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Von Chaarisma bis Wellkamm – Dresdner Friseure sind kreativ

Dem Coiffeur ist nichts zu schwör Von Chaarisma bis Wellkamm – Dresdner Friseure sind kreativ

Salon Kaiser. Zum Beispiel. So hießen mal Friseure. Früher. So hieß meiner, als ich noch jung war. Wer heute einen Friseursalon aufmachen will, muss sich da schon mehr ausdenken, muss sich sozusagen echt einen Kopf machen. Kein Wunder also, dass zum Beispiel am Körnerplatz ein Friseur „Die Kopfmacher“ heißt?

Kamm in! auf der Hauptstraße 25.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Salon Kaiser. Zum Beispiel. So hießen mal Friseure. Früher. So hieß meiner, als ich noch jung war. Wer heute einen Friseursalon aufmachen will, muss sich da schon mehr ausdenken, muss sich sozusagen echt einen Kopf machen. Kein Wunder also, dass zum Beispiel am Körnerplatz ein Friseur „Die Kopfmacher“ heißt?

Die Stadt ist voll von krehaartiven Coiffeuren - wir haben uns auf die Suche gemacht und hier einige Beispiele versammelt. Der Phanthaarsie sind, wie man sieht, keine Grenzen gesetzt - leider, manchmal. Es gibt Namen, die sind wirklich an den Haaren herbeigezogen - andere wieder sitzen haargenau, sind originell oder geradezu gescheit(elt). Urteilen Sie selbst.

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Kreative Salonnamen aus Dresden

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Das Wort Friseur stammt von dem französischen Verb „friser“ ab, was so viel wie „kräuseln“ bedeutet. Womit wir schon wieder mitten im Thema wären - bei manchen Salonnamen kräuseln sich einem die Nackenhaare. Das künstliche Kräuseln der Haare wurde übrigens von einem französischen Haarschneider erfunden, um 1827/28 herum.

Die ersten professionellen Friseurhandwerker sind allerdings schon etwa 3000 vor Christus nachgewiesen - in Ägypten. In Europa waren sie - viel später, aber immerhin schon im Mittelalter - als Bader bekannt, weil sie Badestuben betrieben. Bald trennten sich die Berufsgruppen in Bader und Barbiere, aber das sind alte Geschichten.

Ebenso wie die der PGH Haarpflege, die sich in Dresden am 24. Mai 1960 in der HO-Gaststätte „Italienisches Dörfchen“ gründete - zunächst mit 24 Mitarbeitern und drei Salons, von denen sich einer noch dazu in Radeberg befand. Die Produktionsgenossenschaft wuchs, und „in den 70er Jahren kämpfte sich auch die PGH Haarpflege durch den sozialistischen Wettbewerb. Ziele waren hier die ständige Planerfüllung und der Kampf um den Titel ,Für Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit und Disziplin’.“ So steht es in de Erinnerungen der Haarpflege eG, zu der die PGH nach der Wende umgestaltet wurde.

Heute geht der Kampf vermutlich eher um die Kunden - Friseure gibt es gefühlt an jeder Ecke. Gut möglich, dass deshalb die Suche nach einem Namen so wichtig ist. Einer, der im Kopf bleibt wie die Dauerwelle auf ihm. Einer, der was hairmacht. Einer, der im Vergleich gut abschneidet. Sprache ist nun mal geduldig.

Einer, der sich diesem Thema vor längerer Zeit schon einmal gewidmet hat, ist Wiglaf Droste - dem geneigten Dresdner von Auftritten z. B. in der Schauburg wohlbekannt. Er schrieb auf, was ihm in einer fremden Stadt alles zugemutet wurde, als er einfach nur jemanden suchte, der ihm die Haare schneidet. Das „Sparadies der Friseure“ ist das höchst unterhaltsame Ergebnis seiner haarsträubenden Sammlung - unnachahmlich (und deshalb wollen wir das hier auch gar nicht versuchen); sie gipfelt, das sei verraten, im Friseursalon „Kaiserschnitt“. Das ist haart, oder?

Für Eddi indes hätte es gepasst. Eddi Kaiser, so hieß er. Damals. Mein Friseur.

Von Bernd Hempelmann

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