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Einmal Indien und zurück: Dresdner Mathias Vatterodt auf Abenteuerreise

Auf dem Landweg Einmal Indien und zurück: Dresdner Mathias Vatterodt auf Abenteuerreise

Der 31-jährige Dresdner Mathias Vatterodt fuhr mit dem Geländewagen nach Asien. Nach 55.859 zurückgelegten Kilometern ist er wieder zurück in Sachsen. Jetzt möchte er ein Buch über seine Abenteuerreise schreiben.

Mathias Vatterodt und sein Jeep am Elbufer in der Nähe des Blauen Wunders. Auf dem Fahrzeug sind Aufkleber der Länder zu sehen, die er besucht hat. Mitte Juni kam er aus Indien zurück.

Quelle: Stephan Hönigschmid

Dresden. Auf dem Landweg nach Indien. So sieht der große Traum des gebürtigen Dresdners Mathias Vatterodt aus, als er sich am 12. Juli 2016 mit seinem Jeep auf den Weg macht. Bei strahlendem Sonnenschein durchquert er zunächst Osteuropa und erreicht bald darauf die Türkei. Dort endet allerdings die unbeschwerte Reise. Denn in dem Land ist die Lage dramatisch. „Ich bin exakt in Istanbul angekommen, als sich der Militärputsch ereignete. In den Geschäften kam es zu Hamsterkäufen, Brücken waren geschlossen, und vor den Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen. Ich habe mich wie im Krieg gefühlt und dachte, dass die Reise jetzt vorbei ist“, erinnert sich der 31-Jährige.

Die rote Linie zeigt den Verlauf der Hinreise und die blaue Linie die Route der Rückreise

Die rote Linie zeigt den Verlauf der Hinreise und die blaue Linie die Route der Rückreise.

Quelle: privat

Glücklicherweise legt sich die Aufregung schnell und er kann seine Reise fortsetzen. Georgien lautet die nächste Station. Und die zeichnet sich durch eine unerwartete Fülle an nahezu unberührter Natur aus. „Für mich war Georgien sogar das schönste Land. Die alpine Landschaft des Kaukasus und die Vegetation mit den zahlreichen Wildblumen waren einfach wunderschön“, sagt Vatterodt.

Lockeres Leben im Iran hinter verschlossenen Türen

Nicht nur landschaftlich, sondern kulturell interessant, wird es im Iran. Obwohl es für den Dresdner wenig überraschend ist, dass die Frauen ein Kopftuch tragen und die Männer eine dominierende Rolle spielen, sammelt er im privaten Kontext andere Erfahrungen. „Ich habe im Iran Couchsurfing gemacht und dadurch einen Einblick in den Alltag der Menschen bekommen. Hinter verschlossenen Türen geht es ganz locker zu, es wird Alkohol getrunken und Partys werden gefeiert“, sagt der 31-Jährige. Einmal ist er gar bei einem schwulen Pärchen zu Gast und erfährt etwas von dessen Leben. „Sie haben gesagt, dass ihre Beziehung zwar geduldet wird, dass sie es ansonsten aber nicht leicht haben.“

Viel Bürokratie an chinesischer Grenze

Wildpferde, Jurten und Viehherden ziehen am Fenster seines Geländewagens vorbei, bis er nach tausenden weiteren Kilometern auf einmal in China ist. Eine vergnügliche Weiterfahrt bedeutet das jedoch nicht. Stattdessen heißt es: Bürokratie, Bürokratie und nochmals Bürokratie. „Bereits in Deutschland musste ich die Fahrt durch China ein Dreivierteljahr vorbereiten. An der Grenze hat es dann zusätzlich drei Tage gedauert, bis alle Fragen zum Auto und zur Route geklärt waren“, so Vatterrodt. 11 000 Euro wären fällig geworden, wenn der Dresdner allein durchs Land gefahren wäre. „Ich habe aber übers Internet einen Konvoi aus sechs Fahrzeugen organisiert, so dass es für jeden nur noch 2200 Euro waren.“

Hakenkreuz gilt in Tibet als religiöser Glücksbringer

Die 52 Kilometer lange Tour rund um den Berg Kailash in Tibet war für Mathias Vatterodt besonders anstrengend, weil die Luft in 5600 Meter Höhe

Die 52 Kilometer lange Tour rund um den Berg Kailash in Tibet war für Mathias Vatterodt besonders anstrengend, weil die Luft in 5600 Meter Höhe sehr dünn ist.

