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SPD kritisiert Haltung der Stadt Dresden gegen Projekt für Schulverweigerer

Jugendhilfe SPD kritisiert Haltung der Stadt Dresden gegen Projekt für Schulverweigerer

In der SPD gibt es Kritik am Umgang der Stadt Dresden mit dem Projekt für Schulverweigerer „2. Chance“. „Wir brauchen so ein Angebot“, erklärte Dorothée Marth, die für die SPD im Jugendhilfeausschuss sitzt. Sie reagierte damit auf einen DNN-Bericht über das drohende Aus für das Projekt.


Quelle: dpa

Dresden. Der Umgang der Verwaltung mit dem Schulverweigererprojekt „2. Chance“ stößt in der Stadt auf Kritik. „Wir brauchen so ein Angebot“, erklärte Dorothée Marth, die für die SPD im Jugendhilfeausschuss sitzt. Sie reagierte damit auf einen DNN-Bericht über das drohende Aus für das Projekt.

Die AWO Kinder- und Jugendhilfe gGmbH der Arbeiterwohlfahrt und das Sächsische Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden (SUFW) bieten derzeit mit der „2. Chance“ Jugendliche einen Perspektive, die als Schulverweigerer auffällig geworden sind. Meist gibt es dazu eine lange Vorgeschichte. Die jungen Menschen kommen aus problematischen Familienverhältnissen, berichten von unüberbrückbaren Konflikten mit Lehrern an ihrer früheren Schule und fassen bei AWO und SUFW langsam wieder Fuß. „Es geht darum, den Jugendlichen wieder einen geordneten Tagesablauf zu vermitteln“, erläuterte Handwerksmeister Uwe Lang, der die Jugendlichen bei praktischen Arbeiten mit Holz, Metall und andere Materialien anleitet. Im Fokus stehen zudem Aspekte wie Gruppenfähigkeit, Pünktlichkeit oder das Vermögen, sich über eine bestimmte Zeit auf eine Tätigkeit zu konzentrieren. Auch Unterricht in Deutsch, Mathe oder Englisch stehen auf dem Programm. Beim SUFW werden derzeit acht Jugendliche betreut. Sie erfüllen damit ihre Schulpflicht und sollen die Chance erhalten, den Weg zu einer beruflichen Qualifikation einzuschlagen. „Wir wollen sie möglichst an weiterführende Maßnahmen heranbringen“, erläutert Nataliya Demchuk, Sozialpädagogin bei der „2. Chance“. Das zielt auf Praktika in Unternehmen oder ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), mit dem der Hauptschulabschluss verbunden sein könnte.

Handwerksmeister Uwe Lang und Sozialpädagogin Nataliya Demchuk gehören zum Team beim Sächsische Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden (SUF

Handwerksmeister Uwe Lang und Sozialpädagogin Nataliya Demchuk gehören zum Team beim Sächsische Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden (SUFW), das sich mit dem Projekt „2. Chance“ um Schulverweigerer in Dresden kümmert.

Quelle: DNN

Die Stadt will das Projekt stoppen. Die ursprüngliche Absicht – Reintegration in die Herkunftsschule – sei kaum noch erreicht worden. Die Evaluationsergebnisse des städtischen „Allgemeinen Sozialen Dienstes“ würden derzeit aufbereitet und dem Jugendhilfeausschuss im November vorgelegt, hieß es auf DNN-Anfrage. Bei den Trägern werden schon Zweifel an der Argumentation laut. Zwar sei einerseits die Reintegration ins Schulsystem Ziel der Projekte gewesen, auf der anderen Seite aber auch die Integration in andere Angebote.

2015 gab die Stadt für 58 Fälle rund 345 000 Euro aus, 2016 waren es 277 000 Euro für 41 Jugendliche und 2017 schlugen 174 000 Euro bis Mitte Oktober für 33 Fälle zu Buche. Das Projekt „2. Chance“ soll mit seiner derzeitigen inhaltlichen Ausrichtung nicht ersetzt werden, heißt es. „Für solche Projekte besteht kein Bedarf“, erklärte die Verwaltung schriftlich.

Fakt ist, dass die Zahlen für Schulverweigerung steigen. 2015 wurden 1164 Fälle amtlich registriert, 2016 schon 1411 und in diesem Jahr waren es bis Ende Juni schon 971, bis zum Jahresende hochgerechnet könnte es mehr als 1900 werden. Dabei ist dies nur die amtlich registrierte Spitze des Eisberges. Die Zahlen umfassen nur die Fälle, die schon so verfahren sind, dass es zu Ordnungswidrigkeitsverfahren kommt, die mit Bußgeld von bis zu 1250 Euro enden können.

Martin Seidel, Geschäftsführer der SUFW, macht sich daher bereits Sorgen um die Perspektive der jungen Menschen, wenn ab Januar das Projekt „2. Chance“ nicht mehr existieren sollte. Damit verschwinde das Problem ja nicht, meint der frühere Dresdner Sozialbürgermeister. Er hat Verständnis dafür, wenn die Stadt die alleinige Finanzierung über die kostspieligen Hilfen zur Erziehung (HzE) nicht fortsetzen will und befürwortet die Suche nach Alternativen. Bislang hatte die Verwaltung damit aber keinen Erfolg.

Dorothée Marth fehlt dagegen das Verständnis für das Vorgehen der Stadt. „Ich teile die Argumentation nicht“, erklärt die SPD-Politikerin. Die von der Stadt diagnostizierte Erfolglosigkeit des Projekts sei Interpretationssache. „Wenn die Jugendlichen nicht wieder an ihre alte Schule vermittelt werden, ist das dann Versagen? Oder ist es nicht auch ein Erfolg, wenn die jungen Leute in berufsvorbereitenden Angeboten oder ähnlichem vorankommen?“, fragt sich Marth. Den Machern im Projekt erscheint ohnehin fraglich, welchen Sinn es macht, auf der Rückkehr in die alte Schule zu bestehen, wenn die Jugendlichen dies für sich für unvorstellbar halten.

Die Stadt will künftig in Projekte investieren, die „Schulverweigerung gar nicht erst aufkommen lassen“, und denkt dabei vor allem an den Ausbau der Schulsozialarbeit. Künftig sollen alle jugendhilflichen Angebote, sowohl die der offenen Jugendarbeit, der Sozialarbeit als auch der Angebote der HzE, stärker auf die Schulpflichterfüllung hinarbeiten.

Für Marth ist das eine „hanebüchene Argumentation“, der Verweis auf die Schulsozialarbeit sei „ziemlich lächerlich“. Die Schulsozialarbeiter könnten das gar nicht leisten. Für die Stadt gehe es nur „um Finanzfragen“, vermutet Marth. Die Verwaltung lasse das Projekt „langsam sterben“. Aufgrund der ungewissen Zukunft könnten die Träger keine Jugendlichen mehr aufnehmen, die sinkenden Zahlen nutze die Stadt dann als nachträgliche Rechtfertigung. Schulverweigerung und der Kampf dagegen sei ein „komplexes Thema“. Strahlende Erfolgsgeschichten seien da nicht zu erwarten. Es gehe darum „Abwärtskarrieren zu stoppen“. Mit Angeboten wie der 2. Chance seien bei den betroffenen Jugendlichen noch Bildungserfolge möglich. Marth: „Jedes einzelne Kind ist es wert, dass wir darum kämpfen.“

Von Ingolf Pleil

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