmalschutz stehenden Waldschänke hätte sich ohne große Anbauten für einen privaten Investor kaum gerechnet. "Das ging nur mit viel privatem Engagement und Fördermitteln." Insgesamt flossen rund eine Million Euro an Fördergeldern, wurden 150 000 Euro Spenden eingeworben, tausende Stunden Arbeitszeit investiert. Nun ist die Waldschänke einzugsbereit.

Das Dachgeschoss wird ab 1. Januar 2014 das neue Domizil des Musikvereins Paukenschlag in Klotzsche. Ins Obergeschoss ziehen demnächst der Bürgerschaft Hellerau e.V., evtl. der Verein Weltkulturerbe Hellerau und der Förderverein Waldschänke. Für einen Raum wird noch ein Mieter gesucht. Das Erdgeschoss mit zwei unterschiedlich großen Sälen und eingebauter Küche soll für Veranstaltungen genutzt werden. Zudem können es Vereine und Privatpersonen mieten. Ganz wichtig: Durch Rampen und einen Fahrstuhl können sich auch körperlich gehandicapte Menschen im Haus bewegen. Mit den Mieteinnahmen will der Förderverein Waldschänke Hellerau peu á peu den aufgenommenen Kredit über 110 000 Euro tilgen. Und irgendwann soll natürlich weitergebaut werden. Der Keller ist noch nicht fertig. Der Rundanbau am Haus fehlt noch und auch für das Außengelände gibt es viele Pläne.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.10.2013

Steinbach, Catrin

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