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Große Aufregung um Zukunft der Schulen in Dresden

Schulentwicklung Große Aufregung um Zukunft der Schulen in Dresden

Die Diskussion um die künftige Schulstruktur in der Stadt ist in vollem Gange. In einem Schreiben an Stadträte haben Eltern aus dem Dresdner Norden jetzt massive Kritik vorgetragen.

Wie schwer Prognosen offenbar sind, zeigen die Ergebnisse verschiedener Anläufe in den vergangenen Jahren. Was vor zehn Jahren (blaue Linie) angenommen wurde, ist heute längst überholt.

Quelle: Stadt/Grafik: A. Eylert/Foto: dpa

Dresden. Die künftige Schulstruktur in der Stadt sorgt für viel Wirbel bei den Eltern. Aus dem Dresdner Norden flatterte Stadträten jetzt ein Schreiben auf den Tisch, dass es in sich hat. „Die Elternvertreter sind aufgeregt“, fasst es Silvana Wendt von den Horteltern in Langebrück zusammen.

Im Ton moderat, aber in der Sache knallhart listen Elternvertreter der Schulen und Horte in Klotzsche, Weixdorf und Langebrück ihre Kritik an den Plänen der Stadt auf. Hinweise aus früheren Stellungnahmen seien nicht berücksichtigt worden, „reale Bevölkerungsdaten“ würden „schlicht ignoriert“.

Stein des Anstoßes ist der Entwurf für den Schulnetzplan, den Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann im August auf den Tisch legte. Auf hunderten Seiten wird darin detailliert die künftige Schulstruktur entworfen, wo gibt es welche Schule mit wie vielen Klassen. Vor etwa einem Jahr hatte die Verwaltung unter dem damaligen Interims-Bildungsbürgermeister Peter Lames (SPD) schon mal einen Vorentwurf zur Diskussion gestellt.

Aus Sicht der Eltern im Dresdner Norden hat sich seither nicht viel getan: Schülerzahlen und Raumkapazitäten im Papier der Stadt würden „von der Realität teilweise deutlich abweichen und einer Korrektur bedürfen“. Beispiel Grundschulen: Statt 30 überschüssigen Schulplätzen wie im Schulnetzplan für Weixdorf ausgewiesen, gibt es dort aus Sicht der Eltern so wenig Platz, dass der Bedarf nur gedeckt werden kann, wenn zwei Container dauerhaft die Schule erweitern.

Für die 85. Grundschule in Klotzsche seien im Schulnetzplan von 2011 insgesamt 21 Räume ausgewiesen worden, 2017 stehen 33 Räume im Plan – ganz ohne bauliche Veränderungen in der Zwischenzeit. Beispiel Schülerzahlen: Der Schulnetzplan prognostiziere für das kommende Schuljahr in den ersten Klassen in den sechs Grundschulen im gesamten Norden 304 Kinder, der Stand der Anmeldungen belaufe sich aber schon auf 361 Knirpse. Wo der „Ernst des Lebens“ für viele beginnt, sei damit unklar. „Die Differenzen sind nicht zu verstehen“, schüttelt Wendt den Kopf.

Bei den weiterführenden Schulen setzt sich das Problem denn auch fort. Hier rechnen die Eltern Differenzen zwischen der Prognose im Plan und ihren Erwartungen von 37 Kindern im kommenden Schuljahr und gar 84 Kindern im Schuljahr 2021/22 hoch – diese Abweichungen entsprechen zwei bis vier Schulklassen. Schon bei diesen Zahlen würde die Kapazität von fünf Klassenzügen an der 82. und der Oberschule Weixdorf nicht ausreichen. Erschwerend werde aber noch hinzukommen, so sind sich die Eltern sicher, dass sich die Stadt beim Zuspruch für Gymnasium und Oberschule verkalkuliere. Mütter und Väter rechnen mit einem viel höheren Bedarf an Oberschulplätzen, auch weil Gymnasiasten ohne Bildungsempfehlung auf dem Pfad zum Abitur überfordert sein könnten. Schließlich sei auch die Kapazität des Gymnasiums Klotzsche unzureichend. Die Eltern fürchten, dass viele Kinder aufgrund dieser Entwicklung in die Innenstadt umgelenkt werden und unzumutbare Schulwege in Kauf nehmen müssten.

Neben der Sanierung des Gymnasiums Klotzsche ab 2019 sollte die Gründung der 151. Oberschule an der Königsbrücker Straße, die der Schulnetzplan für 2021/22 vorsieht, vorgezogen werden. „Als vierzügige Gesamtschule“, so schwebt es den Eltern vor, sollte diese Einrichtung den Bedarf an „Gymnasial- und Oberschulplätzen aus dem Dresdner Norden“ abdecken. Mit zusätzlichen Herausforderungen durch die Inklusion oder Kinder mit Migrationshintergrund ließe sich die Beschreibung der Lage noch weiter zuspitzen. Die Stadt müsse den Schulnetzplan „den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen und die nötigen Plätze bereitstellen“, fasst Silvana Wendt, die für die CDU im Stadtrat sitzt, die Forderungen zusammen.

In der Verwaltung wird dagegen darauf gesetzt, dass sich vieles noch richtet. Grundsätzlich liege es in der Natur der Sache, dass nicht alle Hinweise Eingang in den Entwurf finden konnten, erklärte der Bereich von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) auf Anfrage. Bei der Grundschule Weixdorf habe sich tatsächlich ein Fehler in den Plan eingeschlichen. Bei der 85. Grundschule komme es zu unterschiedlichen Raumangaben, weil früher Teile der Schule von der 82. Oberschule genutzt und dieser im Schulnetzplan 2011 auch zugeordnet waren. Bei den Schülerzahlen könne von den Anmeldungen nicht auf die tatsächlich in den Schulen der Stadt ankommenden Kinder geschlossen werden. In den Anmeldezahlen seien genauso Kinder enthalten, deren Eltern eigentlich eine freie Schule anstreben, wie Kinder die ein Jahr zurückgestellt oder an eine Förderschule gehen werden. „Es ist falsch daraus Rückschlüsse auf eine vermeintlich falsche Prognose zu ziehen“, erklärte die Stadt. Den Sorgen um Oberschulen und Gymnasium widerspricht die Verwaltung. Die fünf Züge an der 82. und der Weixdorfer Oberschule seien „auskömmlich“. Sollte es anders kommen, könne die 151. Oberschule für Entlastung sorgen. Bei einem Wechsel vom Gymnasium an die Oberschule bestehe kein Anspruch auf eine bestimmte Einrichtung. Oberschulen hätten einen stadtweiten Einzugsbereich. In den vergangenen Jahren wären jährlich etwa 140 Schüler vom Gymnasium an die Oberschule gewechselt. Die Stadt plane grundsätzlich mit 25 Schülern pro Klasse. Die gesetzliche Klassenobergrenze liege aber bei 28. Bei 71 Oberschulzügen ergebe sich damit ein Puffer von 231 Schulplätzen. Schließlich erteilte die Verwaltung der Idee der „Gesamtschule“ eine Absage, da eine solche Schulart im sächsischen Schulgesetz nicht vorgesehen sei. „Die 151. Oberschule ist als vierzügige Oberschule geplant.“

Von Ingolf Pleil

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