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Der Johannstädter Kulturtreff wird für eine geschickte Aktion gleich doppelt belohnt

Kleine Idee, großer Ertrag Der Johannstädter Kulturtreff wird für eine geschickte Aktion gleich doppelt belohnt

Obwohl die Angebote wegen ihrer Niedrigschwelligkeit und des Lokalkolorits gut besucht sind, ist die Arbeit des Johannstädter Kulturtreffs insgesamt noch recht unbekannt. Deshalb haben die Verantwortlichen des Kulturtreffs mit einer kleinen und unspektakulären Idee im vergangenen Somer versucht, diese Barrieren zu überwinden.

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Nicole Kriening und ihr Sohn Theo sind dank der Keramik-Aktion nun öfter im Johannstädter Kulturtreff zu Gast.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Kinderchöre, Hula-Tanz, Mal- und Zeichenstunden, Keramikarbeiten oder chilenischer Folkloretanz – im soziokulturellen Biotop des Johannstädter Kulturtreffs gibt es nahezu nichts, was es nicht gibt. Zu über 50 Kursen pro Woche lädt Verein in das in die Jahre gekommenes Domizil auf der Elisenstraße ein. Doch obwohl die Angebote wegen ihrer Niedrigschwelligkeit und des Lokalkolorits gut besucht sind, ist die Arbeit des Johannstädter Kulturtreffs insgesamt noch recht unbekannt.

„Viele Dresdner wissen einfach gar nicht, dass es uns gibt“, erklärt Organisatorin Marleen Kuschke. Zudem gäbe es mentale Hürden und Anlaufschwierigkeiten, vor allem für sozial schwache Menschen. Deshalb haben die Verantwortlichen des Kulturtreffs mit einer kleinen und unspektakulären Idee im vergangenen Somer versucht, diese Barrieren zu überwinden. Mit Keramikmalereien lockten Marleen Kuschke und ihre Mitstreiter in die Vereinsstädte – ein großer Erfolg. Denn nicht nur Nicole Kriening und ihre Kinder sind seit dem Stammgäste auf der Elisenstraße, sondern auch die Kulturstiftung des Bundes fand die Idee außerordentlich gut und zeichnete den Johannstädter Kulturtreff im Rahmen der Initiative „Call for Members“ mit dem Sonderpreis „Beste Idee“ aus und übergab im September einen Scheck in Höhe von 4000 Euro.

Dabei war die Idee mit der Keramik ganz simpel. Beim dritten Bönischplatzfest in der Johannstadt im Juni dieses Jahres konnten Gäste Geschirr aus Keramik mit Mustern bekleben und bemalen. Anschließend nahmen Marleen Kuschke und ihre Mitstreiter die gesammelten Kunstwerke mit in die Vereinsräume und brannten sie dort im Ofen. „Die Leute mussten also wieder kommen, um ihre Arbeiten abzuholen. Wenn sie dann einmal hier sind, ist das Eis gebrochen und sie informieren sich über unsere Angebote, kommen wieder und berichten Freunden“, so Kuschke. „Es geht vor allem um Teilhabe, Hobbys und den Austausch mit anderen Menschen.“ Dazu komme natürlich auch die künstlerische und handwerkliche Komponente, sowie das Arbeiten unter fachlicher Anleitung.

„Wenn man das alles sieht, fragt man sich, warum man sich noch nicht viel früher hier her getraut hat“, sagt die 47-jährige Nicole Kriening, die mit ihrem siebenjährigen Sohn Theo beim Bönischplatzfest Keramik bemalte und seit dem mit ihren Kindern regelmäßig Angebote des Kulturtreffs nutzt. Vor allem neue Freundschaften und Perspektiven sowie schöne Beschäftigungen machten die Einrichtung für sie und ihre Kinder attraktiv. „So kommen wir wieder raus und unter Menschen, das ist sehr schön“, erzählt die dreifache Mutter.

Seit der Aktion konnte der Verein auch insgesamt neun neue Mitglieder verzeichnen. Das klingt auf den ersten Blick nicht sehr viel. Doch im Anbetracht der Tatsache, dass die Vereinsarbeit zum Großteil durch ehrenamtliche Helfer und Vereinsmitglieder verrichtet wird, eine echte Bereicherung. „Zudem haben wir auch in Bezug auf die Auszeichnung von ’Call for Members’ eine größere Aufmerksamkeit erzeugt“, erklärt Marleen Kuschke. Auch die 4000 Euro Preisgeld helfen wirtschaften. „Unsere Finanzierung ist sonst strengt projektgebunden, da bleibt kaum etwas übrig für unser Haus oder kleine, notwendige Anschaffungen“, sagt Kuschke.

Motiviert von „Call for Members“ wirbt der Verein nun auch in seinen Kursen neuen Flyer gezielt um Mitglieder, Spenden und ehrenamtliche Hilfe. Zudem wächst das soziokulturelle Angebot in den Bereichen Kunst, Sport, Sprachen, Musik, Handwerk und Interkultur stetig, fast monatlich gibt es neue Kurse.

Das gesamte Programm rund um Klöppeln, Akkordeonorchester, Qigong und Theaterkurse finden Sie unter www.johannstaedterkulturtreff.de. Zudem gibt es regelmäßig Angebote von externen Veranstaltern, die sich in die Räumlichkeiten an der Elisenstraße 35 einmieten.

Von Sebastian Burkhardt

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