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"Uns fehlt die Planungssicherheit": Elbhangfest-Chefin Jorinde Unger verteidigt die saftigen Eintrittspreise

"Uns fehlt die Planungssicherheit": Elbhangfest-Chefin Jorinde Unger verteidigt die saftigen Eintrittspreise

Dresdner Elbhangfest ist seit Sonntag schon wieder Geschichte. Insgesamt feierten rund 60 000 Besucher drei Tage lang zwischen Loschwitz und Pillnitz.

Das 23.

An der Spitze des Elbhangfest-Vereins steht zur Zeit die erst 22-jährige Jorinde Unger. Die DNN zogen gestern mit der jungen Geschäftsführerin Bilanz.

Frage: Frau Unger, wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf des diesjährigen Elbhangfestes?

Jorinde Unger: Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Das Wetter war zwar am Sonnabend leider ziemlich mies, weswegen an diesem Festtag deutlich weniger Besucher als erwartet kamen. Doch dies glich sich letztlich mit dem großen Zuspruch am Freitag und Sonntag aus, so dass am Ende wohl wieder die schwarze Null steht. Und das trotz einiger Beeinträchtigungen durch das Hochwasser.

Was wird Ihnen denn in besonderer Erinnerung bleiben?

Wie die Musiker der Staatskapelle beim Konzert mit René Pape und Tom Pauls dem Regen trotzten und weiter spielten, war einfach der helle Wahnsinn. Zumal die Instrumente der Musiker bei der Nässe wahrscheinlich ziemlich gelitten haben.

Der Schlosspark Pillnitz wird bei der nächsten Auflage des Elbhangfestes außen vor bleiben. Warum geht Ihr Verein voll auf Konfrontationskurs mit dem Land Sachsen?

Wir wollten mit diesem Beschluss unserer Mitglieder ein Zeichen setzen. Nämlich dass der Elbhangfest-Verein nicht alles mit sich machen lässt. Die Bedingungen der Schlösserverwaltung für eine weitere Bespielung waren unzumutbar. Für das Festwochenende wurde uns eine saftige Mieterhöhung von über 200 Prozent in Aussicht gestellt. Da dies finanziell überhaupt nicht zu stemmen wäre, bot man uns als Alternative an, die Jahreskarte für den Eintritt in den Schlosspark Pillnitz offiziell mit zu bewerben. Das kommt für uns nicht in Frage. Das geschachtelte Denken des Freistaates bei diesem Thema wollen wir nicht unterstützen.

Trotzdem gibt es nun einen attraktiven Veranstaltungsort weniger...

Das ist richtig, aber ich sehe in der jetzigen Situation auch eine Chance, um mit dem Fest neue Orte zu entdecken, zum Beispiel den Dorfplatz in Pillnitz, den Stadtteil Hosterwitz und die Weinberge. Wenn wir solche Areale künftig stärker mit einbeziehen, bedeutet das nicht, dass wir nie wieder im schönen Schlosspark Pillnitz feiern wollen. Entsprechende Gespräche werden natürlich weiter geführt.

Im Gegensatz zum Stadtfest und zur BRN müssen Besucher des Elbhangfestes eine Eintrittsgebühr zahlen. Woher kommt dieses Selbstverständnis?

Die Bunte Republik Neustadt und das Stadtfest werden von der Stadt komplett gefördert, wir nicht. Unser Fest organisiert ausschließlich der Verein. Zwar erhalten wir für das Elbhangfest im Nachhinein mit etwas Zittern auch finanzielle Unterstützung (Anm. d. Red.: der Kulturausschuss beschloss eine Förderung von 7500 Euro für dieses Jahr), doch die langfristige Planungssicherheit, die die beiden großen Feste haben, fehlt uns. Wir müssen beispielsweise jede Straßensperrung mühsam beantragen, allein das kostet viel Geld. Ich halte auch eine Eintrittsgebühr von neun Euro im Vorverkauf nicht für vermessen, wenn man bedenkt, dass man dafür an einem gesamten Wochenende Hunderte Veranstaltungen erleben kann. Für einen 3D-Kinofilm mit Überlänge zahlen Sie auch so viel.

Sie sind erst 22 Jahre jung und gerade mit Ihrem Studium der Kommunikationswissenschaft fertig geworden. Die Geschäftsführerin des Elbhangfest-Vereins habe ich mir älter vorgestellt...

Ach, bei mir hatte es nach der Bachelor-Arbeit einfach gut gepasst. Ich bin ja schon als Kind mit dem Elbhangfest aufgewachsen, habe oft im Festumzug mitgewirkt und auch schon als Praktikantin hier im Vereinsbüro gearbeitet. Als die eigentliche Geschäftsführerin Mandy Mitter im Februar die Elternzeit antrat, habe ich die Vertretung bis nächsten Sommer gern übernommen. Auch wenn es vor allem in der Anfangsphase sehr viel stressiger war, als ich dachte.

Was steht 2014 auf dem Programm?

Da wollen wir uns anlässlich des Todesjahres von Christian Morgenstern ganz dem Humor widmen. Das Motto des nächsten Elbhangfestes lautet deshalb auch "Von Loschnitz bis Pillwitz".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2013

Christoph Stephan

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