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Mit der Antenne durch die Dresdner Heide - Neue Sportart verbindet Peilfunk und Ausdauerlauf

Mit der Antenne durch die Dresdner Heide - Neue Sportart verbindet Peilfunk und Ausdauerlauf

Große Kopfhörer auf den Ohren und in der rechten Hand einen Peilsender. Wem bei seinem Spaziergang durch die Dresdner Heide ein Jogger mit dieser etwas seltsam anmutenden Ausrüstung entgegenkommt, braucht nicht etwa zu denken, dass er einem UFO-Jäger begegnet ist.

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Jonas Liebsch (l.) und Alexander Rehn (r.) begeistern sich für die neue Sportart Amateur Radio Direction Finding.

Quelle: Hauke Heuer

Der Läufer mit der Antenne betreibt die Sportart Amateur Radio Direction Finding (ARDF). Hier werden die Disziplinen Orientierungslauf und Amateurfunk miteinander verbunden.

Es gilt, mittels Peilempfänger einzelne Wegpunkte aufzuspüren und so möglichst schnell eine vorgegebene Strecke zu bewältigen. Die Anwesenheit an den entsprechenden Stationen wird mittels Chipkarte dokumentiert. Das Problem: Die Sender geben nur aller fünf Minuten für eine Minute ein Signal aus. Wenn man ein Signal verpasst hat, muss mehrere Minuten ausharrt werden, was viel Zeit kostet.

Was in Asien, Osteuropa und gerade in Tschechien eine öffentlichkeitswirksame Sportart ist, über die sogar das Fernsehen berichtet, ist in unseren Breiten noch relativ unbekannt. Jonas Liebsch (15) vom Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium betreibt den ungewöhnlichen Sport seit vier Jahren und hat bereits an zwei Jugendmeisterschaften sowie an der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Serbien teilgenommen.

"Man sollte keine Angst haben, sich dreckig zu machen, wenn man dem Peilsignal auf der Spur durch das Geäst rennt", sagt Liebsch. Um das Direktion Finding zu betreiben, müsse man nicht nur Interesse an der Funktechnik mitbringen, sondern auch ein wenig sportlich sein. Ansonsten sei es schwer, die Orientierungsstrecken, die acht bis zehn Kilometer lang sind, in einer schnellen Zeit zu absolvieren, so Liebsch.

Die Peilfunkläufer messen sich in verschiedenen Disziplinen, die durch die verschiedenen Funkfrequenzen definiert werden. Unterteilt wird in zwei und in 80 Meter Funkbandfrequenzen. Wobei der Wettkampf im Zwei-Meter-Band am schwierigsten ist. "Kurze Zwei-Meter-Band-Funkwellen werden leichter an Strommasten oder Bergen reflektiert. Oft wähnt man das Ziel dann in einer völlig falschen Richtung. Es erfordert viel Übung, um eine Reflektion von dem eigentlichen Sender, dem sogenannten Fuchs, zu unterscheiden", berichtet Liebsch über die Schwierigkeiten. In einer anderen Disziplin, dem sogenannten "Foxering", sind besonders schwache Sender im Gelände verteilt, die nur in unmittelbarer Nähe geortet werden können. Dafür sind die Sendebereiche auf einer Karte eingetragen, so dass man wenigstens weiß, wo man suchen muss.

Die Fähigkeiten, die der junge Hobbyfunker für seine Sportart braucht, hat er bei der Dresdner Amateurfunk-AG Saxonia erlangt. Thomas Hetland betreibt die Funkstation im BSZ seit 1998. In einer Kooperation mit dem Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium unterrichtet der Dozent am Berufsschulzentrum Schüler in der Kunst des Amateurfunks. Einige beginnen später auch mit dem ARDF. Allerdings nicht so viele, wie Hetland es sich wünschen würde. "Wir haben arge Nachwuchsprobleme. Zu DDR-Zeiten wurde das Peilfunken im Orientierungslauf im Rahmen der Gesellschaft für Sport und Technik verbreitet und entgegen der ursprünglichen Zweckes zur pseudomilitärischen Ausbildung missbraucht. Seit der Wende ist die Zahl der Aktiven kontinuierlich zurückgegangen", erklärt Hetland die Misere, in der die Sportart in Deutschland steckt.

Wer das ARDF selber einmal ausprobieren möchte, kann sich an die Amateurfunk-AG wenden, die sich jeden Dienstag um 14 Uhr trifft. "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Interessenten sollten sich auch nicht von der Technik abschrecken lassen, deren Hintergründe schnell gelernt sind", sagt Hetland.

Hauke Heuer

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