Quelle: privat

Dafür sitzt dann auch ein einheimischer Reiseführer mit im Auto, der beim Übersetzen und mit der Navigation hilft und im Sinne der Staatsführung wohl auch ein Auge auf die Touristen hat. Erst recht, wenn es nach Tibet geht. „Mein Ziel war der 5600 Meter hohe Berg Kailash, der sowohl bei Buddhisten als auch bei Hinduisten als Heiligtum gilt.“ Vier Flüsse gingen von ihm in vier Himmelsrichtungen ab und ergäben so ein Hakenkreuz. „Das Symbol kommt von dort, hat aber anders als bei uns keine politische Bedeutung, sondern gilt als religiöser Glücksbringer“, sagt Vatterodt.

52 Kilometer beträgt die Strecke, um den Berg einmal zu umrunden, was sich aufgrund der dünnen Luft auf dem „Dach der Welt“ als gar nicht so leicht herausstellt. „Wir haben es in zwei Tagen Fußmarsch geschafft, aber selbst die kleinsten Steigungen waren sehr anstrengend.“

Leichen werden einfach am Ufer verbrannt

Mit diesen Eindrücken im Gepäck erreicht Mathias Vatterodt nach 28.000 Kilometern und einem Schlenker über Laos und Thailand am 2. Dezember 2016 endlich sein großes Ziel: Indien. Während in Deutschland nasskaltes Wetter herrscht, erkundet er vier Monate lang den Subkontinent. Am Ganges erlebt er, wie Leichen am Ufer verbrannt werden, und im südindischen Auroville ist er in einer seit den 1960er Jahren bestehenden Hippiekommune zu Gast. „Die Menschen versuchen in der Kommune auf materielle Dinge zu verzichten. Sie bauen ihr Essen selbst an und wollen ohne Geld auskommen.“ Gerade in jüngerer Zeit habe das aber nicht funktioniert. „Weil sie auch Werkzeuge oder bestimmte Technik brauchen, sind sie auf Spenden angewiesen“, sagt der Dresdner.

Straßenszene im indischen Varanasi

Straßenszene im indischen Varanasi. Anders als in Deutschland geht es im Straßenverkehr in Indien ziemlich chaotisch zu.

Quelle: Mathias Vatterodt, privat

Pakistanische Polizei sehr an Sicherheit von Touristen interessiert

Obwohl er ursprünglich überlegt hatte, in Indien sein Auto zu verschiffen und zurückzufliegen, entschließt er sich im April, auch den Rückweg zu fahren. Dabei macht er sogar in Pakistan Station und fühlt sich in dem Land trotz anfänglicher Bedenken sehr sicher. „Die Menschen waren äußerst gastfreundlich und die Polizei hatte ein großes Interesse, dass uns nichts passiert, weshalb wir an manchen Orten nicht campen durften, sondern in der Polizeiwache übernachten mussten“, so Vatterodt.

Nach 55 859 zurückgelegten Kilometern und etwa 1000 in Visa investierten Euro trifft er am 17. Juni wieder in Dresden ein. Jetzt möchte er ein Buch über seine Reise schreiben, um die Eindrücke mit anderen zu teilen. Allerdings hat ihn zunächst der Alltag wieder. Und das heißt ab Juli vor allem eines: arbeiten. „Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen, den ganzen Tag im Büro zu sitzen. Aber das ist schon in Ordnung. Schließlich konnte ich mir nur so die Reise finanzieren“, sagt Vatterodt, der als Projektmanager in einer Berliner Softwarefirma tätig ist.


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Von Stephan Hönigschmid

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