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Das 8. Dresdner Neujahrssingen zelebriert Liebesgrüße als musikalische Heldenvariationen

Dresdner Szene feiert sich Das 8. Dresdner Neujahrssingen zelebriert Liebesgrüße als musikalische Heldenvariationen

Das Neujahrssingen der Dresdner Musikszene hat sich auch 2017 als große Party erwiesen. Am Freitagabend und am Samstagabend füllten diverse Szenegrößen die Bühne im alten Schlachthof zum Motto „All we need is love“.

Klaus M.Braune singt Kiss.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Die Grundsatzfrage fürs Publikum bleibt auch nach der achten Edition: Ist das Dresdner Neujahrssingen freitags oder samstags besser? Die Frage stellt sich für Spontane nicht, denn der zweite Termin – den alle direkt Beteiligten erfahrungsgetragen empfehlen – gerät neuerdings recht rasch ausverkauft, so dass man diese dann am Freitag als „bestes Dresdner Neujahrspublikum“, wie Moderator Hendryk Proske es mindestens dreizehn Mal lobt, nur hier erlebt. Wobei der Superlativ nur genau 24 Stunden hält, denn natürlich war es das am ausverkauften Sonnabend ebenso.

Just 790 plus 850 Gäste sahen sich die jüngste Version an, also in Summe 340 mehr als im Vorjahr, so dass sich der Umzug der zutiefst Neustädter Erfindung, die ihre ersten fünf Jahre in der Scheune verbrachte, in den Alten Schlachthof als goldrichtig erweist. „All we need is Love“ heißt das selbst erkannte und auferlegte Motto des Jahres – und es geriet (anders, als zu erwarten war) erstaunlich wenig morbide – also als Ode an die verstorbenen Pophelden des Vorjahres. Dennoch war der eindeutige Höhepunkt des Abends eine solche: Sascha Aust vollbrachte als arteigene Prince-Performance – unter wohlwollender Beobachtung der Familie – eine rasante Version von „Purple Rain“, die als dem Original würdig zurecht mit dem größten Beifall beider Abende gewürdigt wurde.

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Das Neujahrssingen der Dresdner Musikszene hat sich auch 2017 als große Party erwiesen. Am Freitagabend füllten diverse Szenegrößen die Bühne im alten Schlachthof zum Motto „All we need is love“.

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Das Grundprinzip des Doppelabends als inzwischen total vom Original emanzipierte Adaption des Hallenser Weihnachtssingens hat sich bewährt: Das Dresdner Neujahrsorchester – eine ausgereifte Proficombo unter Leitung von Bassgitarristen Tom Vogel, die die Titel mit allen Interpreten ordentlich proben. Mittlerweile zeigen die meisten Leute ihre Bühnenerfahrung, die Tendenz geht zur außergewöhnlichen Interpretation, die den Fokus auf Einmaligkeit und Showeffekt legt.

Für echte Musikfreunde streut das Orchester seine Perlen ein: Neben Aust waren das Backgroundsängerin Maxi Kerber, die mittels Beyonce und „Crazy Love“ im schwarzen Lederlook zeigt, wie es bei Profis klingt und aussieht. Und Musikdirektor Vogel gibt sich als Brian Adams mit „Have you ever loved a Woman“ die Ehre.

Ein weiterer Höhepunkt: Dresdens einzig wahrer Brachialromantiker Dieter Beckert mit seiner balladenhaft ergänzten Version von „Nights in White Satin“ von The Moody Blues. Aber auch Katja Hofmann als Lady Gaga mit deren „Bad Romance“, Fräulein M. als jungfräuliche Madonna oder Manina Heim als Hello-Adele sind große Nummern im Sinne des Konzepts, während bei Michael Heinemann alias Marvin Gaye sogar Büstenhalter auf die Bühne prasselten.

SAX-Chefredakteur Uwe Stuhrberg, der am 20. Januar wieder mit „Asses of Fire“ alljährlich Turbonegro und deren Deathpunk gedenken wird, gab diesmal mit der Ärzte „Schrei nach Liebe“ einer anderen Form der Übernächstenachtung Platz, seine Frau Angela erfüllte mit Sillys „Bataillon d‘Amour“ ebenso wie Ulf D. Neuhaus, der Holger Bieges per „Deine Liebe und mein Lied“ gedachte, die Ostsehnsuchtsquote, während Konrad Klups als „Easy“-Rap-Panda und Beissert als Rammstein die deutschsprachige Fraktion ergänzte.

Nicht so prägnant wie gewohnt: Olaf Schubert als Jane Birkin, die vergeblich Jochen Barkas alias Serge Gainsbourg um „Je t‘aime“ anfleht, und auch Wolf-Dieter Gööck als Nick Cave, während die beiden Zugaben nach 29 Songs mit allen Akteuren auf der Bühne wieder mitrissen: „Wannebe“ der Spice Girls und „Angels“ von Robbie Williams leiteten zehn vor zwölf in den Tanzmorgen über.

Die Grundsatzfrage, ob im nächsten Jahr am selben Wochenende und Ort nun Freitag oder Samstag, bleibt so wohl nur eine für Vorplaner und -kartenkäufer. Ein übergreifendes und dennoch griffiges Motto für die Musikauswahl zu finden, wird hingegen immer schwieriger. Wobei sich auch 2017 zeigte: Thematische Reduktion funktioniert besser als geografische wie sprachliche. So gehörten die „One-Hit-Wonder“ ebenso wie Kino-, Höllen- oder nun die Liebeshits zu den für Rockfans ergiebigeren. Aber an Tagen wie diesen zählt die Show natürlich mehr.

Von DNN

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