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Quidditch boomt: Quaffel und Klatscher fliegen auch im Großen Garten

Dresdner Team Quidditch boomt: Quaffel und Klatscher fliegen auch im Großen Garten

Den meisten Leuten dürfte dieser Sport – wenn überhaupt – aus den Harry-Potter-Büchern und -Filmen bekannt sein. Seit einigen Jahren ist Quidditch jedoch nicht mehr nur Zauberern und Hexen vorbehalten, sondern findet auch in der „Muggelwelt“ großen Anklang.

Quidditch ist – im Gegensatz zum Vorbild aus den Harry-Potter-Romanen – ein sehr laufintensiver Sport.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Den meisten Leuten dürfte dieser Sport – wenn überhaupt – aus den Harry-Potter-Büchern und -Filmen bekannt sein. Seit einigen Jahren ist Quidditch jedoch nicht mehr nur Zauberern und Hexen vorbehalten, sondern findet auch in der „Muggelwelt“ (als Muggel werden im Harry-Potter-Universum nicht-magische Menschen bezeichnet) großen Anklang. Auch in Dresden gibt es seit letztem Jahr die Möglichkeit, in einem Quidditch-Team, den Deluminators Dresden, mit zu trainieren.

Harry Potter und sein Team fliegen auf Besen. Das ist für uns Muggel aus technischen Gründen nicht möglich. Aber auch ansonsten unterscheidet sich das reale Quidditch vom fiktiven Sport (siehe beistehende Regelkunde). Aufgrund mangelnder magischer Kompetenzen ist das Spiel sehr körperbetont und laufintensiv. „Eine Mischung aus Rugby, Völkerball und Handball beschreibt es ganz gut“, erklärt Lucas Scheuvens, Spielertrainer der Deluminators Dresden. „Von der Intensität her ist es vergleichbar mit Eishockey. Wenn man das Spiel ernst nimmt, hält man kaum länger als zwei Minuten durch.“ Daher besteht ein Mannschaftskader bei Turnieren aus 21 Spielern, und es werden fliegende Wechsel (nicht wörtlich zu nehmen) vorgenommen.

Mit Harry Potter hat es angefangen, doch inzwischen ist Quidditch in der echten welt angekommen. Auch in Dresden wird der Zauber-Sport gespielt. Unsere fotografin war dabei!

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Der stilisierte Besen – eine rund ein Meter lange Stange, die jeder Spieler zwischen den Beinen hält – ist nicht nur eine Hommage an die Buchvorlage, sie dient auch als erschwerendes Element. So muss man seine Aktionen einhändig ausführen oder aber die Stange behindert einen beim Laufen, wenn man sie lediglich zwischen die Beine klemmt. „Viele denken, dass der Besen ein zusätzliches Verletzungsrisiko darstellt“, sagt Scheuvens. „Dabei ist es nicht so einfach, einen Gegner zu Boden zu ziehen, wenn man in der anderen Hand noch die Stange hält.“

Am wöchentlichen Training der Deluminators im Großen Garten nehmen rund 15 Spieler teil. „Dazu kommen sieben oder acht, die unregelmäßig kommen.“ Dabei finden nicht nur eingefleischte Harry-Potter-Fans zu diesem Sport. „Ich habe mit Harry Potter eigentlich gar nicht so viel am Hut“, gesteht Scheuvens. „Die meisten kommen vielleicht über Harry Potter zu Quidditch, aber niemand bleibt nur deswegen.“ Der nächste Schritt ist, sich als Verein eintragen zu lassen, dann würde der Club ab 2018 in der Quidditch-Liga Ost starten dürfen. Auch an den Meisterschaftsturnieren könnte man dann teilnehmen. Die deutsche Meisterschaft in diesem Jahr wird übrigens am 3. und 4. Juni in Jena ausgespielt. Hier nehmen 21 Teams teil, im vorherigen Jahr in Bonn waren es noch fünf. Damit ist der Boom auch in Deutschland zu erkennen, den dieser Sport international zu verzeichnen hat. Ein Beispiel: Bei der offiziellen Quidditch-Weltmeisterschaft im Jahr 2016 in Frankfurt nahmen 21 Nationalmannschaften teil, das erste Turnier 2012 wurde noch unter lediglich fünf Teams ausgespielt. Im Winter möchten die Deluminators an den Qualifikationsspielen für den European Quidditch Cup teilnehmen, quasi die Champions League der Besenreiter. Bis dahin bestreitet das noch junge Team Freundschaftsspiele und -turniere, beispielsweise den Slavic Cup in Warschau vor einigen Wochen.

Regelkunde

Ein Team besteht aus sieben Spielern:
– drei Jägern (auf Englisch und damit im offiziellen Quidditch-Fachjargon „chaser“), die versuchen, mit dem Quaffel („quaffle“) – einem nicht ganz aufgepumpten Volleyball – Punkte zu erzielen, indem sie ihn durch einen der drei gegnerischen Torringe werfen, was zehn Punkte gibt;
– zwei Treibern („beater“), welche die gegnerischen Spieler behindern, indem sie diese mit Klatschern („bludger“) abwerfen, als solche Bälle werden Dodgeballs benutzt.
– einem Hüter („keeper“), eigentlich ein Jäger mit Sonderrechten, der den Quaffel durch die eigenen Torringe abwehren und in der „keeper zone“ nicht angegangen werden darf.
– einem Sucher („seeker“), der nach 18 Minuten auf das Spielfeld kommt und versuchen muss, den Goldenen Schnatz („golden snitch“) zu fangen. Dieser kommt eine Minute vorher auf das Feld. Der

Schnatz ist ein Tennisball in einer Socke, die am Schnatzläufer befestigt wird. Wer den Schnatz fängt, bekommt 30 Punkte gutgeschrieben und beendet damit das Spiel.

Bis dahin deckt sich das Regelwerk weitestgehend mit der Harry-Potter-Vorlage (außer dass der Schnatz dort ein circa vier Zentimeter großer geflügelter Ball ist, der sich von Anfang an im Spiel befindet). Rivalisierende Jäger und Treiber dürfen sich gegenseitig tacklen und zu Boden reißen. Wer vom Klatscher getroffen wird, muss vom „Besen“ absteigen und nimmt solange nicht mehr am Spiel teil, bis er zu den eigenen Torringen zurückgelaufen ist und diese berührt hat. Außerdem gilt die „Four-Maximum-Rule“, die besagt, dass höchstens vier Spieler eines Teams auf dem Feld dem gleichen Geschlecht angehören dürfen.

Ein Deluminator ist übrigens ein magischer Gegenstand, der Lichtquellen aus der näheren Umgebung erlöschen lassen und später wieder entfachen kann. Demnach lautet der Schlachtruf des Dresdner Teams passenderweise „Wir knipsen euch das Licht aus!“

Die Mannschaft trainiert jeden Sonntag um 16 Uhr im Großen Garten nahe des Haupteingangs und des Dynamo-Trainingsgeländes. Interessenten können über die Facebook-Seite „Deluminators Dresden – Quidditch“ Kontakt aufnehmen.

Von Gerrit Menk

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