Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dresden bleibt auf Mehrkosten für bessere Betreuung in Kinderkrippen sitzen

Kinderbetreuung Dresden bleibt auf Mehrkosten für bessere Betreuung in Kinderkrippen sitzen

Eine bessere Betreuung in Kindertagesstätten ist nur über mehr Personal möglich. Schrittweise steigen auf Beschluss des Landtages inzwischen die Zahlen. Für Kommunen wie die Stadt Dresden hat das unangenehme Nebeneffekte.

Beim Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen sind in diesem Jahr rund 230 Stellen für pädagogisches Fachpersonal neu zu besetzen.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden.  Die gesetzlich vorgeschriebene Verbesserung des Personalschlüssels in Kindereinrichtungen hat für Dresden an verschiedenen Stellen unangenehme Nebeneffekte. Wie die Leiterin des Eigenbetriebes Kindertageseinrichtungen, Sabine Bibas, gegenüber DNN erklärte, bleibt die Stadt auf einem Teil der zusätzlichen Kosten sitzen und sie hat Probleme bei der Suche nach qualifiziertem Personal.

Der Freistaat hat auf Beschluss des Landtags in den letzten Jahren den Betreuungsschlüssel in Kindereinrichtungen verbessert. Nach der stufenweisen Erhöhung für Kindergärten, hier gilt jetzt der rechnerische Personalschlüssel von einem Erzieher für 12 Kinder, gibt es nun weitere Verbesserungen im Bereich der Kinderkrippen. Ab 1. September liegt der Personalschlüssel bei einer pädagogischen Fachkraft für 5,5 Kinder, im nächsten Jahr verbessert er sich auf 1 zu 5. Parallel dazu hatte der Freistaat seine Zuschüsse angehoben. Die sogenannte Kita-Pauschale ist inzwischen von 2010 Euro im Jahr 2015 auf 2295 Euro ab Herbst dieses Jahres gestiegen. Ein Jahr später steigt er nochmals auf 2455 pro Jahr und betreutes Kind.

„Durch die gesetzliche Anpassung des Personalschlüssels im Krippenbereich entsteht für die kommunalen Kindertageseinrichtungen ein Stellenmehrbedarf von 56 Vollzeitäquivalenten“, teilte Betriebsleiterin Bibas mit. Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 32 Stunden, seien damit 70 Erzieherinnen oder Erzieher zusätzlich einzustellen. Und da liegt eins der Probleme.

Beim Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen sind in diesem Jahr rund 230 Stellen für pädagogisches Fachpersonal neu zu besetzen. Das liegt zum Einen an der üblichen Fluktuation. Zum Anderen machen laut Bibas die wegen des verbesserten Personalschlüssel im Krippenbereich erforderlichen Neueinstellungen einen „bedeutenden Teil“ davon aus. Der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen werde bei den Bewerbern durchaus als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen. „Gleichwohl spüren auch wir die Auswirkungen des Fachkräftemangels deutlich“, konstatierte Bibas. Insbesondere außerhalb des Schuljahreswechsels an den Berufsfachschulen sei es schwierig, neues Personal zu gewinnen. Gab es 2013 noch 3,6 Bewerber pro ausgeschriebener Stelle, so sind es in diesem Jahr nur noch 2,4 Bewerber.

.

Und auch finanziell hat die Personalverbesserung für die Landeshauptstadt Folgen. Für die Finanzierung des ab 1. September 2017 im Krippenbereich verbesserten Personalschlüssels müsse der Eigenbetrieb rund 976 000 Euro im Rest des Jahres aufbringen. Mit der gleichzeitigen Erhöhung der Kita-Pauschale von 2165 Euro auf 2295 Euro kann die Stadt mit Mehreinnahmen von 840000 Euro rechnen. Bibas: „Unter dem Strich zahlt die Kommune also rund 136 000 Euro allein für den Bereich der kommunalen Einrichtungen im Jahr 2017 zu.“ Hochgerechnet auf ein ganzes Jahr würden sich die zusätzlichen Aufwendungen bereits auf knapp 450000 Euro summieren, allein für die kommunalen Kitas. Unter Einschluss der Einrichtungen in freier Trägerschaft sind zusätzliche Aufwendungen in Höhe von knapp einer Million Euro für die Landeshauptstadt im Jahr 2018 zu erwarten.

Ab September 2017 sollen auch Assistenzkräfte in den kommunalen Kindertageseinrichtungen eingesetzt werden. Die Einstellungsverfahren laufen bereits. Die Verträge sind jeweils auf zwei Jahre befristet. In der Einstellung von Assistenzkräften sieht die Stadt vor allem eine zusätzliche Möglichkeit, um motivierte Männer und Frauen für den Erzieherberuf zu begeistern. Wer sich bewährt, kann mit einem Angebot für eine berufsbegleitende Qualifikation durch den Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen rechnen. Einstellungschancen haben unter anderem Sozialassistenen, Kinderpfleger oder auch Kinderkrankenschwestern.

Bibas wollte sich nicht darauf festlegen lassen, ob die Verbesserung des Betreuungsschlüssels genügt, um die wachsenden Aufgaben etwa durch die Inklusion oder Zuwanderung zu bewältigen. „Lassen Sie uns das Positive voranstellen: Das Land hat die gestiegenen Anforderungen an die frühkindliche Bildung erkannt. Allein deshalb können wir uns im September über eine Verbesserung des Personalschlüssels im Krippenbereich freuen“, erklärte sie. Ein weiterer Schritt folge noch, in den Kindergärten habe es schon Verbesserungen gegeben. „Dieser Prozess ist nach unserer Einschätzung auch noch nicht am Ende angelangt“, ergänzte Bibas. Wissenschaft und Praxis drängten nicht ohne Grund darauf, den Personalschlüssel noch weiter zu verbessern. So fordere das Deutsche Kinderhilfswerk im Krippenbereich einen Personalschlüssel von 1:3 bei 1- bis 2-jährigen Kindern. Ein ähnliches Ergebnis zeigte die deutsche Bertelsmann-Studie auf. Für den Bereich Kindergarten empfehle das Deutsche Kinderhilfswerk einen Personalschlüssel von 1 zu 8, von der Bertelsmann-Studie werde sogar 1 zu 7,5 gefordert.

Von Ingolf Pleil

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bildung
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.